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Die Tübinger Stadtwerke vergaben wieder 30000 Euro für regionale Umweltschutzprojekte
Die Jury mischte sich unter die Preisträger und alle zusammen freuten sich über die Erfolge der Umwelt-Projekte. Bild: swt/de Maddalena
Gleich zwei Preise für ein Papiertäschle

Die Tübinger Stadtwerke vergaben wieder 30000 Euro für regionale Umweltschutzprojekte

39 Vereine, Initiativen und Schulen haben sich um den zweiten Umweltpreis der Stadtwerke Tübingen (SWT) beworben. 15 wurden im Rahmen einer Unterhaltungsgala am Mittwoch im vollbesetzten LTT mit einem Geldpreis bedacht.

11.12.2015
  • Fred Keicher

Tübingen.Tue Gutes und rede darüber, schien das Motto des Abends gewesen zu sein. LTT-Schauspieler Patrick Schnicke, der Moderator des Abends, kündigte wie in einer Bingo-Show die Sensation des Abends an. „30000 Euro Fördergelder hauen die Stadtwerke Tübingen heute Abend auf den Tisch.“ Dem abwesenden Oberbürgermeister Boris Palmer galt sein besonderer Gruß nach Paris. Dort weilt der OB als Delegierter beim Weltklimagipfel. Schnicke hoffte sehr, „dass sie zu einem anständigen Ergebnis kommen“.

Andere Konzerne hätten ihre Kunden „berumst“, wandte sich der Moderator an SWT-Geschäftsführer Achim Kötzle, „wie haben es die SWT fertiggebracht, sauber zu bleiben?“ Auch die Stadtwerke wollten wachsen, sagte Kötzle, nicht im Bereich der Absatzmengen, sondern „mit mehr ökologischem Engagement, auf transparente und ehrliche Weise“. Mit-Geschäftsführer Winfried Kannenberg stellte fest, dass auch die großen Konzerne dabei seien, sich komplett umzubauen: „Für uns ist dieser Sprung gar nicht so groß.“

Umweltbewusstsein schaffen wollen die Stadtwerke auch mit ihrem Preis. Der wird in zwei Kategorien vergeben: Einmal wählt das Publikum aus allen Bewerbern – die zehn Projekte mit den meisten Stimmen bekommen ein Preisgeld. Und dann gibt es den Jurypreis – die vier Juroren nehmen jede Bewerbung unter die Lupe. In diesem Jahr vergaben sie den Hauptpreis an die Gundelfinger Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins, die mit Flüchtlingen als Helfern die Wacholderheiden gepflegt haben. Für diesen gleich zweifach guten Einsatz bekam die Gruppe 5000 Euro.

Der zweite Preis geht an „ein intelligentes schwäbisches Produkt“, wie Heinz Renz aus Holzgerlingen das Produkt seiner Aktionsgruppe vorstellte: „Das Täschle“ aus Papier soll die Plastiktüte ersetzen. Seine Gruppe „Mehrweg ohne Plastik“ hat es fertiggebracht, dass der Holzgerlinger Gemeinderat beschlossen hat, die Gemeinde langfristig plastiktütenfrei zu machen. TAGBLATT-Redakteur Sepp Wais von der Jury sagte, dass eine Billion Plastiktüten jährlich auf der Welt verbraucht würden. Das rechnete er flugs um: Es sei des Gewicht von 625000 VW-Golfs. Besonders lobte Wais: „Sie haben alle mitgenommen.“ Die Aktion habe sich umfassend vernetzt.

Mit dem Preisgeld über 3000 Euro für den dritten Platz kann das Tübinger Kinderhaus Casa KuTaNa seinen Garten „aufpimpen“. Der vierte Platz zeichnet das grüne Klassenzimmer der Kirschenfeldschule in Nehren aus. Und der fünfte ging an die Schwippe-Angler aus Dagersheim, die den Schwippebach renaturiert hat.

Das Publikum stimmte anders ab. Sein Lieblingsprojekt ist das von Cornelia Schäfer, die in Gomaringen einen Kinderbauernhof unterhält. Auf Pachtland hat ihr Vater eine Begegnungsmöglichkeit für Kinder mit Tieren geschaffen. Die Pacht ist abgelaufen, es steht der Kauf eines Hofes an. Kosten wird das 620000 Euro. „Wir fühlen uns von Gott in der Idee bestärkt“, sagte Schäfer. Das Preisgeld trägt 4000 Euro.

Bienen und Ziegen hält die Tübinger Freie Waldorfschule. Jetzt sollen Hühner dazukommen. Der zweite Preis mit 3000 Euro fließt in den Neubau eines Hühnerstalls, den die Schülerinnen und Schüler selbst mauern, sagte Gartenbaulehrer Jörg Moosmann. Er träumt von einem richtigen Schulbauernhof.

Müll hatten die Drittklässler der Grundschule Wendelsheim im Visier: Sie erarbeiteten einen Flyer, der die Mülltrennung ohne Worte erklärt, „für Leute die nicht lesen können“. 2000 Euro Preisgeld helfen jetzt dabei.

Die Astronomie AG des Progymnasiums Rosenfeld reichte ihre Projektbeschreibung in Gedichtform ein. Sie wollen künstliches Licht vermindern: fünfter Platz.

Auf den weiteren Plätzen mit Preisgeldern von 1000 oder 500 Euro sind die Reutlinger Eduard-Spranger-Schule zusammen mit dem Umweltbildungszentrum Listhof, die Nabu-Gruppe Mötzingen, die Uhlandschule Wurmlingen, der Förderverein Flederhaus Tübingen und die Werdenbergschule Trochtelfingen.

Einen unterhaltsamen Zwischenakt steuerte der Beatboxer RoBeat alias Robert Wolf aus Stuttgart bei. Der macht erstaunlich musikalische Geräusche nur mit Mund, Nase und Mikrophon. In fast abendfüllender Länge klamaukten sich „Der Schöne und das Udo“ bis zum Ende der Welt. Zum Schlussakt hatten sich die beiden Männer in Schwarz noch Chrysi Taoussanis im leuchtend roten Tüllkleid auf die Bühne geholt. Sie sangen ein Medley aus Weihnachtsliedern auf Katastrophe gebürstet: „Noch einmal werden wir wach, und dann heißt es schon gut Nacht.“

Die Jury schöpfte aus dem regionalen Ideenpool

Der regionale Ideenpool sei mitnichten erschöpft, sagte Achim Kötzle von den Stadtwerke, eines der vier Mitglieder der Jury, und kündigte für nächtes Jahr die dritte Runde des SWT-Umweltpreises an. Die anderen Mitglieder der Jury waren Sepp Wais, der als Umweltredakteur des Schwäbischen Tagblatts auch den TAGBLATT-Umweltpreis verantwortete, der von 1988 bis 2008 verliehen wurde. Nina Rühlig unterrichtet an der Rottenburger Forsthochschule Umweltschutz im weitesten Sinne. Bernd Schott ist Klimaschutzbeauftragter der Stadt Tübingen.

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11.12.2015, 01:00 Uhr
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