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Forschung mit Weitblick

Neues Gebäude des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme eröffnet

46 Millionen Euro kostete das Gebäude des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme. Zur Eröffnung kam Ministerpräsident Kretschmann.

13.07.2017

Von Angelika Bachmann

Zum Gruppenbild mit Roboter gesellte sich die Prominenz bei der Eröffnung des neuen Gebäudes des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (von links): Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, Max-Planck-Präsident Martin Stratmann, Roboter Apollo, Ministerpräsident Winfried Kretschmann sowie der geschäftsführende Direktor des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme, Stefan Schaal. Bilder: Metz

Es ist das jüngste unter den Max-Planck-Instituten auf der Waldhäuser Höhe: das Institut für Intelligente Systeme. Nach sechs Jahren Interims-Unterbringung haben die derzeit drei Abteilungen jetzt ihr eigenes Forschungsgebäude. Mit 40 Millionen Euro beteiligte sich das Land an den Baukosten, die insgesamt 46 Millionen Euro betrugen.

Zur Eröffnung reisten am Mittwoch aus Stuttgart Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer an. Nichts beflügle die Gedanken derzeit so sehr wie die Fortschritte bei der Erforschung der künstlichen Intelligenz, sagte Kretschmann. Weder die Automobil- noch die Medizinbranche oder der Maschinenbau seien künftig ohne die künstliche Intelligenz denkbar. Wer diese verantwortlich nutzen wolle, müsse neben technischen allerdings auch soziale und ethische Fragestellungen bedenken.

Der Neubau soll den Forschern ideale Bedingungen bieten. Ein eingeschossiger Labortrakt, von der Spemannstraße aus gesehen im Untergeschoss, bildet den Grundstock, auf dem das Forschungsgebäude aufsitzt. Er bietet großzügige Flächen für Robotik- und Videolabore und für Simulationen. Die darauf aufbauenden Geschosse beherbergen Seminarräume und Büros, Konferenzzimmer und Teeküchen. Im Gegensatz zu den fensterlosen Laborräumen im Untergeschoss bieten die Büro-Stockwerke in ihrer Transparenz Durchblicke wo immer möglich – und einen sensationellen Weitblick über die Schwäbische Alb.

Entworfen wurde das Gebäude von ArGe Architekten in Waldkirch. Das Büro hat bereits zahlreiche Wissenschaftsgebäude für Universitäten und Max-Planck-Institute entworfen. Das Gebäude solle den Forschern „eine weltoffene Heimat“ sein, sagte Architekt Roland Leins. Die Bauleitung hatte das Tübinger Büro Dannien Roller Hofmann.

Max-Planck-Präsident Martin Stratmann erinnerte an die entscheidende Weichenstellung vor etwa zehn Jahren: Damals habe die Max-Planck-Gesellschaft beschlossen, das Stuttgarter Institut für Materialforschung aufzulösen und an dessen Stelle das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme mit den beiden Standorten Tübingen und Stuttgart zu gründen. „Damals waren wir Pioniere“, so Stratmann.

Das neue Institut wurde, noch bevor es ein eigenes Gebäude hatte, bereits zur Keimzelle einer übergreifenden Kooperation, dem Cyber Valley: Das Max-Planck-Institut, die Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie Partner aus der Industrie wollen damit den Technik-Transfer aus der Forschung in die Industrie beschleunigen und Gründungen von Start-up-Firmen unterstützen. „Die Unternehmen hier haben begriffen, dass Investitionen in die Wissenschaft der Dreh- und Angelpunkt sind, um ihren Platz auf dem Weltmarkt zu behalten“, so Kretschmann. Er kündigte an, das Land werde weitere 60 Millionen Euro in einen Neubau für das Cyber Valley investieren. Baden-Württemberg werde seine Spitzenstellung in der Erforschung der künstlichen Intelligenz ausbauen. Tübingen und Stuttgart seien hierfür hervorragende Standorte, auch in der internationalen Konkurrenz um ausgezeichnete Wissenschaftler. Hier werde die Freiheit der Wissenschaft und die Wahrheit der Fakten geschätzt. „Das ist ein guter Standortfaktor“, so Kretschmann.

Fast schon zum Maskottchen, auf jeden Fall zum beliebtesten Fotomotiv des Instituts geworden ist der Roboter Apollo, der bei der Eröffnungsfeier eine zentrale Rolle übernahm: Er hielt das rote Band, das feierlich durchschnitten wurde. Apollo gehört zur Abteilung des geschäftsführenden Direktors Prof. Stefan Schaal. Seine Abteilung erforscht, wie Roboter ihre Bewegungsfähigkeiten verbessern – indem sie aus Versuchen und aus Fehlern lernen. Im neuen Labor soll auch ein Trainingsgelände für Roboter entstehen.

Beim Rundgang durch die Labore und die Gebäude gab es Einblicke in weitere Arbeitsbereiche. Wahrnehmung ist das Forschungsthema der Abteilung von Prof. Michael Black. Wie können intelligente Systeme die Welt wahrnehmen, wie erkennen sie Formen, Bewegung, Material und dessen Eigenschaften? Mit einem Gesichtsscanner wurde am Mittwoch innerhalb von wenigen Sekunden ein dreidimensionaler Kopf im Computer erstellt – von Ministerpräsident Kretschmann.

Die dritte Abteilung (Empirische Inferenz) wird geleitet von Prof. Bernhard Schölkopf. Hier geht es darum, in komplexen, mehrdimensionalen Signalen Muster zu erkennen, diese einzuordnen und zu entschlüsseln. Ein Projekt seiner Gruppe ist eine Gedanken-Computer-Schnittstelle, die Hirnströme aufzeichnet und darin nach Mustern sucht, um zum Beispiel erkennen zu können, ob jemand „Ja“ oder „Nein“ denkt.

Das neue Institut, von der Spemannstraße aus gesehen, variiert in der Stockwerkhöhe. In den Hang gebaut ist der Labortrakt. Entworfen wurde es vom Waldkircher Büro ArGe Architekten. Bild: Metz

Kreativ und kommunikativ soll die Atmosphäre im Institutsgebäude sein. In der Teeküche gibt es großflächige Tafeln, damit kein Geistesblitz verloren geht. Bild: Metz

Ministerpräsident Winfried Kretschmann im 3D-Fotoscanner des Max-Planck Instituts für Intelligente Systeme. Bild: Metz

Michael Black, Direktor am Max-Planck Institut für Intelligente Systeme. Bild: Metz

Toller Blick über die Stadt auf die Schwäbische Alb aus dem Max-Planck Institut für Intelligente Systeme. Bild: Metz

Der Max-Planck-Campus

Vier Einrichtungen umfasst der Max-Planck-Campus an der Tübinger Spemannstraße: Neben dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (mit seinen Standorten in Tübingen und in Stuttgart) gibt es das Institut für Evolutionsbiologie, das Institut für biologische Kybernetik sowie die Nachwuchsgruppen der Friedrich Miescher-Laboratorien.

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Erstellt:
13. Juli 2017, 01:01 Uhr
Aktualisiert:
13. Juli 2017, 01:01 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2017, 01:01 Uhr

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