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Coronakrise

Tipps für den Familienalltag im Ausnahmezustand

Schulen und Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg sind geschlossen. Eltern stehen vor der Herausforderung, die betreuungsfreie Zeit aufzufangen, zu überbrücken und das Zusammenleben neu zu gestalten. Dazu gibt es Tipps der Erziehungsberatungsstellen.

26.03.2020

Von ST

Symbolbild: ArtsyBee / pixabay.com

Binnen kürzester Zeit werden viele Kinder und Teenager durch die Einschränkungen der Coronakrise vermutlich nicht mehr ausgelastet sein. Sie bleiben abends länger wach, weil sie nicht müde sind und „frei“ haben, dafür schlafen sie morgens länger. Der Tagesrhythmus gerät durcheinander, der Medienkonsum steigt stark an, Konflikte mit den Eltern sind vorprogrammiert.

Die Erziehungsberatungsstellen des Landkreises Reutlingen haben Tipps zusammengestellt, wie der Familienalltag in dieser Situation gestaltet werden kann:

1. Klare Tagesstrukturen sind noch wichtiger als sonst

Geben Sie Ihrem Familienalltag eine klare Tagesstruktur mit festen Zeiten für Essen, Bewegung, Ausruhen, Schlafen und für Lernen und Spielen. In dieser Tagesstruktur sollten sowohl gemeinsame Zeiten, als auch Zeiten des Rückzugs, aktive Zeiten und Zeiten für Entspannung und Ruhe ihren Platz haben.

Eine Alltagsstruktur sowie klare Regeln geben Eltern und Kindern eine Orientierung und ein Gefühl von Selbstsicherheit. In dieser Zeit, wo nichts mehr ist, wie es war, ist diese Orientierung besonders wichtig.

Besonders regelmäßige Zeiten für Videotelefonie helfen, um den Kontakt zu Freunden und Großeltern zu ermöglichen. Neue Erfahrungen können durch analoge Brett-, Karten- und Würfelspiele gemacht werden, Spielrunden können ebenfalls regemäßig in den Alltag eingebaut werden. Im Internet gibt es zudem viele Bastelanleitungen, um mit den Kindern Neues auszuprobieren.

2. Besondere Zeiten brauchen besondere Regelungen des Zusammenlebens

Besprechen Sie zusammen, was den einzelnen Familienmitgliedern im familiären Zusammenleben wichtig ist. Welche Ideen und Wünsche haben Ihre Kinder?

Sinnvoll ist es in dieser Zeit besondere Aktionen oder Projekte zu planen, die in der Wohnung oder dem Garten stattfinden können, z.B. Keller aufräumen, Jugendzimmer streichen oder die Tischtennisplatte aufbauen.

Tauschen Sie sich aus, wie die Aufgaben den individuellen Möglichkeiten den Familienmitgliedern entsprechend verteilt werden können: Wer kann was im familiären Miteinander einbringen? Welche Aufgaben sind die Kinder bereit zu übernehmen?

Binden Sie Ihre Kinder in die Alltagsorganisation mit ein: Kochen, Backen, Lernen, Aufräumen, Einkauf. Sammeln Sie die verschiedenen Wünsche, Vereinbarungen und Pläne auf einem großen Blatt. Dies kann in kreativer Form unter Beteiligung der Kinder geschehen. Am Besten hängen Sie dieses Blatt an einem zentralen Ort in der Wohnung auf, so dass alle Familienmitglieder regelmäßig an die besonderen Abmachungen erinnert werden.

Oder gestalten Sie einen gemeinsamen Kalender über die nächsten Wochen und tragen sie besondere Vorhaben ein. Das hilft auch den Kindern, die noch kein ausgeprägtes Zeitgefühl haben.

Rufen sie regelmäßig Familienbesprechungen ein, in denen Sie sich darüber austauschen wie es jedem Familienmitglied geht, was gut läuft und was geändert werden sollte.

Sorgen Sie für ein angenehmes Atmosphäre in der Wohnung und planen Sie regelmäßige Aufräumzeiten ein, damit sich alle wohlfühlen können.

Beispiele für mögliche Vereinbarungen:

  • Für das Essen mit Einkauf, Vorbereitung, Kochen, Tischdecken, Abräumen und Abwaschen, tragen alle zusammen Verantwortung. Für alle Mahlzeiten wird besprochen, wer wie seinen Teil dazu beiträgt.
  • Küche, Wohnzimmer und Flur wird täglich zusammen oder abwechselnd zu regelmäßigen Zeiten aufgeräumt. Das eigene Zimmer wird alleine aufgeräumt
  • Jeder erledigt am Tag zwei Aufgaben im Haushalt.
  • Wir klopfen an und warten auf Erlaubnis, bevor wir das Zimmer eines anderen Familienmitglieds betreten.
  • Wir lassen einander ausreden.

