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Wo der Hauptfeind steht
Bei der Kundgebung zum Antikriegstag auf dem Tübinger Holzmarkt lieh Betül Yilmaz (links) ihre Stimme kurdischen Kriegsopfern. Bild: Faden
Antikriegstag

Wo der Hauptfeind steht

Gedenken zum Beginn des Zweiten Weltkriegs zieht die Verbindung zwischen Krieg und Flucht.

02.09.2017
  • Mario Beißwenger

„Hört ihr die Stimmen?“ Diese Frage von Betül Yilmaz war wohl die berührendste bei der Kundgebung zum Antikriegstag gestern auf dem Tübinger Holzmarkt. „Ich bin die Stimme einer Zehnjährigen, die von einem türkischen Scharfschützen ermordert wurde“, sagte die Vertreterin der Akademiker für den Frieden, der es vor allem um die kurdischen Opfer der türkischen Armee ging.

Sie wetterte gegen deutsche Rüstungsfirmen, geißelte die Lobbyarbeit dort von früheren deutschen Spitzenpolitikern und verlangte, dass die Türkei nicht weiter mit deutschen Waffen beliefert wird. In diesem Punkt waren sich wohl alle einig, die am Freitagnachmittag zwischen 17 und 18 Uhr zu Wort kamen.

Doch es gab auch Unterschiede im linken Antikriegs-Spektrum. Lothar Letsche von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) etwa relativierte die Besetzung der Halbinsel Krim durch Russland als eine Korrektur „einer einsamen Entscheidung 1954 von Chrustschow“. Claudia Lenger-Atan von der marxistisch-leninistischen MLPD dagegen benannte Russland als neuen Imperialisten. Hauptkriegstreiber seien zwar die USA, doch Russland gehöre keineswegs zu den „guten Imperialisten“.

Der Hauptfeind stehe aber im eigenen Land, so Lenger-Atan. Womit sie bei Paul Rodermund von der Deutschen Kommunistischen Partei Anklang fand. Er forderte unter anderem die Schließung der wichtigsten amerikanischen Militärbasen in Deutschland. Er verlangte auch den Abzug der etwa 500 Bundeswehrsoldaten aus Osteuropa. Womit er anschlussfähig war an die Linken-Bundestagsabgeordnete Heike Hänsel, die das Gleiche einforderte und zudem noch den Rückzug Deutschlands „aus den militärischen Strukturen der Nato“.

Hänsel zog als Entwicklungspolitikerin auch die anschaulichste Linie von Rüstungsausgaben zu Fluchtursachen. Halte sich eine neue deutsche Regierung an das Nato-Ziel, zwei Prozent des Inlandsprodukts in den Militärhaushalt zu stecken, würde Deutschland dafür 2024 70 Milliarden Euro ausgeben. Die Lösung der größten aktuellen Hungerkatastrophe, die in Ostafrika, würde dagegen nur 4,5 Milliarden kosten.

Vertreterinnen des Frauenverbandes Courage nutzten das Forum, auf frauenspezifische Fluchtursachen aufmerksam zu machen. Dass geflohene Afghaninnen womöglich wieder in ihr Land zurückgeschickt werden oder überhaupt Frauen, die aus Scham nicht angeben können, dass sie vergewaltigt wurden, nicht als Flüchtlinge anerkannt werden, nannte Noemi Ostertag „programmierte Kriminalität“.

Die Moderation hatte Henning Zierock von der Gesellschaft Kultur des Friedens. Sein Hinweis mit Blick auf die Bundestagswahl: „Wir sollten unsere Stimme nicht nur abgeben, sondern auch erheben.“

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02.09.2017, 01:00 Uhr
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