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Unternehmen

X-zellent

Ulrich Zeltwanger hat als Ein-Mann-Betrieb mit einer gebrauchten Fräsmaschine in einem Keller in Dußlingen angefangen. Drehen, Fräsen, Schweißen – das hatte der heute 66-Jährige damals gelernt. Mittlerweile besteht die Zeltwanger-Gruppe aus sechs operativen Unternehmen und der Holding und beschäftigt weltweit rund 400 Mitarbeiter, inklusive 42 Azubis.

29.03.2019

Von Simone Maier

Eine klare Sprache spricht die Architektur des neuen Zeltwanger-Büro- und Produktionsgebäudes im Tübinger Industriegebiet Au-Ost. Bild: Zeltwanger

Das neueste „Baby“ der Zeltwanger-Gruppe liegt in der Jopestraße in Tübingen: Es ist ein lichtdurchfluteter, moderner Büro- und Produktionskomplex, in den knapp 16 Millionen Euro investiert wurden. Über 8000 Quadratmeter Fläche sind entstanden, auf denen sich im Kellergeschoss eine stylishe, gemütliche und kommunikative Kantine befindet, mit Platz für über 120 Mitarbeiter. Im Erdgeschoss ist die große neue Produktionshalle, in der die Fertigung der teilweise streng geheimen Maschinenbauteile stattfindet. Hier stehen Maschinen, von denen es weltweit nur ein paar wenige gibt. So thronen zwei riesige, rund 56 Tonnen schwere Kolosse zur hochgenauen Großteilebearbeitung auf einem Sockel. Je 1,5 Millionen Euro kosten die Schwergewichte. Der Gang durch die Produktionshallen ist imposant, zumal Bestandsgebäude und neue Halle harmonisch verbunden sind. Einzig die Höhe lässt erahnen, dass man sich im neuen Trakt befindet. Es herrscht geschäftiges Treiben – mit fast 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mehr als 50 modernen CNC-Maschinen werden hochpräzise und komplexe Bauteile erschaffen. Dann geht es in das Obergeschoss des neuen Zeltwanger-Gebäudes. Anstatt kleiner Fenster ist auch hier die komplette Fassade verglast und gibt den Blick auf die grünen Wiesen der kleinen Esch und die Höhen des Österbergs frei. Hier sind offene Büros, Schulungsräume und zwischendurch immer mal wieder ein gemütliches Vitra-Sofa zur Kommunikation. Allesamt haben den freien Blick in die Natur.

„Ich brauche Menschen, die »wetterfest« sind. Bei Sonnenschein kann jeder gut regieren.“ Ulrich Zeltwanger, Geschäftsführender Gesellschafter. Bild: Zeltwanger

Vom klassischen Zulieferer
zur Hightechschmiede

„Mit jedem eigenen Unternehmen Technologie- und Innovationsführer sein, das ist unser Maßstab“, so Ulrich Zeltwanger. Der Umsatz der Zeltwanger-Gruppe macht jährlich große Schritte. Waren es 2017 noch rund 48 Millionen Euro und 2018 bereits 57 Millionen, so peilt Zeltwanger 2019 einen Umsatz von 72 Millionen Euro an.

Das Zeltwanger-Steckenpferd ist der Maschinenbau: Über dreißig Jahre Erfahrung im Bereich der Präzisionsfertigung, das zahlt sich aus. Heute ist das Unternehmen die Nummer eins als Premiumlieferant von Fertigungstechnologie. Und dabei ist Maschinenbau nur eine von mehreren Sparten. Es gibt noch Zeltwanger Automation und Zeltwanger Dichtheitsprüfung, außerdem Standorte in Tschechien und den USA.

