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Vaterschaftstest: Tübinger Amtsgericht verurteilt 35-Jährigen wegen versuchten Betrugs
Symbolbild: liveostockimages - Fotolia
Um die eigene Familie gefürchtet

Vaterschaftstest: Tübinger Amtsgericht verurteilt 35-Jährigen wegen versuchten Betrugs

Ein nicht alltäglicher Fall beschäftigte am Montag das Amtsgericht Tübingen: Richter Lutz Epple verurteilte einen Stuckateur aus Herrenberg wegen versuchten Betrugs und wegen des Missbrauchs von Ausweispapieren zu einer Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro.

07.03.2017
  • dhe

Der 35-Jährige hatte so lange bestritten, Vater eines mittlerweile zweijährigen Kindes zu sein, dass ihn das Familiengericht zu einem humangenetischen Abstammungsgutachten verdonnerte. Doch beim vereinbarten Termin tauchte der Mann nicht auf. Stattdessen schickte er einen bisher Unbekannten, dem er die eigenen Ausweispapiere mitgegeben hatte.

Staatsanwältin Anne Vintzke sah das Motiv des Angeklagten so: „Er stritt die Vaterschaft zunächst ab, um Unterhaltsverpflichtungen zu entgehen.“ Vintzke hatte 140 Tagessätze zu jeweils 20 Euro gefordert. Denn sie machte eine „erhebliche kriminelle Energie“ bei dem Mann aus, der die Tat sorgfältig geplant habe.

Angesichts der finanziellen Notlage des Angeklagten hielt dessen Verteidiger jedoch 90 Tagessätze zu jeweils 15 Euro für ausreichend. „Er handelte in einer Notsituation“, sagte der Verteidiger. „Er hatte Angst, seine Lebensgefährtin und seine Tochter zu verlieren.“

Der 35-Jährige entschuldigte sich zunächst „für die ganzen Umstände“, die er gemacht habe und räumte alles ein. Im Moment arbeite er nicht, wolle aber im April wieder anfangen, so der Angeklagte. Er wohnt mit seiner Lebensgefährtin und einem gemeinsamen Kind zusammen.

Das Paar erwartet derzeit ein zweites Kind. Die Familie wird von den Eltern des Mannes und dessen Schwager befristet mit jeweils 500 Euro pro Monat unterstützt. Unterhalt für das andere Kind zahlt der Angeklagte derzeit nicht.

In der Zeit seiner Beziehung mit der anderen Frau war er schon mit seiner Lebensgefährtin zusammen, berichtete der 35-Jährige. „Dann sind die gleichzeitig schwanger geworden. Dann habe ich das irgendwie versteckt. Das war dumm von mir.“

Auch der Richter sah beim Angeklagten eine erhebliche kriminelle Energie: „Dass man da jemand zum medizinischen Sachverständigen zum Vaterschaftstest schickt, mit den eigenen Ausweispapieren.“

Er rügte, dass sich der 35-Jährige der Verantwortung für das Kind einfach entzogen habe. „An der Vaterschaft für ein Kind hängt ja ein ganzes Leben dran.“

Dass sich der Angeklagte in einer Zwickmühle befunden hat, glaube er schon, sagte Epple. Er wolle ja nicht moralisieren, bemerkte aber: „Wenn man ein Kind in die Welt setzt, muss man zu den Konsequenzen stehen.“ Dennoch setzte der Richter die von der Staatsanwältin geforderte Geldstrafe herab. „Man muss bedenken, was dem Angeklagten momentan zur Verfügung steht.“

Das Darlehen der Verwandten gebe es nicht auf Dauer. „Die Lebensgefährtin arbeitet auch nicht. Man muss den Angeklagten wie einen Sozialleistungsempfänger behandeln“, argumentierte Epple. Für den Angeklagten spreche sein Geständnis – und dass er mittlerweile zu seiner Tat stehe.

Der 35-Jährige hat 200000Euro Schulden, nachdem sein Stuckateurbetrieb, ein Einzelunternehmen, 2015 Insolvenz anmelden musste. „Er hat das eigene Haus verloren“, sagte der Verteidiger. Im vergangenen Jahr habe der Mann nochmals versucht, den aktuellen Bauboom zu nutzen und wieder ein eigenes Geschäft aufzuziehen, so der Verteidiger. Es habe nicht geklappt, weil der Bruder des Angeklagten, der früher mit ihm gearbeitet hat, nicht mitzog. „Seither sucht er eine Stelle.“

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07.03.2017, 01:00 Uhr
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