Umfrage · Bildung

Schulleiter überlastet: „Das Haus brennt lichterloh“

Viele Schulleiter fühlen sich überlastet und haben die Freude an ihrem Beruf verloren.

29.11.2021

Von Jens Schmitz

Stuttgart. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht die Qualität des Schulsystems massiv bedroht. Nach einer repräsentativen Umfrage unter Schulleitern haben 57 Prozent der Schulen im Land mit Lehrermangel zu kämpfen. Knapp jede zweite Schulleitung würde von ihrem Job abraten. Das geht aus einer bundesweiten Erhebung im Auftrag des VBE hervor. „Diese Zahlen sind mehr als nur ein Alarmzeichen“, sagte VBE-Landeschef Gerhard Brand. „Das Haus brennt lichterloh.“

Den Lehrkräftemangel empfinden die Schulchefs im Südwesten noch vor den Folgen der Corona-Pandemie als größtes Problem. Die meisten arbeiten gern, stellen dem Kultusministerium aber ein verheerendes Zeugnis aus: Null Prozent fühlen sich von Ressortchefin Theresa Schopper (Grüne) unterstützt. Vor der Pandemie hatte der Wert für Amtsvorgängerin Susanne Eisenmann (CDU) 2019 zunächst noch bei 13 Prozent gelegen. Bis November 2020 war er noch unter Eisenmann auf 3 Prozent abgestürzt.

Für die Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa in diesem September und Oktober 1300 Schulleiterinnen und Schulleiter befragt, davon 253 in Baden-Württemberg. Die Antworten beziehen sich unter anderem auf die gravierendsten Herausforderungen im Schulalltag, auf Digitalisierung und Arbeitszufriedenheit. Letztere ist seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich gesunken. Während 2019 nur fünf Prozent der Schulleiter in Baden-Württemberg ihren Beruf nicht gern ausübten, waren es diesmal 31 Prozent. Der Anteil, die ihren Beruf nur gelegentlich oder nie zur eigenen Zufriedenheit ausfüllen können, ist seit 2018 von 16 auf 46 Prozent gestiegen. 60 Prozent konnten im vergangenen Jahr selten oder nie an die persönliche Gesundheit denken. Die bundesweiten Werte sind ähnlich.

Den Lehrermangel identifizierten die Schulchefs zu 52 Prozent als Hauptproblem, gefolgt von Corona und den damit verbundenen Maßnahmen (41 Prozent) sowie Arbeitsbelastung/Zeitmangel (38 Prozent). Zwar geben mit 57 Prozent immer noch weniger als im Bundesschnitt (63 Prozent) an, mit Lehrermangel und unbesetzten Stellen zu kämpfen. Der Trend ist aber kein guter: 2018 waren es erst rund ein Drittel gewesen.

„Im Bereich der Digitalisierung erkennen wir einen deutlichen Ausstattungsschub“, hob Brand positiv hervor. Insgesamt zeige sich aber ein „dramatisches Bild“, bei dem die Schulleitungen der Politik die Schulnote 4,1 ausgestellt hätten (bundesweit: 4,2). Nötig seien vor allem mehr Leitungsstunden und bessere Teamstrukturen. Außerdem müsse die Politik für Zusatzaufgaben wie Ganztagsausbau und Inklusion entsprechende Ressourcen bereitstellen.

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) erkannte die Probleme in einer Reaktion an. In den Verhandlungen für den Haushalt 2022 seien deshalb 160 Stellen zur Entlastung der Schulleitungen verankert worden. Auch die eingeleitete Erhöhung der Studienplatzkapazitäten werde sich in den kommenden Jahren auszahlen.

Zum Artikel

Erstellt:
29. November 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
29. November 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. November 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App