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Tübingens Video-Arena

Völlig ballaballa, aber leider doch ganz geil

Drei Männer sitzen, einer steht in einem Schlauchboot. Eine Frau hängt auf Skiern hinten dran. Haie umlagern sie, die Situation scheint aussichtslos, die Tiere sind klar in der Überzahl. Im Pazifik? Im Philippinensee?

17.05.2019

Von Moritz Hagemann

So sah es aus an jenem Tag in der Tübinger Paul-Horn-Arena, als „Die Orsons“ aus ihr ihre Insel machten. Bild: Chimperator / Monica Menez

Nein, natürlich (wo auch sonst?), mitten in der Paul-Horn-Arena. In Tübingen. Wo die Wasserflächen sowieso schon knapp sind; wo es keine Haie (außer Miethaie) gibt, vielleicht mal ein Schlauchboot über den Neckar schippert, aber Menschen auf Skiern eher die Seltenheit sind.

Dass es die dargestellte Situation wirklich gab, davon zeugt ein Video auf Youtube. Es ist der neue Song der Hip-Hop-Gruppe „Die Orsons“, die unter den Fans des Genres durchaus zu den bekannteren der Republik zählt. Weil sie anders ist und Hip-Hop sehr eigen definiert. Völlig ballaballa oder leider doch irgendwie ganz geil – es wird verschiedene Meinungen zu dieser Darbietung geben. Sicher ist nur eins: „Viele haben gedacht, wir haben die Halle eingefärbt“, sagt Monica Menez dem TAGBLATT. „Die Halle ist so speziell, so etwas hab’ ich noch nie gesehen.“ Die Stuttgarter Regisseurin und Fotografin ist im Internet auf die Horn-Halle aufmerksam geworden und wollte dort nur die Pressefotos fürs neue Album „Orsons Island“ schießen.

Doch sie muss gedacht haben: Das Ding passt zu den vier verrückten Typen. Also wurde auch gleich ein Video gedreht, das in sechs Tagen bereits über 145 000 Mal angeschaut wurde. Vor etwa einem halben Jahr wurde ein Tag in Tübingen gefilmt, etwa 30 Personen seien damals dabei gewesen. Sie schmeißen im Video Popcorn über sich, reiten auf Plastik-Insekten über die Tribüne oder stecken sich acht Zigaretten auf einmal in den Mund. Wer’s mag...

Der Stuttgarter Maeckes, Bartek (Plan B), der Reutlinger Tua und Kaas, wie die vier Rapper sich nennen, besingen in ihrem Song „Grille“ jedenfalls ihr neuestes Ritual: die Microparty, bei der sie zehn Minuten in einem Club feiern – und dann weiterziehen in die nächste Stadt. Passend, dass die erste Microparty im Club „Grille“ in Münster gefeiert wurde, und die Grille, „die den ganzen Sommer über singt und musiziert“, wie die Band auf ihrer Homepage schreibt, „für unbekümmerte Lebenslust“ steht.

Das ist schräg. So schräg wie das Video. So schräg wie die Klamotten darin. So schräg wie der Songtext. In dem „der Pegel steigt wie die Steuerlast“, die Protagonisten „mit Betrügern und Prostituierten“ tanzen und sich „irgendwas mit Kerosin“ mixen. Ein Fan schrieb unter den Clip: „Macht mal bitte ein zweistündiges Erklärvideo dazu.“ Gute Idee, das braucht’s!

Hauptsache wild, Hauptsache abgefahren, Hauptsache anders. Das scheint anzukommen im heutigen Musikbusiness. Sie wollen liebenswerter rüberkommen als die sogenannten Gangsterrapper, sie benutzen lieber Gummipistolen als echte Revolver, sind so etwas wie die Rabauken der Liebe. Da passt die Farbe rosa! Ganz so, wie Menez und Maeckes es sich dachten.

In der Szene ist das Video alleine deshalb von Interesse, weil es Gerüchte über eine Trennung der 2007 gegründeten Band gab. Und das, obwohl sie ihr zweites Album einst „(...) Die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons“ nannten. Und die Pressestimmen über „der beste deutsche Liveakt nach Michael Wendler“ (Schlagersänger, man muss ihn nicht kennen), über „der größte Hype seit den Beatles“ (die sollte man kennen) bis hin zu „absolute Vollspasten“ (darüber muss jeder selbst entscheiden) gingen.

Übrigens: Der Manager der Orsons ist Sebastian Schweizer vom Stuttgarter Label „Chimperator“ – ein Tübinger. Jetzt ist die Halle seiner Heimatstadt wenigstens auch Nicht-Basketball- und Nicht-Volleyball-Fans ein Begriff. Und jetzt wird’s Sommer: Zeit für einen Ausflug ans Meer!

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Erstellt:
17. Mai 2019, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Mai 2019, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 12:00 Uhr

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