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Schimmelpilz-Suche mit dem Spürhund

Die Mayers setzen ausgebildete Spürhunde ein, um Schimmelpilze in Wohnungen und Häusern zu finden

Erst bekommt Josephine etwas zu trinken, denn mit einer feuchten Schleimhaut riecht es sich besser. Dann schreitet sie zum Einsatz. Sobald die Hündin ihr blaues Halstuch trägt, ist sie im Arbeitsmodus.

04.02.2017

Von Philipp Koebnik

Obwohl sich Emily noch in der Ausbildung befindet, hat sie die von Katharina Mayer (links) in der Kommode versteckte Schimmelprobe schon nach wenigen Augenblicken gefunden. Bild: Metz

Sprang sie eben noch wild umher, so erscheint sie jetzt konzentriert, aber auch etwas nervös. Zielstrebig läuft sie an Wänden und Schränken entlang, schnuppert und wedelt mit dem Schwanz. Nach etwa einer halben Minute legt sie sich vor einer Kommode hin, blickt zu ihrem Frauchen und deutet mit der Schnauze auf das Möbelstück.

Vor dem Hauskauf sucht der Hund

Josephine ist ein zertifizierter Schimmelspürhund. Mit ihrer feinen Nase findet sie verdeckten Schimmelpilzbefall in Wohnungen und Häusern. Josephines Arbeitgeber ist zugleich ihr Frauchen: Im Dezember hat Geschäftsführerin Katharina Mayer aus Kirchentellinsfurt gemeinsam mit ihrem Mann Sebastian die Firma „Schimmel-Suche“ gegründet.

Bislang gebe es deutschlandweit erst rund 50 dieser speziellen Spürhunde. Ihr Vorteil: Im Gegensatz zu einer Luftmessung, die nur einen Schimmelbefall feststellt, zeigen die Hunde mehr oder weniger genau an, wo es schimmelt. „Dadurch lassen sich überflüssige Probebohrungen vermeiden“, so Katharina Mayer.

Die Mayers haben zwei Labrador Retrievers: Josephine ist schwarz und fünf Jahre alt, Emily hat ein hellgelbes Fell und erst ein gutes Jahr auf dem Buckel. „Sie macht alles für Belohnung“, weiß Katharina Mayer. Die etwa einjährige Ausbildung im Ausbildungs- und Prüfzentrum für Schimmelspürhunde in Hambrücken (bei Karlsruhe) funktioniere genauso wie bei Drogen- oder Sprengstoff-Spürhunden. Allerdings: Nicht nur die Hunde, auch ihre Besitzer mussten einiges dazulernen, zum Beispiel über Bausubstanz, berichtet Katharina Mayer.

Bei Tieren ist es genauso wie bei Menschen: Je jünger sie sind, desto leichter lernen sie. Als die Mayers sich vor über einem Jahr dazu entschieden, einen weiteren Hund anzuschaffen, sei es die Leiterin der Tübinger Tierheilpraxis gewesen, die ihnen von den Schimmelspürhunden erzählte und ihnen nahegelegt habe, den neuen Hund sogleich in die Ausbildung zu schicken. Inzwischen hat Josephine die Ausbildung bestanden, Emily ist noch nicht ganz fertig – sie ist die jüngere der beiden.

Fünf Mal waren die Mayers mit ihren beiden Hündinnen bislang auf Schimmelsuche. Indes betreibt das Paar die „Schimmel-Suche“ nicht als sein Hauptgeschäft. Die 32-Jährige arbeitet als Übersetzerin für Russisch und Französisch. Ihr ein Jahr älterer Mann ist Immobilienkaufmann und Sachverständiger für Immobilienbewertung.

Bevor die Tiere zum Einsatz kommen, besprechen die Mayers mit ihren Kunden, ob es einen Wasserschaden gab oder ob sie gesundheitliche Probleme haben. So klagen manche über Asthma oder Allergien, die durch die Pilzsporen verursacht werden können. Sie holen sich die Spürhunde ins Haus, um herauszufinden, ob es irgendwo schimmelt. Andere wollen einen Schimmelbefall lokalisieren, um ihn wirksam bekämpfen zu können. Und wieder andere nutzen die Tiere, um vor einem Kauf zu prüfen, ob mit der Immobilie alles in Ordnung ist und der Eigentümer nicht etwa einen Schimmelschaden verheimlicht hat.

Sie kommen auch inkognito

„Manchmal kommen wir inkognito“, berichtet Katharina Mayer. Der Grund: Einigen ist der Spürhunde-Einsatz unangenehm – die Nachbarn sollen nicht wissen, dass es möglicherweise ein Problem mit Schimmel gibt. Das ist auch der Hauptgrund, weshalb das TAGBLATT nicht im richtigen Einsatz dabei war. Stattdessen zeigten die Mayers bei sich zu Hause, wie sie mit ihren Hundedamen einem Schimmelpilz zu Leibe rücken.

Zuerst ist der eine Hund an der Reihe. Der andere wartet währenddessen draußen, bevor auch er sich auf die Suche begibt. „Das ist dann sozusagen die Gegenprobe“, erklärt Katharina Mayer.

Josephine ist vergleichsweise ruhig bei der Arbeit. Emily dagegen ist ungestümer – aber schließlich ist sie ja noch jung. Als sie das Glas mit der Schimmelprobe aufgespürt hat, legt sie sich nicht hin, wie Josephine es tut, sondern kratzt aufgeregt an der Kommode. Als sie ihre Belohnung bekommt, ist sie vor Freude über ihren Erfolg völlig aus dem Häuschen und hüpft aufgeregt durchs Zimmer.

Während des Einsatzes sollten die Kunden aus Sicherheitsgründen ihre eigenen Haustiere woanders unterbringen. Katharina Mayer empfiehlt zudem, wertvolle Gegenstände vorübergehend sicher zu verstauen. Denn: „Wenn die Tiere bei der Arbeit sind, dürfen sie auch auf Betten und Schränke springen.“ Es könnte schließlich sein, dass es in der Nähe der Decke schimmelt. Nur wenn der Hund dann auf Möbel springen darf, kann er das Problem anzeigen.

„Wenn die Hunde zehn Minuten gesucht haben, sind sie für den Rest des Tages platt“, sagt Katharina Mayer. Und in der Tat: Kaum ist der Einsatz beendet, liegen die zwei, die eben noch so quirlig waren, ruhig auf dem Küchenboden. Statt eines Feierabendbiers begnügen sich die beiden Arbeitstiere mit etwas Wasser aus dem Napf.

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Erstellt:
4. Februar 2017, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Februar 2017, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Februar 2017, 01:00 Uhr

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