Vom Gießen des Zitronenbaums

Vom Gießen des Zitronenbaums

Ein Künstler verlässt seine Heimat Nazareth auf der Suche nach dem perfekten Ort. Doch die ganze Welt erscheint ihm verändert.

Vom Gießen des Zitronenbaums
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It Must Be Heaven
Katar, Deutschland, Kanada, Türkei, Palästinia 2019

Regie: Elia Suleiman
Mit: Elia Suleiman, Gael García Bernal, Tarik Kopty

102 Min. - ab 0 Jahren

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14.01.2020

Von Madeleine Wegner

Elia macht Augen und sagt kein Wort. Er sieht, wie sein Nachbar Zitronen vom Baum klaut. Er sieht eine Gruppe junger Männer mit Schlagstöcken in den Händen. Er sieht einen Mann mit purpur-blauem Auge. Er sieht, wie sich Vater und Sohn lautstark streiten. Vielleicht ist es Zeit, Nazareth für eine Weile zu verlassen?

Stumm erledigt der alternde Künstler, was noch zu erledigen ist. Er verkauft unnütz gewordene Dinge, dann packt er seinen Koffer. Und landet in Paris. Später in New York. Alle drei Städte scheinen sich nicht besonders stark voneinander zu unterscheiden. „Vom Gießen des Zitronenbaums“ (der Originaltitel „It Must Be Heaven“ ist ebenfalls bezeichnend) erzählt keine stringente Geschichte im herkömmlichen Sinne, sondern drappiert immer wieder Bilder neu.

Die menschenleeren Straßen und Plätze in Paris wirken ebenso surreal und dystopisch wie jene Szenen in Nazareth. „Das ist nicht palästinensisch genug. Das könnte ja überall auf der Welt spielen“, erklärt so auch wenig später ein Filmproduzent, der Elias‘ „lustigen Film über Palästina“ ablehnt. Der Film mit seinen eingefroren wirkenden Szenen und den spärlichen Dialogen wirkt dabei manchmal wie ein Comic-Heft: durchkomponierte Bilder mit kleinen Sprechblasen. Ob hervorragend choreografierte Verfolgungsjagd von Polizisten auf elektronischen Einrädern, durch Gedankenkraft schwebende Metall-Detektoren, ein anhänglicher Spatz oder Sanitäter mit Stewardessen-Vokabular: Solche skurrilen Situationen und mittendrin der Regisseur als eigenwillig stummer Protagonist erinnern an Jacques Tati, Buster Keaton oder auch François Truffaut.

Obwohl dieser Ansatz ungewöhnlich ist, nutzt er sich doch bald im Laufe des Films ab. Das betrifft auch den immer gleichen, ebenso staunenden wie ermüdeten Blick Suleimans, mit der er die Welt um sich herum registriert.

Definitiv ein außergewöhnlicher filmischer Ansatz und schon allein deshalb durchaus sehenswert.

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Erstellt:
14. Januar 2020, 21:55 Uhr
Aktualisiert:
14. Januar 2020, 21:55 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2020, 21:55 Uhr

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