CureVac

Kampf um Tübinger Forscher

Versuche des US-Präsidenten, sich exklusiv einen möglichen Impfstoff zu sichern, sorgen für Empörung. Investor Hopp stellt sich Trump entgegen.

16.03.2020

Von HAJO ZENKER

Begehrtes Know-how: Ein Mitarbeiter arbeitet im Labor des biopharmazeutischen Unternehmens CureVac in Tübingen, wo intensiv an einem Coronavirus-Impfstoff gearbeitet wird. Das hat Begehrlichkeiten in den USA geweckt. Foto: Sebastian Gollnow

Tübingen/Berlin. Ein möglicher Coronavirus-Impfstoff aus Tübingen soll weltweit Menschen vor der neuen Lungenerkrankung schützen – und nicht ausschließlich Amerikaner, wie sich das US-Präsident Donald Trump offenbar vorstellt. Das machten am Sonntag die Tübinger Firma CureVac und ihr Hauptanteilseigner klar. Man werde sich jetzt auf die „Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffs konzentrieren, mit dem Ziel, Menschen und Patienten weltweit zu erreichen, ihnen zu helfen und sie zu schützen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Vorwürfe in Bezug auf Angebote zum Erwerb des Unternehmens oder seiner Technologie weise man zurück.

Deutlicher wurde der Chef der Holding, die im Auftrag von Hauptinvestor Dietmar Hopp bei CureVac die meisten Anteile hält. Ein Exklusivvertrag mit einem einzigen Land für den Impfstoff komme für Hopp nicht in Frage. „Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten“, sagte Christof Hettich dem „Mannheimer Morgen“. Hettich ist Geschäftsführer der „dievini Hopp BioTech Holding“. SAP-Gründer Dietmar Hopp hat eine Milliardensumme in Dutzende Biotechnologiefirmen gesteckt – ein Investment davon ist CureVac. Hopp halte entschlossen an dem Unternehmen, den Mitarbeitern und auch dem Hauptstandort in Tübingen fest, sagte Hettich weiter.

Zuvor hatte die Landesregierung die Versuche der USA scharf verurteilt, CureVac zu übernehmen. „Das von CureVac in Entwicklung befindliche Heilmittel gegen das Coronavirus darf nicht nur den USA exklusiv zur Verfügung stehen, sondern muss im Erfolgsfall allen Betroffenen weltweit zur Verfügung stehen“, sagte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) der „Schwäbischen Zeitung“. Sie forderte die Bundesregierung auf, „alles auch in finanzieller Hinsicht dafür zu tun, das Unternehmen mit seiner herausragenden Forschung in Baden-Württemberg zu halten“. Sie kündigte an, dass sich auch das Land engagieren werde, falls das erforderlich sein sollte. Sie sei im Gespräch mit CureVac und dem Bundesgesundheitsminister. „Wir halten es im Notfall für unausweichlich, Exportverbote oder ein außenwirtschaftliches Übernahmeverbot zu prüfen. Wenn eine staatliche Beteiligung notwendig ist, ist auch Baden-Württemberg bereit, einen Anteil zu leisten.“

Das Bundeswirtschaftsministerium wiederum hatte gegenüber dieser Zeitung erklärt, die Bundesregierung habe ein „hohes Interesse, Wirkstoffe und Impfstoffe in Deutschland und Europa zu produzieren. Die Ressorts der Bundesregierung stehen hierzu im engen Austausch miteinander“. Das Bundesgesundheitsministerium hatte sich ähnlich geäußert und darauf verwiesen, dass man sich „in intensivem Austausch mit der Firma CureVac“ befinde. In Regierungskreisen war darauf verwiesen worden, dass man sich laut Außenwirtschaftsgesetz geplante Übernahmen deutscher Unternehmen aus Drittstaaten näher anschauen könne, „insbesondere wenn es um nationale oder europäische Sicherheitsinteressen geht“. Zudem war davon die Rede, dass CureVac ja gemeinsam mit dem bundeseigenen Paul-Ehrlich-Institut für Impfstoffe an dem Projekt arbeite.

Stein des Anstoßes war ein Treffen einer Firmendelegation Anfang März im Weißen Haus mit dem US-Präsidenten, seinem Vize Mike Pence und der US-Coronavirus-Task-Force. Trump wollte offenbar viele CureVac-Wissenschaftler mit viel Geld nach Amerika holen und sich das Medikament exklusiv für die USA sichern. Eine Woche später, am vergangenen Mittwoch, wurde der Amerikaner Daniel L. Menichella als CureVac-Chef vom Aufsichtsrat gefeuert. Firmengründer Ingmar Hoerr, bis Mitte 2018 auf dem Chefposten und dann Aufsichtsratsvorsitzender, kehrte zurück.

Zum Artikel

Erstellt:
16. März 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. März 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. März 2020, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App