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„Texte werden eher gescannt“

Interview mit Leseforscherin Yvonne Kammerer

Europaweit haben Leseforscher die Stavanger-Erklärung unterschrieben, eine von ihnen ist Yvonne Kammerer, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen (IWM) forscht. Sie informiert über den aktuellen Stand der Wissenschaft.

07.02.2019

Von Mathias Puddig

Yvonne Kammerer ist Leseforscherin in Tübingen. Foto: IWM Tübingen

Welches Ziel verfolgt die Stavanger-Erklärung?

Yvonne Kammerer: Wir wollen die Erkenntnisse unserer Arbeit in dem europäischen COST-Netzwerk E-READ zusammenfassen und den Stand der Forschung kommunizieren. Eine zentrale Message ist dabei, dass die Frage, was besser ist – Lesen auf Papier oder digital –, nicht pauschal zu beantworten ist. Wir müssen immer die Randbedingungen anschauen, also etwa die Länge und Art der Leseaufgabe sowie die Voraussetzungen und Fähigkeiten eines Lesers.

Wo unterscheiden sich das Lesen auf Papier und das digitale Lesen?

Beim Lesen von sehr langen Informationstexten ist das Papier dem Bildschirm überlegen, wenn man die Erinnerungsleistung und das tiefe Textverständnis misst. Das gilt vor allem unter Zeitdruck. Ohne Zeitdruck gibt es jedoch keinen Unterschied. Und bei narrativen Texten scheint es überhaupt keine Unterschiede im Textverständnis zu geben.

Haben Sie dafür eine Erklärung?

Ich finde das relativ leicht nachvollziehbar: Der Nachteil des digitalen Lesens gerade unter Zeitdruck kommt daher, dass die Leser am Bildschirm in diesem Fall dazu neigen, oberflächlicher und schneller zu lesen und den Text eher zu scannen, anstatt Zeile für Zeile linear zu lesen. Das zeigen auch Blickbewegungsanalysen, durch die man sehen kann, wie die Leser lesen. Das hat beispielsweise etwas mit der Fülle an Informationen zu tun, die im Internet zur Verfügung stehen.

Wie muss Lesen gelehrt werden?

Wir müssen effektive Lesestrategien vermitteln. Viele können das nicht von allein, egal ob der Text gedruckt oder digital vorliegt. Wir sollten einen Fokus darauf legen, dass Schüler lernen, sorgfältig und verständnisorientiert zu lesen. Sie müssen lernen, sich selbst während des Lesens zu fragen, ob sie etwas verstanden haben, welche Informationen noch fehlen, wie relevant das Gelesene ist. Und gerade im Internet kommt auch die Bewertung der Glaubwürdigkeit der Quellen dazu. Da sehen wir in Studien, wie wir sie auch hier am IWM durchführen, oft Defizite, obwohl die meisten Leute wissen, dass gerade im Netz die Glaubwürdigkeit sehr variabel sein kann.

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Erstellt:
7. Februar 2019, 07:34 Uhr
Aktualisiert:
7. Februar 2019, 07:34 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Februar 2019, 07:34 Uhr

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