Eltern bleiben natürlich immer in ihrer Verantwortung Entscheidungen zu treffen. Je besser es aber gelingt auch die Kinder miteinzubeziehen desto eher gelingt das Zusammenleben.

3. Wenn´s mal kracht

Konflikte zwischen den Kindern, den Eltern und den Kindern und auch zwischen den Eltern werden trotz klarer Absprachen gehäuft auftreten. Stellen Sie sich darauf ein! Das hilft gelassener zu reagieren.

Setzen Sie für solche Konfliktsituationen „Time-out-Zeiten“ fest. Diese bewährte Methode aus dem regulären Familienalltag kann helfen, die ersten impulsiven Emotionen einzudämmen, um dann zu einem späteren Zeitpunkt über Lösungsmöglichkeiten zu sprechen. Beteiligen Sie ihre Kinder dabei aktiv an der Lösungssuche.

Gehen Sie nicht in jeden Konflikt. Lassen Sie in dieser besonderen Zeit auch mal fünf grade sein. Sie gehen dadurch auch sparsamer mit ihrer eigenen Energie um.

4. Bewegung muss sein

Bieten Sie Ihren Kindern zuhause und in der Natur Bewegungsmöglichkeiten an:

  • Matratzen werden zu Trampolins umfunktioniert, der Flur darf in dieser Zeit auch mal zur Rennstrecke werden, ein Hindernisparcour durch die Wohnung kann auch seien Reize haben.
  • Sprechen Sie ihren Nachbarn an und bitten Sie um Verständnis für diese Wochen.
  • Im Rahmen der neuen Regelungen können Sie regelmäßig (am besten ein- bis zweimal täglich) Kurzausflüge, kleine Fahrradtouren und Spaziergänge in der freien Natur unternehmen.

5. Mediennutzung gestalten

Besonders wichtig ist in diesen Wochen, feste Zeiten für das Spielen an Laptop, Handy, Tablet, X-Box und für Filme auf YouTube oder TV zu besprechen. Sonst können die Medien schnell den Ton im Familienalltag vorgeben.

Als Eltern sollten Sie natürlich mit gutem Beispiel vorangehen und bewusst das Handy stummschalten und den Laptop wegpacken.

Allgemein werden folgende tägliche Nutzungszeiten für alle Medien zusammen empfohlen:

4 - 6 Jahre: in Begleitung der Eltern 20-30 Minuten

7 - 10 Jahre: 45 Minuten

11 - 13 Jahre: 60 Minuten

In Zeiten von Corona können diese Zeiten abweichen und der Situation entsprechend angepasst werden.

Seien sie zurückhaltend mit dem Konsum der Berichterstattung über das Coronavirus. Präsentieren Sie ihrem Kind nur altersgerechte Informationen.

Nutzen sie Audio-Medien und Hörspiele. Das können Kinder viel besser verarbeiten.

Machen Sie Laptop und PC sicherer. Unter klick-tipps.net finden Sie aktuelle Tipps, welche Maßnahmen Sie ohne großen Aufwand ergreifen können. Wie Sie Spielkonsolen kindersicher machen, erfahren Sie unter klicksafe.de. Weitere Informationen zur Mediennutzung finden Sie beim Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest unter www.mpfs.de.

6. Erziehen steht nicht im Vordergrund

Das Ziel sollte sein, mit der Familie gut durch diese besonderen Wochen zu kommen.

Setzen Sie sich nicht zu sehr unter Druck mit dem Anspruch, gerade in dieser Zeit besonders gut erziehen zu wollen. Versuchen sie auch mit den eigenen Ansprüchen und den Herausforderung durch die Kinder so ruhig wie möglich umzugehen.

Sorgen sie auch für sich, gönnen und suchen Sie sich Auszeiten. Gehen Sie auch mal alleine spazieren. Verabreden sie sich mit Bekannten und anderen Eltern zum Austausch per Telefon. Gründen sie eine Whatsapp-Gruppe und posten sie Belastendes und Lustiges aus dem Familienalltag.

Stellen Sie sich darauf ein, in dieser Zeit Regeln noch öfter als sonst wiederholen zu müssen. Kinder - wie auch Jugendliche - lernen durch Wiederholungen. Wenn auch Sie bei Konflikten mal selbst aus der Haut fahren, nehmen sie es sich nicht übel. Das kann in solchen Situationen vorkommen.

Scheuen Sie sich nicht, sich Rat zu holen. Die Erziehungsberatungsstellen haben für diese besondere Zeit ein Familientelefon geschaltet, wo spontan Beratung und Hilfe geholt werden kann.

Montag bis Donnerstag: 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr

Freitag: 9 bis12 Uhr

Beratungsstelle Reutlingen: 07121 / 9479060

erziehungsberatung.reutlingen@kreis-reutlingen.de

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Erstellt:
26. März 2020, 12:01 Uhr
Aktualisiert:
26. März 2020, 12:01 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. März 2020, 12:01 Uhr

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