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Dokumentation: Stadtrat Bernd Gugel über OB Boris Palmer

„Pass auf, du wirst sonst wie dein Vater“

Grünen-Stadtrat Bernd Gugel kennt Boris Palmer schon sehr lange, und er hat eine sehr persönliche Erklärung verfasst.

26.07.2018

Von ST

Zu Oberbürgermeister Boris Palmer und seinen Äußerungen über Flüchtlinge ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Am Montag hat eine kritische Resolution eine Mehrheit im Gemeinderat gefunden. Eine sehr persönliche ausgewogene Sicht hat Bernd Gugel auf Facebook veröffentlicht. Der AL/Grünen-Stadtrat ist nicht nur Parteifreund Palmers, sondern kennt ihn von Kindesbeinen an. Weil wir die Stellungnahme für bemerkenswert in Ton und Inhalt halten und sie von unterschiedlichen Seiten positiv kommentiert worden ist, dokumentieren wir sie hier in Auszügen. Palmer selbst schrieb „Danke“, Kritiker likten den Beitrag ebenfalls. Gugel teilte uns mit, er habe sich das Geschriebene bei einer 40-Kilometer-Radtour überlegt. Er äußere sich, um seine Enthaltung bei der Abstimmung zu erklären, aber auch „weil ich mir damit vielleicht auch endlich mal die Seele freischreiben kann“:

„Für mich ist Boris Palmer, unser Oberbürgermeister, kein Rassist, sondern einer, der sich im Flüchtlingsthema völlig verrennt. Der irgendwie, fast krankhaft, getrieben ist. Was ihn zum Teufel reitet, das habe weder ich noch andere bisher richtig begreifen können. Ich stimme mit ihm überein „Wir können nicht allen helfen“. Sehe ich absolut genauso. Und ich setze noch eins drauf. Ich sehe es bei manchen Menschen auch nicht ein, überhaupt helfen zu müssen.

Aber dem Boris ist des Öfteren auch nicht zu helfen. Ich kenne ihn lange. Auch privat. Ich bin wie er auf dem Wochenmarkt in Tübingen aufgewachsen. Mit seinem Vater, Helmut Palmer. Als Jugendlicher hatte ich Angst vor seinem Vater wegen dessen ungestümer Art. Und ich habe dem Boris schon öfter gesagt, „pass auf dich auf, du wirst sonst wie dein Vater.“ Einer, der sich völlig verrennt. Der irgendwann nicht mehr für voll genommen wird.

Und mittlerweile glaube ich, dass Boris, dieser hochintelligente Mensch, mit all seinen so überragend positiven Talenten und Fähigkeiten, der in Tübingen nicht nur eine hervorragende Stadtpolitik betreibt und eine sehr gute Flüchtlingspolitik dazu und diese auch umsetzt, dass dieser Boris schon so ist wie sein Vater Helmut. Zumindest auf Facebook. Getrieben zu sein, recht zu haben, immer recht zu haben, Likes und Anerkennung zu bekommen (…) Ständig und immerzu. Jedes und alles nutzt, um zu zeigen, dass er doch recht hat. Nur er, immer nur er! Der kein Fettnäpfchen auslässt. Wenn’s nur Fettnäpfchen wären, es sind oft Fettcontainer.

Dabei kann er auch ganz anders. Kann so gut erklären, so ausgleichen, dass Vernunft und Einsicht walten. Er kann auch Wogen glätten. Rhetorisch so brillant sein. Auch vorausschauend, mögliche Konflikte erkennen und umschiffen. Aber beim Flüchtlingsthema, in den Medien, vor allem auf seiner privaten Facebookseite, ist er oft nicht wiederzuerkennen. Da spricht auch der Helmut in ihm. So zumindest empfinde ich es. Auch wenn es keine Entschuldigung ist, so zu sein wie der Vater.

Ich freue mich, wenn Boris mal Zeit hat, sich sein Fahrrad schnappt und für ein paar Stunden auf die Alb radelt. Ich rate es ihm auch immer wieder. Oder wir im Winter mal zusammen zum Skilanglauf gehen. Er den Kopf freibekommt und diesen ganzen Medienwahn mal sein lässt. Boris ist kein Rassist. Rassisten machen keine gute Integrationspolitik wie er, sondern gar keine! Und deshalb kann ich diese Resolution nicht unterstützen, habe mir sogar überlegt, wie andere dagegen zu stimmen und mich letztlich enthalten. Ich will ihn auch nicht im Gemeinderat oder sonstwo vorführen, wie manche es auch wollen (...). Ich wünsche für uns alle, dass der Boris mehr Fahrrad fährt, den Kopf frei radelt und noch Gelassenheit und Ruhe lernt. Gelassenheit und Ruhe zu lernen, ist auch was, was ich schon lange anstrebe. (...) So gerne ich selbst auf Facebook bin, Facebook kann Menschen verändern und süchtig machen. Ich hoffe, dass Boris sich da selbst auch noch hilft oder helfen lässt. Alles kann noch gut werden! Für alle!“ Privatbild

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Erstellt:
26. Juli 2018, 20:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Juli 2018, 20:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2018, 20:00 Uhr

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