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Zur Lehre in der Regionalliga
Im vergangenen Sommer war Chinas U 21 (in Rot) schon einmal zu Gast in Baden-Württemberg und musste sich unter anderem mit 1:3 dem Oberligisten SGV Freiberg geschlagen geben. Foto: Imago
Fußball

Zur Lehre in der Regionalliga

Heute beginnt Chinas U 20-Auswahl ihre Serie an Testspielen. Es ist ein erster Schritt, um dem Staatspräsidenten einen großen Wunsch zu erfüllen.

18.11.2017
  • GEROLD KNEHR

Mainz. Ab morgen blickt die Fußball-Regionalliga Südwest nicht mehr nur nach Hessen, Rheinland-Pfalz, ins Saarland oder nach Baden-Württemberg, den Bundesländern, aus denen sich die 19 Vereine rekrutieren. Nun reicht der Regionalliga-Horizont bis nach Fernost. Denn heute beginnt die Serie der Freundschaftsspiele der am jeweiligen Spieltag spielfreien Mannschaft gegen die U-20-Auswahl Chinas.

Um zu verstehen, was hinter den asiatischen Gastspielen in der Regionalliga steckt, muss man etwas weiter ausholen. Chinas mächtiger Staatspräsident Xi Jinping ist begeisterter Fußball-Fan. Sein sehnlicher Wunsch ist es, dass sein „Reich der Mitte“ bis spätestens 2050 Fußball-Weltmeister wird. Dafür wird viel Geld investiert. Die chinesische Liga lockt ausländische Profis wie den Argentinier Carlos Teves, der bei Shanghai Shenua mehr als 500 000 Euro pro Woche verdienen soll. Doch das große WM-Ziel ist weit entfernt. China scheiterte in der Qualifikation für die WM 2018 als Gruppenfünfter an Teams wie Usbekistan und Syrien. Chinas Nachwuchsfußballer können sich im Aktivenbereich nicht behaupten.

Quartier in Thüringen

Westliche Politiker und Fußball-Funktionäre wissen um den sportlichen Ehrgeiz des chinesischen Staatspräsidenten. Mit dem Thema Fußball ist Xi Jinping immer zu packen. Die Bundesregierung und der DFB haben mit China im November 2016 einen Grundlagenvertrag geschlossen. Es folgte eine Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Fußball-Verbänden. „Wir wollen mit unserer Expertise unseren chinesischen Freunden beim Auf- und Ausbau von Strukturen im Bereich des Fußballs helfen“, erklärt DFB-Präsident Reinhard Grindel den Deal. Im Gegenzug erwarten sich die deutsche Wirtschaft und der Sport einen besseren Zugang zum chinesischen Markt. Allein für die Fußball-Fernsehrechte in China kann der deutsche Profifußball 250 Millionen Euro erwarten. Der Fußball als Türöffner.

Vor einer Woche hat eine fast 50-köpfige Delegation Quartier in Teistungen, einem thüringischen 2500-Einwohner-Dorf an der niedersächsischen Grenze, bezogen – weit weg von den Regionalliga-Spielstätten. In der Rückrunde bestreitet Chinas U-20-Auswahl gegen jeweils den Regionalligisten, der spielfrei ist, ein Testspiel. Das Team von Trainer Sun Jihai und Betreuer Jiayi Shao, die einst Profis bei Manchester City und 1860 München waren, will Erfahrungen sammeln für Olympia 2020 in Tokio.

Dass Chinas U-20-Debüt heute (14 Uhr) ausgerechnet beim TSV Schott Mainz beginnt, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Der Namensgeber des Vereins, die Schott AG, ein Unternehmen mit zwei Milliarden Euro Jahresumsatz, hat gerade in China eine neue Produktionsstätte für Pharmaverpackungen eröffnet. Dietmar Hopp, Mäzen von 1899 Hoffenheim und Mitbegründer des Software-Unternehmens SAP, berichtet von vielversprechenden Aufträgen aus dem chinesischen Sportbereich. Dass die U 20 im Südwesten spiele, habe „auch mit den Standorten der TSG und SAP zu tun“.

Im Vergleich dazu erhalten die 16 Regionalligisten, die gegen die U 20 antreten, vom chinesischen Verband die bescheidene Summe von 15 000 Euro pro Spiel. TuS Koblenz, die Stuttgarter Kickers und der SV Waldhof beteiligen sich nicht zuletzt wegen der Fan-Proteste nicht an der Serie. Organisierte Anhänger werfen dem DFB eine Kommerzialisierung des Fußballs und fehlende Transparenz vor. Es könnte zu Protesten kommen. Die ironisch abgewandelte Fußball-Hymne „You'll never wok alone“ könnte noch die harmloseste Form sein.

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18.11.2017, 06:00 Uhr
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