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Schwache Momente im wichtigsten Match
Mehr Fehler als im gesamten Turnier zusammen: Alexander Zverev hat in Key Biscane ein schwaches Finale abgeliefert. Foto: Clive Brunskill/afp.
Tennis

Schwache Momente im wichtigsten Match

Ausgerechnet im Finale von Miami macht Alexander Zverev sein schlechtestes Spiel. Dem Supertalent fehlt noch die mentale Stärke für die großen Siege.

03.04.2018
  • JÖRG ALLMEROTH

Ganz am Ende war nur noch Bitterkeit und Machtlosigkeit. Es war der Moment im Masters-Finale von Key Biscayne, als Alexander Zverev zwar offiziell noch im Spiel war – und doch auch wieder nicht. 4:5 und 0:15 lag der 20-jährige Deutsche im dritten, entscheidenden Satz zurück gegen den Amerikaner John Isner, als der tat, was er am besten kann. Aufschläge zu produzieren, die entweder ein Ass sind oder nicht mehr returnierbar. Isner machte es kurz und schmerzvoll für Zverev. Drei Asse hintereinander. Spiel, Satz und 6:7, 6:4, 6:4-Sieg, der erste Masters-Titel im Alter von 32 Jahren für den 2,07-Meter-Riesen Isner, im allerletzten Match, das im Crandon Park nach 30 Turnierjahren gespielt wurde.

Der größte Sieg für Isner war zugleich die größte bisherige Niederlage für Zverev, denn noch immer hat das Masters in Miami einen herausgehobenen Stellenwert in der Welt des Wanderzirkus. Die Niederlage für Zverev war nicht nur groß wegen der Bedeutung des Turniers, sondern weil sich für den jungen Hamburger auf dieser prominent ausgeleuchteten Bühne in Florida eine Geschichte nervlicher Probleme in sehr wichtigen Duellen fortsetzte – mit der enttäuschendsten Konsequenz freilich.

Fehler über Fehler

„Ich habe im Endspiel so viele Fehler gemacht wie im ganzen Turnier zusammen“, sagte Zverev hinterher. Und zwar Fehler vor allem, als es galt, kühlen Kopf zu bewahren und die eigentliche spielerische Überlegenheit konsequent in Punktgewinne umzusetzen. Zwei Mal verlor Zverev seinen Aufschlag im neunten Spiel, in den Sätzen zwei und drei. Und weder den Satzausgleich noch die spätere Niederlage konnte er nach den Patzern vermeiden. Im letzten Akt des Dreiteilers zertrümmerte Zverev nach dem 4:5-Break wutentbrannt seinen Schläger, der aufgestaute Zorn triumphierte da über die lange Zeit recht eisern demonstrierte Disziplin.

Viel zu passiv

Die verpasste Chance, einige Schwächen im ersten Vierteljahr dieser Saison mit dem Miami-Pokal-Coup zu retuschieren, weckte Erinnerungen an einige komplizierte Grand Slam-Auftritte des Youngsters. An Matches, in denen Zverev gegen seine eigene Natur, gegen seine Tennis-Identität spielt. Auch gegen Isner versuchte sich Zverev bei den Big Points wieder daran, eher auf Fehler seines Gegners zu warten und die eigene Initiative aufzugeben. Es kostete ihn, wie andernorts, dann den möglichen, eigentlich fälligen Sieg.

Natürlich sind Niederlagen wie in Miami oder zuletzt auch bei den Australian Open in Melbourne immer auch Gelegenheiten zum Lernen, zum Bessermachen, aber Zverev muss aufpassen, dass sich diese Fehlschläge nicht hartnäckig im Kopf festsetzen. Paradox, aber wahr:

Zverev will extrem viel, erwartet extrem viel, setzt sich selbst unter Druck – und wirkt zuweilen dann passiv, etwas gelähmt in Augenblicken, in denen sich ein Match entscheidet. Unwillkürlich rieb der Miami-Sieger Isner noch ein wenig Salz in die Wunden, als er bei den offiziellen Zeremonien Zverev dafür dankte, dass er ihn für diesen ersten großen Laufbahnerfolg habe „gewinnen lassen.“ Und tatsächlich: Mehr als Isners Sieg war die Essenz dieses Spiels die Niederlage Zverevs.

In das erste Vierteljahr der Serie 2018 fiel auch die Trennung Zverevs von seinem spanischen Coach Juan Carlos Ferrero, dem der 20-jährige nachrief, er, Ferrero, habe ihn zu sehr in ein Korsett von Befehl und Gehorsam zwingen wollen. Ferrero seinerseits monierte Undiszipliniertheiten, Zverev habe sich nicht immer so verhalten, wie es einem Profi auf diesem Level anstehe.

Kommt Lendl als Coach?

Warum der Rückblick? In Miami habe sich Ivan Lendl angeblich im Camp von Zverev aufgehalten, kolportierten Beobachter, möglicherweise bahne sich da eine Zusammenarbeit zwischen dem ehemaligen Tennis-Asketen und dem jungen Deutschen an.

Zverev hat nun gleich die nächste große Aufgabe vor sich, als Führungsspieler der deutschen Davis Cup-Mannschaft am kommenden Wochenende beim Auswärtsduell im spanischen Valencia. Er wird dort auch auf den Matador Rafael Nadal treffen.

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03.04.2018, 06:00 Uhr
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