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„Transfair“

Hannes Brötz: Gold ohne Gewissensbisse

Bei der weltweiten Förderung des Edelmetalls spielen soziale und ökologische Aspekte oft keine Rolle. Ein Verein will das ändern. Der Tübinger Goldschmiedemeister Hannes Brötz arbeitet nach dessen Standards.

04.08.2019

Von Kathrin Löffler

Der Tübinger Goldschmiedemeister Hannes Brötz schmiedet ein Stück fair gehandeltes Rotgold auf einem Amboss. Foto: Fabian Sommer/dpa

Der Arbeitsnachweis von Hannes Brötz ist eine Kiste voller Feenstaub. In einer Batterie von Gläschen flirrt es gelblich, golden und rötlich. Das Glitzerpulver besteht aus winzigen Spänen. Sie entstehen bei der Schmuckherstellung. Während die meisten Berufskollegen von Brötz alle Reste in einen einzigen Topf werfen und industriell wieder aufbereiten lassen, trennt der Tübinger Goldschmiedemeister sie penibel nach ihrer jeweiligen Zertifizierung und schmilzt sie selbst wieder ein. Brötz ist nach Angaben des Vereins „Transfair“ einer von zwölf Goldschmieden bundesweit, der komplett mit fair gehandeltem und umweltschonend produziertem Gold arbeitet. Das erfordert Aufwand.

Im Vergleich zu Produkten wie Kaffee, Bananen oder Kakao ist sozialverträglich erzeugtes Gold unter Verbrauchern noch wenig populär, teilt Frank Griesel von „Transfair“ mit. Der Verein vergibt das „Fairtrade“-Siegel an Kooperativen, die keine Kinderarbeit dulden sowie Arbeitern in Goldminen Schutzkleidung und gute Bezahlung garantieren. Umgekehrt zeichnet er damit Handwerker wie Hannes Brötz aus, die faire Rohstoffe verwenden.

Jan Spille ist einer der ersten Goldschmiede in Deutschland, der sich konsequent gegen konventionell gewonnenes Edelmetall entschied. Auf seiner Walz stieß der Hamburger auf kleine Genossenschaften in Kolumbien oder Argentinien, die bei der Goldgewinnung auf soziale und ökologische Standards setzten. Spille, der auch in der kapitalismuskritischen Bewegung aktiv war, fand es angemessen, sein Gold von ihnen zu beziehen.

Spille reist regelmäßig in Goldabbauregionen in Afrika oder Asien. Dabei begegnen ihm auch Missstände des konventionellen Goldbergbaus. „Wir haben Leute mit Badelatschen in Minen getroffen“, sagt er. In Uganda würden Arbeiter in schlecht gesicherten Minen begraben. In Kenia gebe es immer wieder Todesfälle wegen Kohlenstoffdioxidvergiftungen, weil mit maroden Dieselgeneratoren Wasser aus den Minen gepumpt werde.

Besonders verheerend für Umwelt und Gesundheit der Arbeiter sind aber hochgiftige Zyanid-Laugen und Quecksilber, mit denen im herkömmlichen Industrie- und Kleinbergbau das Gold aus dem Gestein gelöst wird. Im Umgang damit erheben die verschiedenen Zertifizierungsorganisationen unterschiedliche Kriterien für unterschiedliche Zertifizierungsgrade. Während das „Fairtrade“-Label etwa Schutzkleidung und Schulungen für die Arbeiter vorschreibt, verbietet „Fairmined Ecological Gold“ jeglichen Einsatz von Chemikalien.

Brötz und Spille setzen wegen der Transparenz auf zertifiziertes Gold. Ihr Schmuck ist bis zu 20 Prozent teurer als vergleichbare konventionelle Stücke. Doch viele kleine Kooperativen können sich die Zertifizierung nicht leisten. Der Hamburger Goldschmied Thomas Becker hält die großen Label-Organisationen wegen der hohen Verwaltungskosten für einen „riesigen Wasserkopf“.

Für Scheideanstalten in Deutschland, im Münz-, Industrie- und Investmentsektor spielt sozial- und umweltverträgliches Gold noch eine geringe Rolle. Als einer von wenigen weltweit hat sich der Leipziger Edelmetallhändler Florian Harkort auf faires zertifiziertes Gold spezialisiert. Er beliefert rund 100 Goldschmiede und Juweliere in ganz Europa. Auch Hannes Brötz.

Brötz‘ Kunden kommen aus Süddeutschland, der Schweiz oder dem Frankfurter Raum. Besonders bei Trauringen legen viele Wert auf Gold ohne Gewissensbisse. Wenn etwas lebenslange Liebe symbolisieren soll, scheint die Herkunft besonders wichtig.

Nur 17 Kilogramm in Deutschland

Der Marktanteil fairen Goldes ist noch verschwindend gering. Nach Angaben Frank Griesels vom Verein „Transfair“ betrug die komplette Handelsmenge im Jahr 2017 in Deutschland lediglich 17 Kilogramm. Im gleichen Jahr wurden einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zufolge insgesamt mehr als 85 Tonnen Rohgold importiert. Weltweit werden jährlich bis zu 3000 Tonnen Gold gefördert. Im Kleinbergbau arbeiten weltweit zirka 20 Mio. Menschen – das entspricht ungefähr 90 Prozent aller Arbeitskräfte im Goldabbau.

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Erstellt:
4. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
4. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. August 2019, 06:00 Uhr

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