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Stadt Tübingen startet Sicherheits-Kampagne mit Clubs, Bars, Polizei und Beratungsstellen
Aushang auf dem Männerklo im Club Butterbrezel in der Haaggasse. Die neue Kampagne geht noch viel weiter. Archivbild
Mehr Sicherheit im Tübinger Nachtleben

Stadt Tübingen startet Sicherheits-Kampagne mit Clubs, Bars, Polizei und Beratungsstellen

In Kneipen und Clubs gehen zu können, ohne belästigt zu werden – das ist das Ziel einer „Kampagne für mehr Sicherheit im Nachtleben“, das die Stadtverwaltung zusammen mit Clubs, Bars, der Polizei und zwei Beratungsstellen gestartet hat.

20.11.2017
  • Sabine Lohr

Nachts ausgehen zu können, ohne blöd angemacht, angegrapscht oder angepöbelt zu werden – das ist das Ziel einer Kampagne für mehr Sicherheit im Nachtleben, an der sich 30 Bars, Clubs, Gaststätten und Diskotheken beteiligen. Initiiert wurde sie von der Stadtverwaltung, die sich die Anlaufstelle sexualisierte Gewalt in Tübingen (Agit), das Netzwerk Antidiskriminierung und die Polizei mit ins Boot geholt hat. Denn es geht nicht nur ums Grapschen: Ausdrücklich sollen auch Rassismus und Diskriminierung – etwa wegen der geschlechtlichen Ausrichtung – geahndet und verhindert werden.

Ziel der Kampagne ist es aber vor allem, denen zu helfen, die angemacht wurden. „Denn normalerweise rennt das Personal nach einer Beschwerde sofort zum Täter und lässt das Opfer stehen“, sagt die Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast. Dabei sei es entscheidend für den Umgang mit erlebter Gewalt, wie der erste Ansprechpartner reagiert.

In einem ersten Schritt werden deshalb die rund 330 Mitarbeiter der teilnehmenden Betriebe geschult. Allen voran gingen die Chefs, jetzt folgt das Personal. In einem dreistündigen Kurs wird es über die gesetzlichen Bestimmungen aufgeklärt, lernt an Beispielfällen den richtigen Umgang mit Opfern und Tätern und bekommt einen Handlungsleitfaden an die Hand.

Im Februar wissen alle, wie sie richtig und besonnen reagieren, und in den Kneipen werden Plakate aufgehängt. Auf denen steht das Codewort, mit dem sich Betroffene ans Personal wenden können. „Das senkt die Hemmschwelle, denn man muss nicht gleich sagen, was einem passiert ist“, so Arbogast. Der Mitarbeiter kümmert sich dann darum, dass das Opfer die Hilfe bekommt, die es möchte. Das kann ein Anruf bei jemandem sein, ein Taxi rufen, aber auch das Gespräch mit dem Belästiger. Der ohnehin nicht ungeschoren davon kommt: Er bekommt eine gelbe Karte mit der Aufschrift: „Dein Verhalten ist nicht okay. Ändere dein Verhalten oder du fliegst raus.“ Und damit das auch jeder versteht, ist der Text nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, Französisch und Arabisch gedruckt.

In einem zweiten Schritt der Kampagne soll ein Club-übergreifendes Hausverbot erteilt werden. „Das wirkt dann schon, wenn man von einem Anwalt einen Brief bekommt, in dem 20 Kneipen stehen, in die du nicht mehr darfst“, sagt „Butterbrezel“-Inhaber Sascha Gschwind.

„Über die Plakate und die ganze Kampagne sprechen die Gäste ja auch – das hat dann auch präventiven Charakter“, glaubt Micha Schöller von Agit. Sie ist eine der Lehrerinnen bei den Schulungen und berichtet, dass alle hochmotiviert dabei seien. „Das macht richtig Spaß.“

Eine andere ist Borghild Strähle vom Netzwerk Antidiskriminierung. Sie begrüßt vor allem, dass die Kampagne breit aufgestellt ist und sich nicht nur gegen sexualisierte Gewalt richtet. Und dass sich die Clubs und Carmen Stefan von der Reutlinger Polizei (die ebenfalls schult) darin einig sind, dass Türpolitik nicht gegen sexualisierte Gewalt, Diskriminierung und Rassismus hilft.

Geholfen werden soll übrigens nicht nur den Gästen. „Es hat sich gezeigt, dass auch das Personal üble Erfahrungen macht, vor allem Frauen an der Theke“, sagt die städtische Gleichstellungsbeauftragte Luzia Köberlein. Auch damit soll künftig Schluss sein.

Gut finden alle, dass fast sämtliche Clubs, Bars und Diskos in Tübingen mitmachen. Das mache, so Köberlein, die Kampagne bundesweit einzigartig. Zu verdanken ist die starke Resonanz der Hartnäckigkeit von Ordnungsamts-Chef Rainer Kaltenmark. „Der hat eingeladen und eingeladen und dann telefonisch nochmal nachgehakt“, berichtet Schöller. Denn allen sei klar gewesen: Die Kampagne funktioniert nur, wenn in sehr vielen Clubs und Bars die Plakate hängen.

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20.11.2017, 16:42 Uhr
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