Rottenburg · Weihnachtsspendenaktion

Dank Menschenkette ein leichter Umzug für das Rottenburger „RastHaus“

Rund 30 Freiwillige halfen beim Umzug der Gebrauchtwaren vom „RastHaus“ in der Rottenburger Stadtlanggasse in größere Geschäftsräume in der Bahnhofstraße, wo das „Karo“ öffnet.

21.12.2023

Von Jana Breuling

Umzug von der Stadtlanggasse ins neue Second-Hand-Kaufhaus in der Bahnhofstraße: Mit einer Menschenkette ließ er sich stemmen. Bild: Ulmer

Umzug von der Stadtlanggasse ins neue Second-Hand-Kaufhaus in der Bahnhofstraße: Mit einer Menschenkette ließ er sich stemmen. Bild: Ulmer

Kartons stapelten sich in dem engen Flur und in den kleinen unbeheizten Räumen, wo der Verein „RastHaus“ regelmäßig gespendete Sachen günstig verkaufte. Diese sollen nun in den größeren Räumen in der Bahnhofstraße 7, gegenüber vom Schuhhaus Kratzer ihren Platz finden. Auch die Kleiderkammer an der Stadtlanggasse schräg gegenüber wird dorthin verlagert. Noch stehen die neuen Räume in dem früheren Schuhgeschäft leer – doch schon bald werden dort auf 300 Quadratmetern gut erhaltene Haushaltswaren, Kleidung und Gegenstände aus Haushaltsauflösungen günstig verkauft. Der Name des Geschäfts „Karo“ steht für „Kleidung und Anderes in Rottenburg“. Im Schaufenster des leerstehenden Gebäudes steht eine schick gekleidete Schaufensterpuppe. Sie trägt den Namen „Karo“ und wurde vom Gebrauchtwarenkaufhaus „Intro“ übernommen, das Ende des Jahres für immer schließt.

„Es sind Dinge, die wir gespendet bekommen haben“, so Markus Geier, Arbeitstherapeut bei der „Oase“, einer Rottenburger Sozialeinrichtung für Suchtkranke. Im Zuge der Neueröffnung des „Karo“ entstand ein neuer Zwei-Euro-Job. Der Mann, der den Job bekommen hat, sei sehr eingeschränkt in seiner Gehfähigkeit – „aber er ist gelernter Drucker und kennt sich mit Medien aus“, so Geier. Im „Karo“ bekommt er ein eigenes Büro, von wo aus er Waren auf Ebay verkauft.

Rund 30 Helfer fanden sich am Donnerstag zum Umzug ein, darunter Bürger sowie Ehrenamtliche und Hauptamtliche von der Oase. Helferin Verena Bartl erfuhr von ihrer Arbeitskollegin von dem Umzug. Die 30-Jährige ist Sozialarbeiterin bei der mobilen Jugendarbeit Rottenburg. Sie stellte fest, dass das gefühlte Gewicht der Kisten mit der Zeit zunahm. „Eine wiegt um die 10 Kilo“, schätzte Bartl.

Das Modehaus Weippert spendete dem Second-Hand-Kaufhaus Karo Schaufensterpuppen. Deren Köpfe wurden zunächst in Kartons zwischengelagert. Bild: Jana Breuling

Das Modehaus Weippert spendete dem Second-Hand-Kaufhaus Karo Schaufensterpuppen. Deren Köpfe wurden zunächst in Kartons zwischengelagert. Bild: Jana Breuling

„Lächeln! Glücklich aussehen!“, rief ihre Nachbarin in der Menschenkette und reichte ihr schwungvoll eine weniger schwere Kiste voll Kleiderbügel. „Das ist wie Fitnessstudio, wenn man das eine Weile macht“, stellte Bartl fest. Ein jüngerer Helfer war Elmedin Rexhepi – er kam zufällig mit seinem Kumpel des Weges. Der 14-Jährige sah die Kette von arbeitenden Menschen vor dem Geschäft und fragte spontan, ob er auch helfen könne. Dieses Angebot wurde dankend angenommen, und schon reihten sich die beiden Teenager ein und nahmen Kartons mit Kleidung, gerahmte Bilder und zerlegte Schaufensterpuppen entgegen, reichten sie flink weiter und hatten dabei sichtlich gute Laune.

In den neuen Räumen sortierte Claudia Pfister, Sozialarbeiterin in Oase und Rasthaus, die Kartons: Frauenbekleidung, Männerbekleidung, Haushaltswaren. Was auf Ebay verkauft werden soll, wanderten ins obere Stockwerk.

Julia Mildner-Powell, Leiterin der Oase, freute sich ebenfalls über die vielen helfenden Hände und die bereits eingegangenen Spenden. Darunter ist auch ein Klavier, das bereits in dem neuen Laden steht. Es soll voraussichtlich auch dort bleiben, so dass Kunden, die dazu Lust haben, darauf spielen können. Mildner-Powells Mutter, Oase-Gründerin Elke Mildner, freute sich über die zentrale Lage des „Karo“ – „so gerät die soziale Not in das Bewusstsein der Bevölkerung“, sagte Mildner. Das Gebrauchtwarenkaufhaus „Intro“ lag außerhalb im Industriegebiet. Die finanzielle Sorge vieler Menschen in Rottenburg sei gewaltig, so Mildner. „Es ist gut, dass man dieses Angebot macht.“

Auch ein Begegnungscafé soll es im „Karo“ geben. Mildner: „So können sich Leute mit verschiedenen Interessen hier treffen.“ Ihre Schwester Walburga Rehmann-Linden erinnert sich: „Ich war einmal mit Besuch aus Äthiopien in der Kleiderkammer. Beide Seiten haben sich gefreut – die einen, dass sie geben konnten, die anderen, dass sie nehmen konnten.“

Nicht nur das Kaufhaus braucht Unterstützung

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Erstellt:
21.12.2023, 18:01 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 07sec
zuletzt aktualisiert: 21.12.2023, 18:01 Uhr

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