Protest auch auf der Wanne

Die Horemer-Anwohner wollen niedrigere Häuser für Flüchtlinge und vor allem mitreden

Auch auf dem Horemer auf der Wanne regt sich nun Protest gegen die geplanten Häuser für Flüchtlinge. Einer Anwohnerinitiative sind sie vor allem zu hoch. Außerdem fühlt sie sich zu wenig informiert.

28.06.2016

Von SABINE LOHR

Der Technologiepark auf der Oberen Viehweide wird erweitert – die Anwohner haben nicht nur gegen die Höhe dieser gebäude Einwände, sondern glauben auch, dass die geplanten Häuser für Flüchtlöinge, die auf dem Horemer (unten rechts) gebaut werden sollen, zu hoch werden. Luftbild: Grohe

Tübingen. Auf dem Horemer tut sich zur Zeit einiges: Gegenüber der dreieckigen Grünfläche auf der Wanne erweitert die Firma Curevac und auf dem Gelände selbst werden zur Zeit Leitungen verlegt. Außerdem sollen am westlichen Rand der Fläche, gegenüber der Wohnbebauung, drei bis vier Häuser entstehen, in denen zunächst rund 150 Flüchtlinge wohnen werden. Diese Häuser sind eins der sechs Projekte, für die die Stadt einen Wettbewerb ausgeschrieben hat. 31 Bewerbungen sind für den Standort auf dem Horemer eingegangen. Am kommenden Donnerstag entscheidet eine Jury, welches davon den Zuschlag bekommt.

Anwohner vermissen die Transparenz

Einer Anwohnerinitiative geht dieses Verfahren gegen den Strich. „Wir vermissen die Transparenz“, sagt Barbara Wollny, die Sprecherin der Initiative, die nach ihren Angaben aus mehr als 50 Anwohnern aus der Umgebung des Horemer besteht. „Wir hätten eine Einladung zur Optionsvergabe erwartet, damit wir alles anschauen und sagen können, was uns gefällt und was wir in unserer Nachbarschaft wollen.“

Außerdem wirft Wollny der Stadtverwaltung vor, insgesamt nicht ausreichend über die geplante Bebauung informiert zu haben. Die Anwohner hätten auch keine Gelegenheit gehabt, Einwände loszuwerden.

„Wir sind nicht gegen Häuser für Flüchtlinge“, so Wollny. Aber rund 150 Flüchtlinge seien zu viele. Außerdem würde eine drei- bis viergeschossige Bebauung nicht zum bestehenden „Gartenstadt-ähnlichen Viertel“ passen. Wollny glaubt nicht daran, dass die geplanten Häuser architektonisch gelingen können. „Da wollen Bauträger eben Geld verdienen.“ Die Initiative wolle deutlich kleinere Häuser und weniger Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft. Zumal die Infrastruktur für so viele neue Bürger auf der Wanne nicht da sei. „Der Kindergarten dort hat keine Plätze mehr.“

Baubürgermeister Cord Soehlke war überrascht über den Protest, der ihn am vergangenen Dienstag erreicht hat. Und er weist die Vorwürfe zurück. Er erinnert an die Infoveranstaltung im Januar, bei der keine Bedenken geäußert worden seien. Diese Veranstaltung sei im Baugesetz nicht vorgeschrieben. Zudem habe es öffentliche Vorlagen für den Ortsbeirat gegeben und der Plan sei ausgelegt worden – ohne dass jemand Bedenken geäußert hatte.

In der Kommission, die am Donnerstag über die Vergabe entscheidet, sei die Nordstadt mit zwei Ortsbeiräten vertreten („Weil dort an zwei Standorten gebaut wird“). Und auch Bürgerinitiativen würden mitentscheiden – allerdings nur die, die sich seit Jahren umfassend mit der Entwicklung in ihrem Quartier befassen. Die Initiative auf der Wanne zählt Soehlke nicht dazu: „Da geht es nicht um die Gesamt-Entwicklung, sondern die Anwohner werden nur aktiv, wenn eine Bebauung verhindert werden soll.“

Über die Infrastruktur, so Soehlke, mache sich die Verwaltung durchaus Gedanken. „Aber ich kann die Menschen nicht drei Jahre lang in der Shedhalle lassen, nur weil noch nicht ausreichend Kindergartenplätze da sind.“

Gute Bewerbungen für den Horemer

Unter den 31 Bewerbungen für den Standort Horemer seien einige gute dabei. Andere müssten aber abgelehnt werden, „weil sie städtebaulich munter interpretieren“, sich also nicht an die Rahmen-Vorgaben der Verwaltung halten und zum Beispiel kleinere oder auf dem Gelände verteilte Gebäude vorsehen. Das sei auch bei anderen Standorten der Fall.

Soehlke hat der Initiative nun ein Gespräch angeboten. Er ist zuversichtlich, dass für den Horemer eine gute Lösung gefunden wird: „Ich glaube, dass sich diese Projekte besser beurteilen lassen, wenn man sie erst mal sieht.“

Der Wettbewerb ums beste Konzept

Bisher hat die Stadtverwaltung Wettbewerbe ums beste architektonische, soziale und auch der Allgemeinheit dienende Baukonzept nur in Neubaugebieten für Baugruppen ausgeschrieben. Der jetzige Tübinger Wettbewerb, bei dem die besten Konzepte für Häuser für Flüchtlinge eine Bau-Option bekommen, ist einmalig in Deutschland. Für die sechs Standorte sind 107 Bewerbungen eingegangen. Über die Vergabe entscheidet eine Kommission mit 25 Mitgliedern – auch das gab es bisher nicht. Sie setzt sich zusammen aus Mitgliedern der Bauverwaltung, den Ortsbeiräten, Stadträten und nicht stimmberechtigten Mitgliedern engagierter Bürgerinitiativen.

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Erstellt:
28. Juni 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
28. Juni 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2016, 01:00 Uhr

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Schantle 28.06.201606:33 Uhr

Überall regt sich Protest und die Stadt mimt den Überraschten. Sei es nun auf der Wanne am Hechinger Eck oder im Französischen Viertel - die Anwohner sind die großen Klötze die auf neues Bauland gesetzt werden leid. Mit keinem Wort wird erwähnt, was mit den Häusern nach der Belegung durch Flüchtlinge passiert. So ist im franz. Viertel eine Laufzeit von 10 Jahren vorgesehen. Was dann kommt weiß keiner und kann keiner mehr kontrollieren. Für den Investor kann sich ein solches Objekt dann richtig lohnen. Und 150 Flüchtlinge ist wirklich viel - was wenn es zu Konflikten kommt? Wurde nicht gerade der Polizeiposten "virtualisiert"? Wer Kritik an der städtischen Flüchtlingspolitik äußert wird schnell in die rechte Ecke gestellt unter dem Deckmantel der Panikmache. Es geht nicht um Panikmache, es geht um die Menschen die an diesen Standorten wohnen und die sich Gehör verschaffen möchten. Werden sie nicht ernstgenommen wird sich seine Konsequenzen haben.

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