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Tübinger Biotechfirma Curevac entwickelt mit Gates-Stiftung neuartige Impfstoffe
Curevac-Forschung im Technologiepark: Bis ein neues Medikament auf dem Markt ist, vergehen oft viele Jahre. Bild: Curevac
Schneller gegen Influenza und Malaria

Tübinger Biotechfirma Curevac entwickelt mit Gates-Stiftung neuartige Impfstoffe

Curevac soll im Auftrag der Bill & Melinda Gates-Stiftung neuartige Impfstoffe gegen Influenza und Malaria entwickeln. Die Gates-Stiftung wird beide Programme finanzieren, gab das Tübinger biopharmazeutische  Unternehmen am Dienstag bekannt.

13.02.2018
  • Volker Rekittke

Um einen Impfstoff zu entwickeln und ihn bis zur Marktreife zu bringen, müssen etwa 100 Millionen Euro investiert werden. In Tübingen investiert Gates nun schon in vier Impfstoffe: gegen das Rotavirus, die Maul- und Klauenseuche und nun auch gegen Influenza und Malaria.

Von neuartigen Impfstoffen gegen Influenza und Malaria „könnte ein Großteil der Weltbevölkerung profitieren“, so Ingmar Hoerr, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender der Curevac AG. Die in Tübingen entwickelte mRNA-Technologie ermögliche „eine kosteneffiziente und schnelle Impfstoffherstellung“ (siehe Kasten). Und Geschwindigkeit ist gerade bei der Influenza entscheidend. Der für den aktuell verbreiteten Grippevirusstamm H3N2 vorgesehene klassische Impfstoff wurde bereits seit dem vergangenen Frühjahr langwierig in Hühnereiern produziert. Derweil mutierten die Grippeviren: Die Wirksamkeit der in den Hühnereiern hergestellten H3N2-Impfstoffe ist deshalb nicht mehr voll gewährleistet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich 290.000 bis 650.000 Menschen an Influenza sterben.

Curevac arbeitet bereits an der Entwicklung eines saisonalen Grippe-Serums gegen aktuell zirkulierende Influenza-Stämme, das dank mRNA-Verfahren deutlich schneller als das bisherige produziert werden könnte. Hoerr: „Wir sind in der präklinischen Entwicklung und treten demnächst in eine Phase-I-Studie mit Patienten ein.“ Curevac und die Gates-Stiftung planen zudem, einen universellen Influenza-Impfstoff zu entwickeln, der einen breiten und langlebigen Schutz gegen alle Stämme der Influenza A für mehr als eine Saison bietet. Dieser könnte den saisonalen Impfstoff ersetzen und die jährliche Produktion eines immer wieder neu angepassten Grippeimpfstoffes überflüssig machen.

216 Millionen Infizierte, 445.000 Tote allein im Jahr 2016: Global gesehen ist auch Malaria eine gefährliche Infektionskrankheit – an deren Bekämpfung große Pharmamultis jedoch kaum Interesse haben, weil zahlungskräftige Abnehmer fehlen. Die Vereinbarung zwischen Curevac und Gates-Stiftung sieht vor, dass Infektionskrankheiten ins Visier genommen werden, von denen überdurchschnittlich viele Menschen in den ärmsten Ländern betroffen sind. Jedes Medikament, das mit finanziellen Mitteln der Stiftung entwickelt wurde, wird Curevac zu einem für Entwicklungsländer angemessenen Preis zugänglich machen.

340 Mitarbeiter hat Curevac aktuell – und die Firma stellt laufend weiter ein. 400 könnten es in einem Jahr sein. Derweil geht am Curevac-Stammsitz im Biotechnologiezentrum und in mehreren angemieteten Gebäuden rund um die Sternwarte, auch im Container-Provisorium, der Platz aus.

Bereits im März 2015 investierte die Bill & Melinda Gates-Stiftung 46 Millionen Euro (52 Millionen US-Dollar) in Curevac – auch um den Bau der Produktionsanlage im Technologiepark bei der Tübinger Sternwarte zu unterstützen, wo schon bald geforscht und im industriellen Maßstab bis zu 30 Millionen Dosen Impfstoff jährlich produziert werden können. Der Multi-Millionen-Euro-Neubau soll im Frühjahr 2019 fertig sein, 2020 sollen alle Maschinen laufen.

Damit der Körper sein eigenes Therapeutikum entwickelt

Den Körper dazu anleiten, seine eigene Abwehr zu bilden - mithilfe von Messenger RNA (mRNA), Ribonukleinsäure, die genetische Informationen überträgt und das Immunsystem gegen Krankheiten wie Krebs, HIV, Influenza, Ebola oder Tuberkulose aktiviert. Das war die Idee, mit der Curevac im Jahr 2000 als Spin-off der Universität Tübingen gegründet wurde. Letztlich geht es darum, dass dem menschlichen Körper Informationen gegeben werden, damit der sein eigenes Therapeutikum entwickeln, sich also selbst heilen kann.

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13.02.2018, 21:00 Uhr
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