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Tübingen

T-Shirt, Giftiges und Schokolade

21.07.2018

Von Gernot Stegert

Ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Menschenrechtsfundamentalist“ oder so ähnlich hatte ich am Dienstag im Kommentar „Und schuld sind wieder einmal die Moralisten“ über Boris Palmers neue Sprachausfälle angeregt. Mit einem Augenzwinkern. Denn Fundamentalismus ist nichts Gutes – mit einer Ausnahme: „Der einzige vertretbare Fundamentalismus ist der Universalismus der Menschenrechte.“ Dieser Satz stand deutlich im Text. Viele haben das richtig verstanden. Manche haben bereits angekündigt, das T-Shirt drucken zu wollen. Ich werde es anziehen. Nicht weil ich als Journalist mich mit irgendeiner Sache gemein mache, sondern weil es um die Menschenrechte selbst geht.

Palmer und manche Leserbriefschreiber haben den Satz überlesen und das Augenzwinkern nicht wahrgenommen, wenn sie kontern, wie schlecht Fundamentalismus ist. Oder aber der Tübinger OB will mit gleicher Münze heimzahlen nach dem Motto: Der Stegert versteht mich absichtlich falsch, also tue ich das auch bei ihm. Das wäre immerhin dialektisch gewitzt. Ich könnte ihm Anti-Moralismus-Moralismus vorwerfen. Das Ganze würde zum politischen Kabarett.

Doch das wäre der ernsten Sache nicht angemessen. Palmer ist auch erkennbar angefressen. Er fühlt sich missverstanden mit seinem „Menschenrechtsfundamentalismus“-Vorwurf an die Seenotretter im Mittelmeer. Nicht diese würden den Tod von Flüchtlingen befördern, sondern die Schlepper. Die Klarstellung ist gut. Aber warum nicht gleich so? Warum schreibt er erst Sätze, die nach den Regeln des Deutschen anders verstanden werden können, ja müssen? Und benutzt dabei vergiftende Unwörter? Warum „passiert“ das Palmer seit Jahren beim Flüchtlingsthema? Ist das Zuspitzen und Zurückrudern hinterher wirklich keine Taktik? Das beste Mittel gegen Missverständnisse wäre eine klare Sprache.

Apropos Missverständnisse: Palmer und ich haben nichts persönlich gegeneinander, wie manche unterstellen. Es ist eine Debatte in der Sache, wie sie die Demokratie vor Ort braucht. Deshalb gehört sie in die Öffentlichkeit und sollte nicht bei einem Glas Bier ausgetragen werden. Das können wir miteinander trinken. Oder eine (faire) Schokolade teilen – wie beim Verwaltungsausschuss am Donnerstag.

Falsch ist auch, dass wir nur Negatives über Palmer schreiben würden. Unser Archiv ist Zeuge. Es geht gar nicht um die Person, sondern um Inhalte, Sprache und Ton.

Bei Leserbriefen fügen wir manchmal eine Anmerkung an. Einzelne stört das. Oder sie wollen den Zusatz erst in einer späteren Ausgabe. Das widerspricht aber dem Sinn. Denn der redaktionelle „Schwanz“ ist kein Kommentar, sondern beschränkt sich auf Fakten, die zur Klarstellung und zum Verständnis des Inhalts wichtig sind.

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Erstellt:
21. Juli 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Juli 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2018, 01:00 Uhr

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