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Karatbars im Interview: Kommt der Rücksetzer im Goldpreis?

Gold gilt für Anleger seit jeher als sicherer Hafen, wenn die Kurse unter Schwankungen leiden. Aufgrund der aktuellen Ausbreitung des Coronavirus, die nun auch den europäischen Kontinent erreicht hat, befindet sich der Goldpreis auf einem schier nicht enden wollenden Höhenflug. Da Hochkonjunkturen in der Regel immer nur einen bestimmten Zeitrahmen überdauern, stellt sich die Frage, ob der Goldpreis in naher Zukunft einen Rücksetzer zu befürchten hat? Die Karatbars International GmbH klärt im Interview auf.

20.03.2020

Der Goldpreis ist für seine Konstanz bekannt. Bildquelle: PublicDomainPictures / Pixabay

Der Goldpreis kann an der Börse wie ein Kontrapart zum gesamten Spektrum der Aktienkurse angesehen werden, da er sich gegensätzlich zur aktuellen Situation verhält. Diese gegenpolartige Attitüde liegt in der Beschaffenheit des Goldes begründet, die sich durch ihre Unbeirrtheit im finanz- und fiskalpolitischen Geflecht auszeichnet. Nicht umsonst gilt das Anlegen als sichere Partie. Und Sicherheit steht vor allem hoch im Kurs, wenn unvorhergesehene Ereignisse das Weltgeschehen beeinflussen – so wie z.B. die Ausbreitung des Coronavirus.

Die internationale Ausdehnung des Virus verbreitete bei den Anlegern das Gefühl von unsicheren Zeiten, die das investierte Geld letztlich in den sicheren Hafen des Goldpreises spülte. Ein Blick in die jüngeren Vergangenheit verrät, dass in den letzten 18 Monate eine gute Marktlage sowohl für Gold als auch für Aktien vorherrschte. Unsicherheitsfaktoren wie Handelskriege, geopolitische Konflikte sowie eine schwächelnde Konjunktur und zuletzt das neuartige Coronavirus spielten beiden Partien wirtschaftlich in die Karten.

Im Interview geben die Goldexperten der Karatbars International GmbH Einblicke über die aktuelle Marktsituation, zeigen die zukünftige Entwicklung des Goldpreises auf und thematisieren den Aspekt der Rücksetzer.

Gold ist wieder Anlage Nummer eins, liegt es tatsächlich nur am Coronavirus?

Karatbars: „Gold war schon immer die favorisierte Anlaufstation für Anleger. Die inflationsresistente und stabile Beschaffenheit des Kurses macht das Edelmetall zu einer sicheren Anlaufstation. Wir bei Karatbars beobachten die jüngsten Entwicklungen sehr aufmerksam. Natürlich spielt die Ausbreitung des Coronavirus eine ganz entscheidende Rolle in der Preisentwicklung. Besonders die Todesfälle in Italien haben das Bestreben nach Sicherheit seitens der Anleger bestärkt“.

Sind andere Faktoren für den aktuellen Goldpreis mitverantwortlich?

Karatbars: „Nicht nur wir, sondern auch viele andere Experten sind sich einig, dass die letzten Zuwächse des Goldpreises auf Grundlage des Coronavirus entstanden sind. Doch wirft man einen Blick weiter zurück, wird man bereits seit Anfang des Jahres ein stetiges Wachstum erkennen. Der Kurs ist weit über zehn Prozent gestiegen. Zwischenzeitlich notierte der Goldpreis bei etwa 1.692 Dollar. Das entsprach dem höchsten Stand seit sieben Jahren. Die aktuelle Notierung beläuft sich auf 1.364 Euro. Derzeit stehen die Leute Schlange, um physisches Gold in irgendeiner Form erwerben zu können. Kleine Stückelungen bieten sich hierfür ganz besonders an.

In den letzten zwei Jahren befanden sich sowohl der Goldpreis als auch die restlichen Aktienkurse in einer guten Verfassung. Laut des Gesetzes der negativen Korrelation eher untypisch, doch nun scheint sich aufgrund der aktuellen Krisensituation diese alte Faustregel wieder zu bewahrheiten“.

Wie in vielen Bereichen gelten die Vereinigten Staaten in der Finanzpolitik als essenzieller Indikator für die weiteren Entwicklungen. Welche Rolle kommt der US-Notenbank im Zusammenhang mit dem Goldpreis zu Teil?