Auch wenn Ulrich Zeltwanger eine eigene Meinung zum Thema Elektro-Mobility hat, so ist es ein großes Thema für das Unternehmen. In seinen Augen ist noch keine vernünftige Infrastruktur vorhanden, um das Thema generell zum Laufen zu bringen. Ein vernünftiger Mix der vorhandenen Antriebslösungen wäre für ihn richtiger. „Auch wenn wir alles auf E-Mobility ausrichten, wird es noch lange andere Antriebsarten geben“, so Zeltwanger. Dennoch sind die wegweisenden Themen wie autonomes Fahren, Brennstoffzelle, E-Mobility für ein schwäbisches Top-Unternehmen alles wichtige Themen. Federführend für die weitere Entwicklung des Themas, für den Fortschritt bei Industrie 4.0 und von Zeltwanger auf der Agenda ganz oben angesiedelt ist die hauseigene X-Cell. Sie ist so etwas wie eine Rundum-Sorglos-Lösung für die Werkzeugmaschinenbeladung doch gleichzeitig ist sie auch die Plattform für alle Laser- und Roboter-Anwendungen und für die Dichtheitsprüfung. Ein Allround-Talent für die Produktion der Zukunft also. Die roboterbasierte, freistehende Handlings-Zelle ist passend für jede Werkzeugmaschine und lässt sich in jede Produktionsanforderung schnell integrieren. In anderen Worten: Mit der X-Cell können die Systeme untereinander kommunizieren, sie versorgt 24/7 mehrere Maschinen mit Rohmaterial. Das Maschinenkonzept im kompakten Design ist auf Kernprozesse wie Laserschweißen, Laserbeschriften, Dichtheitsprüfung oder Werkzeugmaschinenbeladung ausgelegt und individuell erweiterbar. Aufgrund des modularen Aufbaus gelingt die Anpassung an Werkstückgrößen oder Prozessanforderungen mühelos.

Durch die Verknüpfung mit seiner Kernkompetenz in der Dichtheits- und Funktionsprüfung bietet Zeltwanger ein allumfassendes Leistungsspektrum: „Die Kombination von Automation und Dichtheitsprüfung, wie wir sie bieten, ist in der Branche einzigartig!“ so Ulrich Zeltwanger.

Mitarbeiter first

„Ich habe hier nur ein Samenkorn gelegt. Das Eigentliche passiert nach mir“, so ein besonnener Ulrich Zeltwanger. Der Chef selbst legt allergrößten Wert darauf „in junge Menschen zu investieren.“ Die Aus-und Weiterbildung seiner Mitarbeiter liegt ihm sehr am Herzen, was zum einen an den über 40 Auszubildenden zu sehen ist. Zum anderen hat Zeltwanger Studenten der Dualen Hochschule an Bord, die dann auch gerne ihre Bachelor- oder Master-Arbeit im Unternehmen schreiben. „Es muss einfach auch eine gewisse Fehlerfreudigkeit möglich sein. Nur so lernt man was“, ist sich Zeltwanger sicher. „Bei Sonnenschein lässt sich leicht regieren. Ich brauche auch wetterfeste Mitarbeiter.“ Die Anzahl der Mitarbeiter wächst kontinuierlich. 2017 wurden 55 neue Mitarbeiter eingestellt, 2018 auch 55, bleibt abzuwarten, wie viele neue Mitarbeiter es Ende 2019 sein werden. Das interne Wachstum und interne Veränderungen sind für den Unternehmenschef gesetzt. „Es ist viel im Fluss, aber das ist ja auch gut so. Die Arbeit wird uns jedenfalls nie ausgehen“, schmunzelt Zeltwanger. Aber wie so oft im Leben gilt hier auch das Motto „von nichts kommt nichts“ und so gehen die Personaler von Zeltwanger regelmäßig auf Ausbildungsmessen, sind an Hochschulen und auch in Fachzeitschriften präsent. Das Zeltwanger-Credo „Freude, Freiheit, Harmonie“ liegt Ulrich Zeltwanger sehr am Herzen. „Freude“, so Zeltwanger, hat man letztlich nur, wenn alle die Freiheit haben, den Weg zum Ziel selbst zu finden. Und dies in einer harmonischen Atmosphäre der Achtung und des Respekts.“

Die Vorstellung vom Chef, der heimlich durchs Fenster späht, ob der Laden auch läuft, hat er so ganz und gar nicht. Deshalb sind ihm auch flache Hierarchien innerhalb der Firma wichtig. „Ein verstaubtes Unternehmen zieht keine kreativen, verantwortungsvollen Menschen an“, ist sich Zeltwanger ganz sicher. Die Stimmung in der Mannschaft und sein Erfolg geben ihm Recht.

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Erstellt:
29. März 2019, 07:40 Uhr
Aktualisiert:
29. März 2019, 07:40 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. März 2019, 07:40 Uhr

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