Datenklau

Gefährliche SMS: Vorsicht, fremde Nummer

Persönliche Angaben von Millionen Facebook-Nutzern stehen ungeschützt online. Betroffene erhalten seitdem gefährliche SMS. Was können sie tun?

10.04.2021

Von DANIEL WYDRA

Finger weg: Wer aktuell solche oder ähnliche SMS bekommt, löscht sie besser sofort und klickt keinesfalls auf Links. Foto: Till Simon Nagel/dpa

Ulm. Egal ob neue Schuhe, Kleider oder ein gebrauchtes Smartphone drin sind – viele können es kaum erwarten, dass ihr Paket ankommt. Zum Glück bieten die großen Zustellfirmen Apps, in denen die Kunden verfolgen können, wo sich ihr Paket befindet. Häufig bekommen sie solche auch Updates per SMS. Kriminelle nutzen den Kaufrausch aus: Seit einigen Tagen erhalten Kunden vermehrt Kurznachrichten mit vermeintlichen Paketinfos, doch die Links führen zu gefälschten Websites, die mitunter Schadsoftware beim Nutzer installieren. Die Betrüger haben es denkbar einfach: Viele Opfer teilen ihre Handynummer öffentlich auf Facebook. Von dort landeten Millionen der Nummern ungesichert im Internet.

Vor wenigen Tagen entdeckte eine US-amerikanische IT-Sicherheitsfirma eine Datenbank mit persönlichen Informationen von 533 Millionen Facebook-Nutzern, darunter sind sechs Millionen Deutsche. Wie „Business Insider“ berichtet, wurden außer Telefonnummern auch Facebook-Nutzernamen, Klarnamen, Geburtsdaten, Wohnorte und E-Mail-Adressen veröffentlicht – je nachdem, was die Opfer auf Facebook preisgegeben hatten.

Trotz des Schadens will das Unternehmen die Betroffenen nicht einzeln kontaktieren. Ein Sprecher verweist auf Anfrage auf eine Stellungnahme, nach der die Daten schon vor September 2019 aus Facebook-Profilen entnommen wurden. Die Täter fragten die persönlichen Informationen mit speziellen Programmen ab. Diese Methode ist als „Scraping“ bekannt. Die Software fragte Facebook gezielt nach bestimmten Telefonnummern oder E-Mail-Adressen, das Soziale Netzwerk lieferte das zugehörige Profil. Anschließend können die Nutzer kontaktiert werden. Viele geben zwar keine Telefonnummer an. Da sie aber fortlaufend vergeben werden, fragte die Software so lange an, bis sie einen Treffer landete. Diese Funktion konnte prinzipiell jeder Laie nutzen, sie wurde aber im April 2018 abgeschaltet.

Ist Facebook nicht rechtlich verpflichtet, die Nutzer zu informieren? Doch, aber erst seit Mai 2018, als die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Deutschland in Kraft trat. Facebook verweist auf allgemeine Informationen im Hilfe-Bereich des Portals und behauptet, dass die Daten abgefragt wurden, bevor die DSGVO galt. Stefan Brink bezweifelt das. „Es ließe sich leicht überprüfen“, sagt der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit. Es müsse sich nur ein Nutzer finden, der seine Telefonnummer erst später als Mai 2018 auf Facebook geteilt hat.

Brink vermutet, dass es Sanktionen gegen Facebook geben wird. „Möglich ist eine Geldbuße von bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.“ Weil die EU-Zentrale des Unternehmens aber in Irland ist, sind die dortigen Behörden und Gerichte für das Verfahren zuständig.

Die für die Region zuständige Polizei hatte bereits im Februar vor der Betrugsmasche gewarnt.

Manche Nutzer geben ihre Telefonnummer auf ihrem Facebook-Profil öffentlich bekannt. Kriminelle konnten auf diese Weise leicht an persönliche Daten gelangen. Foto: Olivier Douliery/afp

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Erstellt:
10. April 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
10. April 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. April 2021, 06:00 Uhr

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