Digitalwährung

Wege zum Kauf von Bitcoins

Auch wenn das Krypto-Geld mal zurückfällt: auf lange Sicht hat es extrem zugelegt. Aber wie lässt es sich erwerben?

18.01.2021

Von Jürgen Lutz

Foto: Jolygon/Shutterstock.com

Die Nachricht schlug im Oktober ein wie eine Bombe: Der Online-Zahlungsdienstleister Paypal ermöglicht seinen 360 Millionen Kunden, die Käufe und Verkäufe künftig in Bitcoin abzuwickeln. Zunächst allerdings nur in den USA. Zudem lässt sich diese und andere Krypto-Währungen im Paypal-Konto künftig in einer digitalen Brieftasche („Wallet“) aufbewahren. Dem Bitcoin verhalf dieser Adelsschlag zu einem rasanten Anstieg.

Doch nicht nur Paypal, auch andere Faktoren treiben den Bitcoin-Kurs – der allerdings auch immer mal wieder absackt. „Als Zahlungsmittel auf Basis der Blockchain ist der Bitcoin immun gegen die ausufernde Geldmengenausweitung. Das unterscheidet ihn in Zeiten der Corona-Krise sehr deutlich von Euro und Dollar“, sagt Thomas Neumann von der bestadvice Vermögenstreuhand. Eine Blockchain ist eine verteilte, öffentliche Datenbank, der Bitcoin letztlich nur ein Eintrag in ein elektronisches Register.

In der Tat haben westliche Notenbanken ihre Zentralbank-Geldmengen seit Frühjahr 2020 erheblich ausgeweitet, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzumildern. So kletterte diese in den USA um 25 Prozent von 4 auf 5 Billionen Dollar. „Das ist der stärkste prozentuale Anstieg in der Geschichte der US-Notenbank“, so Neumann.

Eine solche Ausweitung ist beim Bitcoin und bei anderen Krypto-Währungen, etwa Ethereum und Litecoin, nicht möglich. Im Gegenteil: „Die Erfinder des Bitcoins haben mit der Limitierung auf maximal 21 Millionen Stück von vornherein einen Inflationsschutz eingebaut“, sagt Julian Kampmann von der Privaten Vermögensverwaltung PVV. Neue Bitcoins entstehen nur, wenn leistungsfähige Rechner geschäftliche Transaktionen in dem öffentlich einsehbaren Kontenbuch der Blockchain bestätigen und auf diese Weise einen neuen Block schaffen – ein Prozess, der in der Fachwelt als Mining oder Schürfen bezeichnet wird. Das Verhältnis des Bitcoin-Kurses zu den gesetzlichen Zahlungsmitteln folgt dem Grundsatz der Preisbildung an der Börse.

Die Bitcoin-Belohnung für das Mining wird halbiert, wenn 210 000 neue Blocks entstanden sind. Dieser Prozess wird als Halving bezeichnet. Im Mai 2020 kam es zum dritten Halving seit dem Start des Bitcoins im Jahr 2008. „Wir beobachten, dass das Halving den Bitcoin-Preis stützt oder sogar deutlich steigen lässt. Das war 2012, 2016 und auch 2020 so“, sagt Kampmann. Das ist auch nachvollziehbar, denn: Halbiert sich die Ausschüttung, werden die vorhandenen Bitcoins relativ wertvoller, da die Miner doppelt so viel leisten müssen, um so viele Bitcoins zu erhalten wie zuvor.

Für welche Anleger eignen sich Investments in Bitcoins & Co? Investoren müssen auf jeden Fall erhebliche Kursschwankungen von bis zu 10 Prozent am Tag aushalten können. Wer das nicht kann, sollte von den Digital Coins die Finger lassen. „Das setzt voraus, dass man nur einen sehr überschaubaren Teil des Vermögens in Krypto-Währungen investiert. 5 Prozent stellen für die meisten Anleger sicher die Obergrenze dar. Für Risikobereite können es bis zu 10 Prozent sein“, sagt Vermögensprofi Neumann.

Geschäftsführer Thomas Neumann lobt Vorteile von Bitcoin. Foto: privat

Ein Buch mit sieben Siegeln ist für die meisten die Frage, wie sie anlegen können. Im Prinzip stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl: ein Direkt-Investment in Bitcoin & Co, der Kauf einer besicherten Exchange Traded Note beziehungsweise eines nicht besicherten Zertifikats auf einen Krypto-Basiswert oder der Aktienkauf von Unternehmen, die in diesem Geschäft ihr Geld verdienen. Wenig bekannt, aber unter Umständen sehr rentabel, sind Firmen, die mit Blockchain-Technologie ihr Geld verdienen.

