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TAGBLATT-„Alles geregelt“-Tag

Die letzten Schritte im Leben sicher bewältigen

Wie gelingt gerechtes Erben? Welche Möglichkeiten für altersgemäßes Wohnen gibt es? Und wie lässt sich das eigene Begräbnis gestalten? Rund um’s Lebensende und darüber hinaus informierte der zweite „Alles geregelt“-Tag des TAGBLATTs.

11.04.2019

Von Monica Brana

Aus allen Nähten platzte der Große Sitzungssaal im Landratsamt, als beim TAGBLATT-Infotag „Alles geregelt“ mehrere Fachleute altersrelevante Themen besprachen. Bild: Ulrich Metz

Immer mehr Klappstühle trugen die rund 250 zumeist älteren Interessenten am Dienstagabend in den Großen Sitzungssaal des Landratsamtes hinein. Drinnen saßen sechs Fachleute, deren Vorträge zu unterschiedlichen Vorsorgemaßnahmen TAGBLATT-Redakteurin Christiane Hoyer moderierte.

Pflege daheim, rund um die Uhr

Wie sie als Alternative zum Einzug ins Pflegeheim auch kurzfristig eine Rund-um-die-Uhr-Betreuungskraft zu Pflegebedürftigen nach Hause schafft, erklärte zunächst Katrin Herre. In Alltag, Haushalt und bei der Körperpflege seien die von ihr vermittelten und legal angestellten osteuropäischen Pflegekräfte behilflich, sagte die 49-jährige Geschäftsführerin der Albstädter Agentur „senior@home24“.

Dabei könne sie auf ein großes Netzwerk osteuropäischer Partneragenturen zurückgreifen. Gemeinsam mit den anfragenden Familien werde somit aus einem Pool von Tausenden Pflegekräften die passende ausgewählt. Die Chemie zwischen Pflegekraft und Patient solle stimmen, sagte Herre. In der Fragerunde interessierte sich das Publikum vor allem für zu erwartende Kosten. Mindestens 2200 Euro seien für eine Deutsch sprechende und qualifizierte Kraft realistisch, antwortete Herre. Netto bekomme diese davon etwa die Hälfte ausbezahlt. Ein eigenes Zimmer sowie Vor-Ort-Verpflegung für die Pflegekraft seien außerdem die Voraussetzungen für eine Vermittlung.

Rechtslage bei Schenkungen

Fallstricke und Vorteile von Schenkungen diskutierte der auf Erbrecht spezialisierte Tübinger Rechtsanwalt Felix Barth in seiner Präsentation mit dem Titel „Mit warmen Händen geben“ . Ein gängiger Sinnspruch unter Juristen laute: „Der Vertrag ist gerade für die schlechten Zeiten.“ Zerstreite sich die Verwandtschaft nach erfolgter Schenkung, so könne sich der Schenker sein ehemaliges Eigentum nicht ohne Weiteres zurückholen, erklärte Barth.

Zudem gelten steuerrechtlich unterschiedlich gestaffelte Freibeträge in Abhängigkeit vom Verwandtschaftsgrad. Im Publikumsgespräch stellte der Rechtsanwalt heraus, dass insbesondere im Umgang mit Banken notariell beglaubigte Vollmachten die sicherste Form der Nachlassregelung darstellen, die etwaige Zweifel an der Urkundenechtheit ausräumen.

Eine Wohnung, die mitdenkt

Wer sich unter „smarten Technologien“ etwas vorstellen könne? Kaum eine Hand beantwortete Volker Kiesels Frage mit einem „Ja“. Der 43-jährige Inhaber eines Rottenburger Fachbetriebs für Elektrotechnik präsentierte Assistenz-Einrichtungen für altersgerechtes Wohnen. Von gut erreichbaren Nachrüst-Schaltern bis hin zur automatischen Herdabschaltung bei Rauchalarm reichten die elektronischen Helfer. Er selbst könne über sein Smartphone die elterlichen Rollläden steuern, sagte Kiesel, und verwies technisch Interessierte auf die Wohnberatung des Kreisseniorenrats und das Anschauungsmaterial im Tübinger Lebensphasenhaus.

Die Zeit nach dem Tod planen

Feuer- oder Erdbestattung, Grabstein oder Friedwald? Beim laut Christiane Hoyer „sensiblen Thema“ der Bestattungsvorsorge schien es einigen der Besucher unwohl zu werden. Damit Angehörige nicht auf Tausenden Euro spontan anfallender Bestattungskosten sitzen bleiben und die Begräbniszeremonien auch im Sinne der Toten verlaufen, rieten die Bestattermeisterin Nadia Oberste-Lehn und ihre Kollegin Celina Töllner des Tübinger Bestattungsdienstes „Rilling & Partner“ zu Treuhandkonto und Sterbegeldversicherung. Statt testamentarisch festgehaltener Bestattungswünsche seien informierte Angehörige sinnvoller, da das Testamentsinhalt meist erst Wochen nach dem Tod bekannt werde.

Hilfreich bei der Nachlass-Regelung sei generell ein zentraler Ordner, der Angehörige oder auch ein beauftragtes Bestattungsunternehmen über bestehende Verbindlichkeiten informiere, erklärten die Bestatterinnen. Digitaler Nachlass lasse sich inzwischen über spezielle „Formalitäten-Portale“ regeln.

Das eigene Haus als Rente

Das Haus ist mit seinen Besitzern alt geworden, teure Reparaturen stehen an, die Rücklagen reichen dafür nicht. So skizzierte Hans Moser einen klassischen Fall von finanzieller Bedrängnis, die ihm in 42 Jahren im Immobiliengeschäft kundenseitig begegneten. Das Modell der „Immobilien-Leibrente“ stellte der 69-jährige Vorstandsvorsitzende der Stuttgarter Garant Immobilien AG als komfortablen Ausweg aus dieser Misere vor. Ein Bezahlmodell, kein Finanzprodukt sei sie, betonte Moser.

Die Hausbewohner verkaufen dabei ihre zunächst durch Mosers Firma und anschließend durch Tüv oder Dekra auf ihren Wert geschätzte Immobilie an die Deutsche Leibrenten Grundbesitz AG. Sie kümmere sich fortan um den Erhalt des Gebäudes und sende Personal zu halbjährlichen Kontrollen. Ein Wohnrecht bis zum Lebensende und Geldzahlungen winkten hingegen den ehemaligen Eigentümern. Doch was geschieht im Falle einer Insolvenz der Deutschen Leibrenten Grundbesitz AG mit den Immobilien und ihren Bewohnern? Diese Frage konnte für das Publikum nicht zufriedenstellend beantwortet werden.

Gutes Leben im Alter

Tübinger Beratungsangebote für Ältere und ihre Angehörigen:

Der Stadtseniorenrat berät insbesondere zu rechtlichen Fragen. Telefon: 0 70 71/4 93 77, im Internet unter www.stadtseniorenrat-tuebingen.de

Der Pflegestützpunkt informiert in gesundheitlicher Hinsicht. Telefon: 0 70 71/9 64 66 46.

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Erstellt:
11. April 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
11. April 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. April 2019, 01:00 Uhr

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