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Facebook

Boris Palmer bricht das Fasten

Die Debatte um die Bahn-Werbung geht weiter. Der Tübinger Oberbürgermeister kommentiert auf Facebook Beiträge anderer.

27.04.2019

Von Gernot Stegert

Bild: Ulrich Metz

Boris Palmer kann‘s nicht lassen. Sein „Facebook-Fasten“ bis zu den Wahlen am 26. Mai hat er gebrochen. Zwar postete er nichts auf seiner Seite, kommentierte aber Beiträge anderer. „Wenn ich jetzt drei oder vier kleine Kommentare auf anderen Seiten geschrieben habe, ist das wohl kaum sonderlich relevant“, rechtfertigte er sich. „Und es waren Reaktionen auf Beiträge, in denen ich direkt angesprochen wurde. Auf meiner Seite poste ich nichts und dabei bleibe ich.“ Die Reichweite der anderen Seiten „dürfte ein Promille meiner normalen Reichweite sein, also irrelevant“. Palmer hat 47000 Abonnenten.

Umfrage: Facebook-Auszeit für Boris Palmer
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Nach dem Eklat um seinen Kommentar zu einer Werbung der Deutschen Bahn, hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer sein für Mai angekündigtes Facebook-Fasten um ein paar Tage vorgezogen. Um den Kommunalwahlkampf nicht negativ zu beeinflussen, wolle er sich ab jetzt nicht mehr auf Social Media äußern. Wir haben Leute in Tübingen gefragt, was sie von dem Schritt des Tübinger Stadtoberhaupts halten. Video: Peter Strigl

01:57 min

Einer, mit dem Palmer weiterdiskutiert, hat immerhin 31500 Abonnenten: der „Spiegel“-Journalist Hasnain Kazim. Beide haben in Tübingen kontrovers unter anderem über Rassismus diskutiert und eine Woche ihre Facebookprofile getauscht. Kazim wirft Palmer vor, ständig Vorurteile zu schüren und Diskriminierungen zu befördern. Der in Norddeutschland Geborene mit Eltern pakistanischer Herkunft und vielfachen Diskriminierungserfahrungen schrieb: „Sollten Sie jetzt behaupten, Sie sprächen niemandem das Deutschsein ab, man missverstehe Sie da, sei Ihnen gesagt: Stellen Sie sich nicht blöder als Sie sind! Sie spielen mit rassistischen Ressentiments, und zwar ganz bewusst.“ Kazim fragte: „Woher kommt Ihre seltsame Fixierung auf Hautfarbe?“

Palmer konterte: „Den Rassismus bringen Sie in die Debatte, nicht ich. Das ist Identitätspolitik pur, die ist auch dann rassistisch, wenn sie von links kommt.“ Kazim fragte: „Lernen Sie nicht einmal daraus, dass selbst Nelson Müller und Nico Rosberg, die direkt von Ihren Worten betroffen sind, sich wehren und Sie kritisieren?“

Die neue Liste „Demokratie in Bewegung“ fordert AL/Grüne auf, „Stellung zu beziehen“, ob sie Palmer bei der Oberbürgermeisterwahl 2022 unterstützen werden. Der bestehende Gemeinderat hatte Palmer bereits am 23. Juli 2018 dafür gescholten, Rückschlüsse von der Hautfarbe auf Herkunft und Status zu ziehen. Einzig der fraktionslose Jürgen Steinhilber hatte sich der Kritik nicht angeschlossen. Eine weitergehende Resolution auf Initiative der SPD, der Linken und Markus Vogt verabschiedete der Gemeinderat mehrheitlich.

Palmer: Komme den Aufgaben als OB nach

Arbeitet Boris Palmer vor lauter tagtäglichem Schreiben auf Facebook eigentlich noch umfassend als Tübinger Oberbürgermeister? fragen uns Leser immer wieder. Allein am Mittwoch hatte er 7500 Zeichen verfasst, hat die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ausgerechnet. Palmer antwortete auf TAGBLATT-Nachfrage: „Ich mache meine Arbeit also wie immer. Ich komme auch meinen repräsentativen Aufgaben nach. Sie können gerne meinen Terminkalender, meine Email oder meine Aktenarbeit einsehen. Es gibt da nichts zu verheimlichen. Ich bin mit allen Aufgaben im Zeitplan. Diese Woche habe ich operativ die Baugebote umgesetzt.“ Auch habe er diese Woche zum Beispiel für eine Marktbeschickerin erreichen können, dass ihr wichtigster Mitarbeiter nicht abgeschoben wird.

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Erstellt:
27. April 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
27. April 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. April 2019, 01:00 Uhr

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