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Ein Kaufhaus für das Menschliche in Rottenburg

Die Kleiderkammer macht zu, den Flohmarkt gibt es auch nicht mehr: Dafür wird es in der Rottenburger Fußgängerzone bald das „Karo“ geben, ein soziales Projekt für alle.

10.12.2023

Von Lisa Maria Sporrer

In der Kleiderkammer kaufen nicht nur Menschen mit einem kleinen Einkommen. Das soll bald auch im Karo möglich sein. Bild: Carolin Albers

In der Kleiderkammer kaufen nicht nur Menschen mit einem kleinen Einkommen. Das soll bald auch im Karo möglich sein. Bild: Carolin Albers

Eigentlich ist es ein Kellerraum. Er liegt aber ebenerdig. Licht gibt es also. Wärme nicht. In dem rund 15 Quadratmeter großen Raum hängen Bügel an der Wand, überfüllte Kleiderstangen drängen sich dicht an dicht. Die Säcke voller Klamotten, die sich auf einem Tisch vor dem Fenster zu einem Haufen auftürmen, nehmen dem ungeheizten Raum auch noch das Licht.

Gerade noch war vor dem Haus in der Stadtlanggasse, in dem der Verein „RastHaus“ untergebracht ist, Flohmarkt. Jeden Donnerstag gab es dort, mitten in der Rottenburger Innenstadt, ein paar Stunden am Tag aufgebaute Stände, an denen gespendete Sachen verkauft wurden. Am vergangenen Donnerstag aber vorerst zum letzten Mal. Zumindest an dieser Stelle. Die letzten beiden Sätze gelten auch für die Kleiderkammer, die schräg gegenüber vom „RastHaus“ liegt und für die bisher in dem kleinen, kalten Kellerraum die gespendeten Klamotten entgegengenommen und sortiert wurden. Bald, freut sich Margit Farger, eine der Ehrenamtlichen im „RastHaus“, wird es eine neue Sortierstation geben. „Allein die Vorstellung von einem Raum, der warm und trocken ist, ist super“, sagt sie.

Ende bedeutet in diesem Fall auch Neuanfang: All die kleinen Elemente sollen künftig zu einem Großen gebündelt werden. Die Kleiderkammer, die zum „RastHaus“ gehört und die aus allen Nähten platzt, wird umziehen. Die Kleider dafür müssen nicht mehr in dem kalten, kleinen Kellerraum sortiert werden und um die Ecke zur Kleiderkammer getragen werden. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter müssen dann auch nicht mehr in der Kälte an den Flohmarktständen vor dem „RastHaus“ frieren. Und auch das Begegnungscafé, das momentan aus einem Abstelllager besteht, wird in dieses große neue Gesamtkonzept integriert.

Das große neue Gesamtkonzept ist ein Kaufhaus. Aber eins vorweg: Das Kaufhaus soll nicht Kaufhaus heißen, schon gar nicht Sozial-Kaufhaus. Von Kaufhaus wird hier nur gesprochen, damit man sich etwas darunter vorstellen kann. Es heißt „KARO“, das steht für: Kleidung und Anderes in Rottenburg. „Wir wollen mit dem Karo einen Neustart machen“, sagt Julia Mildner-Powell, Geschäftsführerin des „RastHaus“. Neustart bedeutet aber nicht nur, kleine Räume in einem großen zu bündeln. Neustart hat auch und besonders eine soziale Komponente. Das Karo soll auch ein Ort sein, der verbindet, der soziale Projekte zusammenführt, etwas Sinnstiftendes, nicht nur unter dem Aspekt der Menschen, die dort eine Beschäftigung bekommen.

Noch steht das Karo leer. Es liegt noch zentraler als das „RastHaus“ und die Kleiderkammer, gleich in der Rottenburger Fußgängerzone, das ehemalige Outlet vom Schuhhaus Kratzer. Im Januar sollen dort die zwei Etagen auf rund 300 Quadratmeter eingerichtet werden. Die Kleiderkammer samt Sortierbereich kommt ins Erdgeschoss, wo auch ein Begegnungscafé entstehen soll.

Im oberen Bereich gibt es dann alles andere zu kaufen, was gespendet wurde. Denn die Waren, die es im Karo zu kaufen geben wird, sind ausschließlich Spenden, Spielzeug, Haushaltswaren, all das, was es in Kaufhäusern eben so gibt. Sogar ein Klavier wurde neulich gespendet. Aber es gehe nicht nur um die Waren, sagt Markus Ciernioch, der sich ehrenamtlich für das „RastHaus“-Projekt engagiert. „Es geht dabei um das Menschliche.“

Das Karo soll viele Aspekte haben: Nachhaltigkeit ist auch ein Thema. Denn durch die Wiederverwertung von gut erhaltenen Gegenständen können dort auch Menschen ihre Sachen kaufen, die nicht nur aus finanziellen Gründen darauf angewiesen sind. Und das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum wächst. Das merkt man an diesem Donnerstag, an dem die Kleiderkammer das letzte Mal geöffnet hat. Es sind viele Menschen dort. Ganz unterschiedliche. Ein Mann mit Laptop unterm Arm probiert dort gerade ein Hemd an. Ein Ehepaar ist aus Rottweil angereist, extra wegen der Kleiderkammer. Und an der Kasse in dem rund 20 Quadratmeter großen Raum steht Theresia. Sie ist Studentin. Sie hat ein geringes Budget, sagt sie. „Kleidung ist immer so teuer. Aber hier findet man genauso tolle Sachen.“ Die Preise liegen weit unter den üblichen Preisen. Aber auch mit mehr Geld würde sie lieber gebrauchte Klamotten kaufen, sagt sie. Allein deswegen, um etwas gegen Ressourcenverschwendung zu tun. Jeder soll die Möglichkeit haben, sich mit Dingen ausstatten zu können, sagt Julia Mildner-Powell. Unabhängig von den Einkünften. Auch dafür stehe das Karo. Damit das Karo aber eine gute Startphase bekommen kann, braucht der Verein „RastHaus“, der sich ausschließlich über Spenden finanziert, Geld. Nicht nur für die Einrichtung. Auch ein neuer Ehrenamtskreis muss aufgebaut werden. Und Ehrenamtliche, sagt Mildner-Powell, seien eben nicht nur billige Arbeitskräfte. „Das sind Menschen, die wie alle Menschen ihre Probleme haben, um die wir uns auch kümmern wollen und professionell schulen werden.“

Mit Unterstützung kann das Karo bald gut starten

Ein Kaufhaus für das Menschliche in Rottenburg
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Erstellt:
10.12.2023, 20:00 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 46sec
zuletzt aktualisiert: 10.12.2023, 20:00 Uhr

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