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Werfen und Fangen sind sehr verwandt
L. Fedorov & A. Wendeln.- Privatbilder
Preise

Werfen und Fangen sind sehr verwandt

Leonid Fedorov und Ann-Christin Wendeln erforschten, wie das Gehirn Bewegungen und Entzündungen verarbeitet.

12.10.2018
  • ST

Die Attempto-Preise der Tübinger Attempto-Stiftung gehen in diesem Jahr an zwei Hirnforscher. Ausgezeichnet wurden Leonid Fedorov und Ann-Christin Wendeln, sie erhalten jeweils 10000 Euro.

Leonid Fedorov, der unter anderem am Centrum für Integrative Neurowissen-schaften tätig ist, konzentriert sich in seiner Forschung auf Handlungspaare wie Geben und Nehmen oder Werfen und Fangen. Er präsentierte Testpersonen in einer Virtual-Reality-Umgebung lebensgroße, dreidimensional animierte Figuren, die teils klar erkennbare, teils Mischbewegungen zum Beispiel zwischen Geben und Werfen ausführten. Die Probanden mussten angeben, ob sie die Bewegungen eher als Geben oder als Werfen erkannten.

Die Experimente ergaben, dass die neuralen Prozesse, die für das Erkennen einzelner Handlungen, wie etwa das Werfen, zuständig sind, auch durch das Gegenstück aktiviert werden - hier das Fangen. Das Gehirn enthält also wahrscheinlich Neurone, die beide Handlungen einer Interaktion zusammen verarbeiten. Die Studienergebnisse können für die Erforschung sozialer Störungen wie Autismus interessant sein, aber auch in der Robotik Verwendung finden, um Maschinen die Prinzipien sozialen Verhaltens beizubringen.

Ann-Christin Wendeln vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung untersuchte die Reaktionen der Immunzellen im Gehirn auf Entzündungsreize, die im Körper und nicht im Gehirn selbst ausgelöst wurden. Sie fand heraus, dass solche Reize verschiedene Prozesse in den Immunzellen des Gehirns, den Mikroglia, einleiten und zu einer langfristigen Reprogrammierung der Mikroglia führen. Bei genveränderten Mäusen, die als Modell der Alzheimer-Erkrankung dienen, verschlimmerten solche Entzündungsreize die charakteristische Plaque-Bildung im Gehirn.

Die Forscherin konnte nachweisen, dass die Mikroglia der Sitz des angeborenen Immungedächtnisses sind. Außerdem ergab ihre Studie, dass auf den Körper einwirkende Entzündungsreize Langzeitveränderungen im Immungedächtnis des Gehirns auslösen und den Verlauf neurologischer Erkrankungen beeinflussen. Die Ergebnisse liefern Hinweise für die Erforschung von neurologischen Krankheiten.

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12.10.2018, 01:00 Uhr
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