Hintergrund

Dämpfer für Impfkampagne

„Nun droht leider eine Verlangsamung der Impfkampagne“, sagt SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Man sei immer mehr auf die Vakzine von Biontech und Moderna angewiesen.

18.06.2021

Von Dieter Keller

Hoffnungen enttäuscht: Das Curevac-Vakzin hat sich bisher als nicht so wirksam erwiesen. Foto: JEROEN JUMELET/AFP

Denn Curevac ist für ihn ein kompletter Ausfall. Dabei hatte Lauterbach noch im März dafür geworben, für Curevac gar nicht die EU-Zulassung abzuwarten, sondern eine deutsche Notfallzulassung zu erteilen. Schließlich ähnele der Impfstoff in der Technologie den Produkten von Biontech und Moderna. In der Technologie schon, in der Wirksamkeit jedoch überhaupt nicht.

Aus dem Bundesgesundheitsministerium hieß es dagegen zur Curevac-Nachricht nur knapp: „Eine Auswirkung auf das Tempo unserer Impfkampagne hat diese Mitteilung nicht.“ Tatsächlich ist die für das laufende zweite Quartal ausfallende Lieferung von 1,4 Millionen Curevac-Dosen zwar ärgerlich, aber nicht das größte Problem. So wird Johnson & Johnson (J&J) deutlich weniger liefern als ursprünglich geplant. Amerikanische und europäische Behörden hatten Millionen Dosen für nicht verimpfbar erklärt, weil es in einem US-Werk zu Verunreinigungen gekommen war. Allein in der EU sind 17 Millionen Dosen betroffen. In Deutschland waren bis Ende Juni zehn Millionen Dosen von J&J angekündigt, es werden wohl nur 3,4 Millionen werden. Dabei sollte genau dieses Produkt die Impfkampagne beschleunigen – braucht man hier doch nur eine einzige Injektion.

Weniger Biontech ab Juli

Astrazeneca wiederum erwies sich von Anfang an als unzuverlässiger Lieferant mit stark schwankenden Mengen – vom Imageproblem wegen der Frage, wem man das Vakzin unbedenklich geben sollte, ganz abgesehen. Eigentlich stehen Deutschland 56,3 Millionen Dosen zu, angekommen sind 12,4 Millionen, und der Vertrag läuft jetzt aus.

Biontech, wichtigste Stütze der Impfkampagne, liefert im dritten Quartal noch 40 Millionen Dosen, zehn Millionen weniger als im zweiten Quartal. So werden in der letzten Juni-Woche noch 5,7 Millionen Dosen Biontech ausgeliefert, in der ersten Juli-Woche aber nur 3,2 Millionen. Moderna steigert sich im selben Zeitraum zwar – aber nur leicht von 622 000 auf 733 000 Dosen. Vakzin bleibt also ein knappes Gut, und für Karl Lauterbach ist daher klar: „Herdenimmunität erreichen wir erst im September.“

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Erstellt:
18. Juni 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Juni 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2021, 06:00 Uhr

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