Uniklinika

Mehr Ärzte fürs Land

Wissenschaftsministerin Bauer legt Eckpunkte für den Ausbau der Medizin-Studienplätze vor. Landarztquote kommt 2021.

30.05.2020

Von Roland Muschel

Stuttgart. Mit einem Maßnahmenpaket, in dessen Zentrum der Ausbau der Studienplätze in Humanmedizin steht, will die grün-schwarze Landesregierung die medizinische Versorgung im ländlichen Raum stärken. Der Ausbau soll noch in diesem Jahr 2020 beginnen, die Zahl der Studienanfängerplätze pro Jahr um 150 erhöht werden. Die Gesamtzahl wird dann im Studienjahr 2021/22 auf 1699 steigen.

75, die Hälfte der neuen Plätze, sollen über eine Landarztquote vergeben werden, die von 2021 an greifen wird. Im Endausbau kalkuliert das Land vom Jahr 2027 an mit jährlichen Mehrkosten von knapp 30 Millionen Euro für den knapp zehnprozentigen Aufwuchs der Studienplätze. Das geht aus einem zehn Seiten umfassenden Eckpunktepapier von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) für die Kabinettssitzung nach den Pfingstferien hervor, das dieser Zeitung vorliegt.

600 offene Hausarztstellen

Hintergrund der Aktivitäten sind Lücken in der medizinischen Versorgung. Die Landesregierung geht davon aus, dass rund 665 000 Menschen in Baden-Württemberg keinen Hausarzt an ihrem Wohnort haben. Die Kassenärztliche Vereinigung spricht von rund 600 Stellen für Hausärzte, die derzeit unbesetzt sind. Nach Angaben des Sozialministeriums ist jeder dritte Hausarzt im Land über 60 Jahre alt.

Wissenschaftsministerin Bauer setzt zur Lösung des Problems auf Bündel an Maßnahmen – und auf die fünf bestehenden Medizinischen Fakultäten in Tübingen, Ulm, Freiburg, Heidelberg und Mannheim. Jeder Standort wird seine Kapazitäten um 30 Studienanfängerplätze erhöhen. Ein konkurrierendes, vom früheren Amtschef von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Klaus-Peter Murawski (beide Grüne), protegiertes Konzept des Klinikums Stuttgart und der Städtischen Klinik Karlsruhe um die neuen Plätze ist damit endgültig zu den Akten gelegt.

Mit dem Ausbau verbunden ist die Einführung eines neuen Neigungsprofils „Ländliche Hausarztmedizin“, das allen Studierenden offensteht. „Dieses motiviert für und bereitet auf eine Tätigkeit im Ländlichen Raum vor“, formuliert das Eckpunktepapier die Zielsetzung.

Die Studierenden können in jedem Semester spezielle, aufeinander abgestimmte Ausbildungsmodule wählen, die sie auf eine Karriere in der Primärversorgung vorbereiten sollen, heißt es in den Papier. In den Kursen sollen sie auch mit regionalen Akteuren wie Hausärzten, regionalen Versorgungszentren, aber auch Bürgermeistern und Landräten zusammengebracht werden, um die angehenden Ärzte früh für eine Region zu interessieren.

Um den Erfolg der Maßnahmen zu messen, sollen die Medizinischen Fakultäten Absolventenstatistiken einführen. Zudem ist eine Evaluation der inhaltlichen Neuerungen vorgesehen.

Dazu gehört die Einführung einer Landarztquote im Jahr 2021. Danach soll die Hälfte der 150 zusätzlichen Studienplätze Bewerbern vorbehalten werden, „die sich verpflichten, nach Abschluss des Studiums zehn Jahre als Allgemeinmediziner in einem unterversorgten Gebiet tätig zu sein“.

Das Bewerbungsverfahren soll noch in der laufenden Legislaturperiode beginnen, also spätestens Anfang 2021. Einen entsprechenden Gesetzentwurf muss das Sozialministerium noch ausarbeiten.

Die Einführung der Landarztquote war die Bedingung der CDU-Fraktion für die Zustimmung zum Maßnahmenpaket. Von Bauer ist bekannt, dass sie diesen Punkt skeptisch sieht. Die Medizinischen Fakultäten hatten ebenfalls lange versucht, die Quote zu verhindern, zuletzt mit dem Vorschlag, stattdessen Stipendien an Studierende ab dem 5. oder 7. Semester zu vergeben, wenn sich diese zu einer späteren Tätigkeit als Landarzt verpflichten.

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Erstellt:
30. Mai 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Mai 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2020, 06:00 Uhr

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