Tübingen/Stuttgart · Verkehr

Zwischen Stuttgart und Tübingen fielen 2019 fast 2000 Züge aus

Eine Anfrage des Reutlinger Landtagsabgeordneten Ramazan Selcuk bringt „niederschmetternde Ergebnisse“.

24.01.2020

Von itz

Symbolbild: Ulrich Metz

Der Reutlinger Landtagsabgeordnete Ramazan Selcuk (SPD) wollte Details zum aktuellen Bahnchaos. Was er dann am Mittwoch vom Stuttgarter Verkehrsministerium als Antwort bekam, nennt die Pressestelle des 56-Jährigen „niederschmetternde Ergebnisse“. Die Antwort zeichne ein „erschütterndes Bild vom Zustand des Bahnverkehrs in Baden-Württemberg“. Sowohl auf der Neckartal-Strecke, als auch auf der Hohenzollernbahn (siehe Infobox).

Im Jahr 2019 (bis einschließlich 15. Dezember) fielen demnach auf der Strecke zwischen Tübingen und Stuttgart insgesamt 1933 Züge ungeplant aus – mehr als im Jahr zuvor. Die Unpünktlichkeit ist besonders bei der Abfahrt in Stuttgart groß, dort „kommt es regelmäßig zu Zugfolgeverspätungen, weil die Gleise noch belegt sind oder andere Züge Vorrang erhalten“, heißt es im Schreiben des Ministeriums.

Regionalbahn (RB/bis Plochingen)

1127 Mal fiel die RB im Vorjahr aus, die zu fast zwei Dritteln personalbedingt nicht gefahren sei, wie es im vom Ministerialdirektor Uwe Lahl unterzeichneten Schreiben heißt. Ein Grund für den Ausfall der Regionalbahnen sei auch, dass „eine personelle Neuaufstellung der Tübinger Werkstatt noch nicht richtig zum Tragen kam“. In Tübingen fuhr die Regionalbahn im Vorjahr zu rund 80 Prozent mit weniger als vier Minuten Verspätung ab.

Regionalexpress (RE)

Beim Regionalexpress gab es 655 Ausfälle, für die jeweils zu gut einem Drittel fehlendes Personal und Fahrzeugschäden sorgten. 80,5 Prozent der Züge fuhren in Tübingen im Jahr 2019 weniger als vier Minuten zu spät (also pünktlich) ab, in Stuttgart waren es nur 67,5 Prozent.

Inter-Regio-Express (IRE)

Der schnelle Inter-Regio-Express fuhr 151 Mal nicht, wobei rund ein Viertel auf defekte Fahrzeuge zurückzuführen sind. Etwa 40 Prozent hätten „Infrastrukturstörungen und externe Einflüsse“ ausgemacht. Aus Tübingen fuhren in Richtung Stuttgart im Vorjahr rund 69 Prozent Züge weniger als vier Minuten zu spät ab. Zuletzt waren es im Dezember jedoch nur noch 62,1 Prozent. Aus Stuttgart startete der IRE im Vormonat bis zum Fahrplanwechsel nur zu knapp einem Viertel pünktlich gen Tübingen. Der Jahresschnitt der Abfahrt des IRE in der Landeshauptstadt ist alarmierend: Er kam nur zu rund 38 Prozent unter vier Minuten Verspätung weg.

Man erwarte, „dass sich die Situation in der Tübinger Werkstatt in den kommenden Wochen stabilisiert“, wodurch die Verfügbarkeit der RS1-Treibwagen „auf ein befriedigendes Niveau“ gehoben werden könne, was die Regionalbahnen entlastet. Regelmäßig sind die Züge in Richtung Stuttgart so voll, dass die Fahrgäste in Reutlingen nicht mehr zusteigen können. Im Juni 2020 erhofft man sich durch den Betreiberwechsel zu Abellio Besserung.

Die Zahl der Fahrgäste sei seit 2015 auf der Strecke stabil, an Schultagen seien es etwa 38000 Mitfahrende täglich.

Morgens ist die Hohenzollernbahn überfüllt

Zwischen Tübingen und Hechingen fuhren im Jahr 2018 an Schultagen etwa 5400 Fahrgäste täglich. Die Zahlen sind nach Angaben des Verkehrsministeriums seit 2011 gesunken. Jedoch komme es besonders im Zug, der von Hechingen aus um 7.26 Uhr in Tübingen ankommt, häufig zu Beschwerden. Dieser Zug fährt seit rund einem Jahr mit vier statt fünf Wagen. Teilweise sind 370 Gäste im Zug, es gibt rund 280 Sitzplätze. „Die uns vorliegenden Fahrgastzählungen aus den Jahren 2018 ließen nicht erwarten, dass hierdurch problematische Situationen entstehen würden“, so das Ministerium. Dass die Zahlen zu diesem zugenommen haben, könne auch beispielsweise durch das Job-Ticket des Uni-Klinikums zustande gekommen sein.

Man prüfe, ob man einen zusätzlichen Wagen aus dem Netz abziehen könne. Insgesamt fielen von Januar bis November 2019 auf der Hohenzollernbahn 69 Züge aus. Die Pünktlichkeit (weniger als vier Minuten Verspätung) lag in Tübingen im Jahr 2019 (bis Mitte Dezember) bei rund 70 Prozent, in Hechingen bei etwa 80 Prozent.

Immer wieder würden Verspätungen vom IRE Stuttgart-Tübingen-Sigmaringen-Aulendorf auf die Hohenzollernbahn eingeschleppt. Deshalb wäre es „die radikalste Lösung“, den IRE aus dem Knoten Stuttgart herauszunehmen, so das Ministerium. „Ein fataler Einfall, würde diese Maßnahme doch die Attraktivität des Bahnverkehrs weiter vermindern“, kommentiert die Pressestelle des Reutlinger Landtagsabgeordneten Ramazan Selcuk (SPD).

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Erstellt:
24. Januar 2020, 15:52 Uhr
Aktualisiert:
24. Januar 2020, 15:52 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2020, 15:52 Uhr

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