Ähnlich wie im Goldrausch dürften auch dieses Mal weniger die kleinen Goldschürfer reich werden als vielmehr jene, die die Infrastruktur zur Verfügung stellen, den Handel ermöglichen oder selbst eine Größe im Mining-Business sind. Aber: „Solche Aktien sind hochspekulativ. Anleger sollten diese Papiere nur anfassen, wenn sie mit Trading und Stop-Loss-Techniken Erfahrung haben und die Börse eng beobachten“, sagt Kampmann. Mit Stop-Loss wird ein Verkauf – etwa auch von Aktien – eingeleitet, wenn ein festgelegtes Limit erreicht oder unterschritten wird und wenn der Wert zu niedrig für einen Verkauf scheint.

Anleger, die Bitcoins & Co. kaufen möchten, können dies etwa über den Handelsplatz bitcoin.de tun. Dabei werden nicht die digitalen Währungen selbst, sondern Anteilsscheine ähnlich wie bei konventionellen Währungen gekauft und verkauft. Verwahrt und gehandelt werden die Bitcoins in diesem Fall von der Börsenplattform. Wer dies nicht will und seine Bitcoins lieber „zu Hause“ haben möchte, braucht ein sogenanntes Wallet, das auf dem heimischen Computer oder dem Smartphone installiert und geschützt werden muss. In diesem Bereich gibt es etliche Anbieter. Auf bitcoin.org etwa werden Anfänger und Fortgeschrittene in Sachen Bitcoin bei der Auswahl einer digitalen Brieftasche beraten. Ist das Wallet installiert, lassen sich Digitalwährungen kaufen und nutzen.

Drei Anbieter haben inzwischen besicherte Exchange Traded Notes (ETN) auf den Bitcoin emittiert. Dazu gehören die britische Firma HANetf mit dem BTC etc Bitcoin Exchange Traded Crypto (DE000A27Z304) sowie das schweizerische Unternehmen 21shares und dem 21short Bitcoin ETP (CH0454664001). Der Jüngste im Bunde ist der VanEck Vectors Bitcoin ETN (DE000A28M8D0). Alle drei Produkte sind komplett durch Bitcoin besichert. Da die Konkurrenz noch gering ist, sind die Gebühren mit jeweils 2 Prozent per anno für ein ETF-ähnliches Produkt recht üppig.

Darüber hinaus gibt es nicht besicherte Zertifikate wie das Open End-Partizipationszertifikat auf Bitcoin von der Bank Vontobel (DE000VL3TBC7) mit einer jährlichen Verwaltungsgebühr von 1,5 Prozent. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Inhaberschuldverschreibung, die bei einer Pleite des Emittenten schlimmstenfalls wertlos verfallen könnte.

Zu den Unternehmen aus dem Blockchain-Bereich gehören die Bitcoin Group (Deutschland), die unter bitcoin.de eine etablierte Handelsplattform für digitale Währungen betreibt. Riot Blockchain (USA) und HIVE Blockchain Technologies (Kanada) haben sich als Unternehmen auf das Mining von Digitalwährungen spezialisiert, wobei HIVE nach eigenen Angaben das einzige börsennotierte Unternehmen ist, das Ethereum schürft. (mit vt)

Hohe Schwankungsanfälligkeit

Es ist ein Bild, an das sich Bitcoin-Anleger gewöhnt haben dürften: Auf extreme Kursanstiege folgt oft ein herber Einbruch. Nach einem starken Kursanstieg am Donnerstag hat die Digitalwährung Bitcoin am Freitag massiv verloren. Die nach Marktwert mit Abstand größte Kryptowährung macht damit ihrem wankelmütigen Ruf alle Ehre. Am Freitag fiel der Bitcoin-Kurs auf der Handelsplattform Bitstamp um fast 5000 Dollar auf weniger als 35 000 Dollar. Damit wird einmal mehr die behauptete Absicherungsfunktion des Bitcoin in Frage gestellt. Anhänger meinen, in der Digitalwährung ein Instrument gegen Kursverluste an den Aktienmärkten gefunden zu haben. - dpa

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Erstellt:
18. Januar 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Januar 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2021, 06:00 Uhr

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