Pandemie

Impfung braucht vermutlich schon bald Auffrischung

Zweimal gegen Corona immunisiert zu werden, wird vor allem mit dem Blick auf Virus-Mutationen wohl nicht reichen. Wie häufig gespritzt werden muss, ist aber noch nicht klar.

17.05.2021

Von HAJO ZENKER (MIT DPA)

Immer wieder neu impfen? Sich regelmäßig gegen Corona immunisieren zu lassen, könnte Normalität werden. Foto: Michael Kappeler/dpa

Berlin. In Deutschland sind mittlerweile fast 40 Millionen Corona-Impfdosen verabreicht worden, davon waren neun Millionen Zweitimpfungen. Und es dürften noch viel mehr werden. Denn einerseits steigt die Impfbereitschaft, andererseits zeichnet sich ab, dass für Immunisierte in absehbarer Zeit eine Auffrischungsimpfung nötig sein dürfte.

Laut einer YouGov-Umfrage wollen sich 38 Prozent der Deutschen über 18 Jahren, die bisher noch kein Vakzin erhalten haben, impfen lassen – 36,5 Prozent haben bereits mindestens eine Spritze verabreicht bekommen. Das ergibt zusammen eine Impf-Zustimmung von 74,5 Prozent. Zu Beginn der Kampagne am 27. Dezember 2020 hatten sich erst 65 Prozent für eine Impfung entschieden. 19 Prozent lehnten die Immunisierung damals ab, jetzt sind es noch 15 Prozent. Der Rest ist unentschieden. Das Robert-Koch-Institut strebt eine Impfquote von mindestens 80 Prozent an.

Nach Ansicht der Ständigen Impfkommission (Stiko) müssen sich die Bürger allerdings spätestens im kommenden Jahr erneut impfen lassen. Die derzeit laufenden Impfungen würden „nicht die letzten sein“, so Stiko-Chef Thomas Mertens. Wann genau eine Auffrischung des Impfschutzes nötig sein könnte, sei angesichts der Datenlage noch nicht klar.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat bereits genauere Vorstellungen. Er gehe davon aus, dass die Immunität nach einer Impfung rund sechs Monate halte. Erste Auffrischungen könnten daher bald nötig sein. Generell gelte: „Wir werden in den nächsten Jahren regelmäßig gegen Covid-19 impfen müssen.“ Er verweist etwa auf die zuerst in Brasilien beschriebene und „P.1“ getaufte Mutante. Die tauchte in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas auf, in einer Region, in der drei Viertel der Bevölkerung bereits 2020 eine Infektion mit dem „klassischen“ Coronavirus durchgemacht hatten und man eigentlich bereits von einer Herdenimmunität ausgegangen war. Nun zeige sich, so der Politiker, dass um die 20 Prozent der mit „P.1“ Infizierten zuvor bereits als genesen und damit als immun galten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bisher davon gesprochen, Auffrischungsimpfungen „nach einem oder auch fünf Jahren“ seien vorstellbar. Es könne aber auch sein, dass neue Mutationen schnelles Handeln nötig machten.

Die bisherigen Vakzin-Hersteller sind unterdessen dabei, ihre Produkte an die Mutationen anzupassen. So wirken gegenwärtig die Vakzine von Astrazeneca und Johnson & Johnson gegen die südafrikanische Variante „B.1.351“ nicht so gut. Das Tübinger Unternehmen Curevac, das noch auf die Zulassung des ersten eigenen Vakzins wartet, und der britische Pharmakonzern GSK entwickeln unterdessen zusammen bereits einen neuen Impfstoff gegen die ansteckenderen Varianten. Dieses Vakzin soll 2022 auf den Markt kommen. Hajo Zenker

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Erstellt:
17. Mai 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Mai 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2021, 06:00 Uhr

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