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Imbiss, Getränke und tolle Preise für die Gegenstimme

Mit Radtour & Quiz wirbt die Stadt für ihre Gewerbestrategie – auf Kosten der Steuerzahler.

Glauben Sie ernsthaft, dass jemand für das Gewerbegebiet stimmt, nur weil er eine Flasche Sprudel bekommen hat?“, fragt Birgit Reinke erstaunt. Die städtische Pressesprecherin sieht kein Problem darin, dass die Stadt Rottenburg mit Steuerzahler-Geld nicht nur eine öffentlich organisierte Radtour samt Verpflegung finanziert, sondern auch die Preise für die Gewinner eines Quiz’ zur städtischen Gewerbestrategie

15.09.2018

Von Philipp Koebnik

Protest auf dem Kiebinger Gelände „Herdweg/Galgenfeld“, wo ein Gewerbegebiet entstehen soll. Der Spruch in roter Schrift („Hier blüht euch was“) ist angelehnt an das Motto für die (erfolglose) Bewerbung Rottenburgs zur Landesgartenschau. Der Blick geht von Kiebingen Richtung Rammert und Weiler. Archivbild: Eisele

„PR darf eine Stadt doch machen“, sagt sie. Und: „Wir machen sehr häufig Veranstaltungen, bei denen wir die Bürger zu Getränken einladen.“

Die Radtour am Sonntag (siehe Infobox) führt durch die Rottenburger Gewerbegebiete. Die Teilnehmenden bekommen nicht nur kostenlos gekühlte Getränke, sondern zwischendurch auch einen Imbiss. Mehr noch: Die Stadtverwaltung hat sich Quizfragen ausgedacht und verleiht laut Einladung „tolle Preise“ an die Gewinner. Wer gut abschneidet, hat Aussicht auf Familien-Gutscheine, wahlweise für einen Besuch im Freibad oder in der Freizeitarena Rottenburg mit 3D-Minigolf und Bowling.

Bei dem Quiz mitmachen kann auch, wer nicht an der Radtour teilnehmen will. Bis 1. Oktober kann man die Antwortbögen im Rathaus oder bei den Ortsverwaltungen abgeben. Die Gewinner werden unter allen abgegebenen richtigen Antworten ausgelost.

Wer an der Tour teilnimmt, hat jedoch bessere Chancen auf Erfolg. Denn Oberbürgermeister Stephan Neher wird kleinere Vorträge zu den einzelnen Gewerbegebieten und zur städtischen Gewerbestrategie halten, wie er unserer Zeitung sagte. Eine Frage lautet etwa, wie viele Anfragen nach Gewerbeflächen die Stadt jährlich erhalte.

Wie viel das Ganze die Stadtkasse kosten wird, könne sie noch nicht sagen, so Reinke, denn das hänge von der Teilnehmerzahl ab. Allerdings gebe es Reserven im Haushalt, die die Verwaltung bei solchen Anlässen anzapfen könne. Dass diejenigen, die mitradeln, sich automatisch von den Argumenten der Stadtverwaltung überzeugen ließen, glaubt Reinke nicht. Sie gehe davon aus, dass auch Gegner des geplanten Gewerbegebiets Galgenfeld/Herdweg in Kiebingen mitfahren werden. Er rechne mit 30 bis 40 Teilnehmenden, sagte Neher – „wenn’s gut läuft“.

Auch der OB kann Vorwürfe, die Stadt würde mit dem Geld der Steuerzahler eine Werbekampagne finanzieren, „nicht ganz nachvollziehen“. Der Gemeinderat habe sich mehrheitlich für das neue Gewerbegebiet entschieden. Diesen Beschluss „gilt’s nun zu verteidigen“. Eine Radtour und ein Quiz seien Möglichkeiten, das wichtige Thema in die Bevölkerung zu tragen. Für die Preisverleihung habe man sich entschieden, um auch Familien anzusprechen. Gleichwohl handle es sich nicht um eine Werbe-, sondern um eine Informationsveranstaltung: „Wir wollen ja nichts verkaufen.“ Indes findet sich sowohl auf dem Quiz als auch auf den Erläuterungen dazu jeweils ein roter Schriftzug: „Deshalb beim Bürgerentscheid: NEIN“.

Daniel Hahn, Pressesprecher des Tübinger Regierungspräsidiums, teilte auf TAGBLATT-Anfrage mit, „dass die Gemeindeorgane bei einem Bürgerentscheid – anders als bei Wahlen – nicht neutral sein müssen, sondern durchaus ihren Standpunkt vertreten dürfen“. Vor diesem Hintergrund bestünden „keine Anhaltspunkte dafür, dass die Stadtverwaltung durch die geplante Radtour mit Quiz in unzulässiger Weise agieren würde“.

Ganz anders sehen das freilich die Mitglieder des Aktionsbündnisses gegen das neue Gewerbegebiet. Von „Stimmenkauf“ spricht Oswald Bachmann. Er sieht das Bündnis „gewaltig benachteiligt“ durch die Aktionen, die die Stadt „auf Kosten der Steuerzahler“ mache. „Ich sehe das natürlich kritisch“, sagt auch Stefan Ruge. „Mit ungleichen Schwertern wird da gekämpft.“ Die Stadt habe ganz andere finanzielle Möglichkeiten als das Aktionsbündnis.

Dieses lädt am 30. September zum Rundgang ums Galgenfeld ein, bei dem der frühere Domapotheker Jürg Gaebele über die Geschichte des Areals berichten wird. Mit Preisen könne man dabei jedoch nicht aufwarten. Stadtrat Volkmar Raidt (FB/FDP), ist ebenfalls nicht einverstanden. Er wünsche sich einen „Wahlkampf auf Augenhöhe“. Allesamt sprechen sie von einem „Kampf David gegen Goliath“. Doch Bachmann bleibt optimistisch: „Wir glauben natürlich trotzdem, dass David den Entscheid gewinnt.“

Sonntägliche Radtour durch die Gewerbegebiete

Los geht’s am Sonntag um 14 Uhr bei den Stadtwerken Rottenburg (Siebenlindenstraße 19). Der erste Stopp ist gegen 14.20 Uhr auf dem Elsässer-Gelände in der Kernstadt. Weitere Zwischenhalte sind unter anderem gegen 16.45 Uhr in Seebronn beim Heizungs- und Sanitärbetrieb Keuler oder beim Jugendhaus und gegen 18 Uhr bei der Tennishalle in Ergenzingen.

Zwischendurch gibt es gegen 16 Uhr einen Imbiss in der Gaststätte „Sonne“ in Oberndorf. Zurück geht es (ohne weitere Stopps) von Ergenzingen über Wolfenhausen, Remmingsheim und das Weggental. Die Ankunft am Rottenburger Marktplatz ist für etwa 19.35 Uhr geplant. Die Strecke ist knapp 33 Kilometer lang. Die reine Fahrtzeit beträgt laut Stadt zweieinhalb Stunden. Aktuelle Infos während der Radtour gibt es unter 0160/99075154.

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Erstellt:
15. September 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
15. September 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. September 2018, 01:00 Uhr

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