Karatbars: „Für die Antwort dieser Frage ist der Kontext entscheidend. Durch die Investitionswut in Gold stagnieren alle anderen Kurse, was im Endeffekt ein Liquiditätsloch reißt. Ein Szenario, das kein Land der Welt seiner Wirtschaft antun möchte. Diesbezüglich hat China als Ausbruchsort für den Coronavirus bereits massiv interveniert.

Die US-Notenbank wird einen ähnlichen Schritt wagen. Spätestens bei der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses am 18. März werden voraussichtlich die Zinsen zum vierten Mal in diesem Zyklus gesenkt. Die Märkte stellen sich bereits auf diese und weitere Veränderungen ein, da im April und Juni wohl weitere Zinssenkungen die Folge sein werden. Da die Inflationsrate jetzt schon deutlich über dem Zinsniveau liegt, dürfte sich der Realzins weiter gen Boden bewegen. Im Endeffekt bedeutet das, dass der Preis des zinslosen Goldes nochmals steigen wird“.

Was bedeutet das konkret für den Goldpreis, hält das Wachstum an?

Karatbars: „Eine einschlägige Prophezeiungen lässt sich in solchen Szenarien niemals abgeben, dafür ist der Markt mit zu vielen Variablen durchsiebt. Allerdings lässt sich anhand der Zinsentwicklung auch ein Stück weit die Preisentwicklung des Goldes ablesen. Die Zinsen stehen in direkter Verbindung mit den steigenden Goldpreisen, da sich die Panik vor dem Coronavirus auf die Realzinsen niederschlägt. Die Anleger wollen nun mal ihre Schäfchen ins Trockene bringen und suchen in Krisensituationen nach Sicherheit. Eine Eigenschaft, die Gold verkörpert und dementsprechend wird der Goldpreis in naher Zukunft weiter in die Höhe schießen. Dabei wird der entscheidende Nachteil des Goldes außer Kraft gesetzt: Zinslosigkeit“.

Der steigende Goldpreis scheint also nicht aufzuhalten zu sein. Oder sehen Sie bei Karatbars doch irgendwelche Rücksetzer am Horizont?

Karatbars: „In der aktuellen Phase reagiert der Markt sehr empfindlich auf Nebengeräusche, die sofortige Schwankungen und Veränderungen verursachen können. Diese können nicht nur eine positive, sondern auch eine negative Preisentwicklung nach sich ziehen. Kursdrückend könnte sich in diesem Zusammenhang zunächst die Entwicklung am Terminmarkt auswirken. Die damit verbundenen Spekulationen auf steigende Goldpreise könnten als kontraproduktiver Indikator angesehen werden.

Goldproduzenten könnten zunehmend geneigt sein, sich das derzeitige erhöhte Preisniveau mittels Terminmarktgeschäften zu sichern. Dabei kommen sogenannte Futures und Optionen zum Einsatz, die Produzenten und auch Abnehmer vor den Risiken der Preisschwankungen schützen sollen. Dieses Vorgehen liegt in der Tatsache begründet, dass Produktion und Nachfrage zeitlich und räumlich voneinander abweichen. Auch hier spielt Sicherheit eine übergeordnete Rolle.“

Zurück zum Thema Coronavirus; bleibt die Ausbreitung der wichtigste Indikator für den Goldpreis oder wird der Anstieg auch ohne den Virus andauern?

Karatbars: „Der Goldpreis befand sich bereits vor dem Ausbruch in einer guten Position, doch das Virus sorgt für den anhaltenden Höhenflug. Daher wird auch der weitere Verlauf über die Preisentwicklung bestimmen.

Aber auch abseits des Virus gibt es Szenarien, die einen steigenden Goldpreis beinhalten. Dafür müssen allerdings einige Faktoren zusammenlaufen, denn die Preisstruktur des Edelmetalls ist abhängig von der Marktsituation. Der wichtigste Aspekt bleiben die tiefen Zinsen, die auch weiterhin allgegenwärtig sind und uns wohl auch in der Zukunft erhalten bleiben werden. Gold ist schließlich ein Schutz für Kapital, wenn die Geldpolitik großzügige Spielregeln festlegt. Das Thema Coronavirus wird hier jedoch ebenfalls einen erheblichen Teil zur Entwicklung des Goldpreises beitragen.“

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Erstellt:
20. März 2020, 10:36 Uhr
Aktualisiert:
20. März 2020, 10:36 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. März 2020, 10:36 Uhr

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