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Star-Wars-Fieber grassiert wie noch nie: Die Macht des Marketings ist stark
Das Imperium schlägt zurück

Star-Wars-Fieber grassiert wie noch nie: Die Macht des Marketings ist stark

Das „Star Wars“-Fieber ist wieder ausgebrochen, bald startet der neue Film. Die Saga ist der größte popkulturelle Mythos der Welt. Wie man das beweisen kann? Man findet keinen Menschen, der noch nie davon gehört hat.

09.12.2015
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

George James senior war 88 Jahre alt, ein in den Bergen Arizonas lebender Indianer, und er war Chris Taylors letzte Hoffnung. Denn der Navajo war der erste Mensch, der dem Journalisten Taylor nach endloser Suche untergekommen war, der noch nie von „Star Wars“ gehört hatte. Der keinen Schimmer hatte, um was es in der berühmtesten Film-Saga der Welt geht. Der noch nie von Luke und Leia, Obi-Wan und Darth Vader gehört hatte.

In einer Sommernacht 2013 sollte sich das ändern. Da wurde auf einem Rodeogelände am Highway 49 der erste auf Navajo synchronisierte Film vorgeführt: „Star Wars“. Ein Versuch, die aussterbende Sprache mit Leben zu füllen. Journalist Taylor begleitete George James senior zu der Vorführung, um endlich zu erleben, wie heute ein Star-Wars-Novize auf den Film reagiert.

In seinem Buch „Wie Star Wars das Universum eroberte“ schildert Taylor, wie er solche SternenkriegJungfrauen gesucht hatte - vergeblich. Klar, es gibt Menschen, die diese Filme nie gesehen haben. Aber sie kennen eben doch etliche Figuren mit Namen, „dann ist da noch dieser goldene Typ und der grüne Gnom, der komisch spricht. Und Darth Vader ist Lukes Vater, oder?“

Taylor spricht von einer „gutartigen kulturellen Infektion“. Nicht nur, weil über die Jahre 1,3 Milliarden Kinokarten verkauft wurden, gar nicht zu sprechen von all den Games, Comics und Büchern, sondern auch wegen der Mega-Mengen an Merchandise: Mit „Star Wars“ wurden bislang wohl gut 40 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

„Star Wars“ hat sich mehrfach erneuert. Fans der alten Filme (von 1977, 1980, 1983) sind heute oft um die 50, die zweite Trilogie (die „Prequels“ von 1999, 2002, 2005) hat eine neue Generation infiziert, die Jüngsten lieben die TV-Serien und „Lego Star Wars“. Es gibt Fanclubs, in den die Roboter nachgebaut werden, in der „501st Legion“ treten weltweit abertausende Menschen als imperiale Sturmtruppler auf.

Und nun grassiert das Star-Wars-Fieber wie nie zuvor. Denn am 17. Dezember, zehn Jahre nach dem vermeintlich letzten Film, kommt der siebte Teil in die Kinos, Auftakt einer neuer Trilogie: „Das Erwachen der Macht“. Denn kaum hatte Star-Wars-Schöpfer George Lucas sein Lucasfilm-Imperium Ende 2012 für gut vier Milliarden Dollar an Disney verkauft, hatte der Maus-Konzern verlautbart, von 2015 an jährlich einen neuen „Star Wars“- Film herauszubringen.

Und mit J. J. Abrams wurde bald ein prädestinierter Filmemacher für „Episode VII“ engagiert: Der Autor, Regisseur und Produzent, Jahrgang 1966, gilt als Wunderkind des Blockbuster-Zeitalters, ist selbst ein Schöpfer fiktionaler Welten und Mythen. Er hat TV-Serien wie „Lost“ ersonnen, die „Mission: Impossible“-Kinoreihe auf Vordermann gebracht und „Star Trek“ verjüngt. Bei „Star Wars“ muss er nun Gewaltiges meistern: nostalgische Gefühle befriedigen und dennoch einen Neustart schaffen. Erste Bilder und Trailer erwecken den Eindruck, dass ihm das gelingt.

Dazu arbeitet Disneys Werbemaschinerie auf Hochtouren. Kein Supermarkt ohne Star-Wars-Produkte, kaum ein medialer Diskurs ohne Star-Wars-Verweise. Die kommerzielle Macht ist stark in Disney und Lucasfilm.

Der letzte Satz klingt irgendwie bekannt? Ja, Sprüche wie „Möge die Macht mit dir sein“ gehören längst zum popkulturellen ABC. Es gibt sogar Navigationsgeräte, die mit Yodas Stimme sprechen: „Links abbiegen du musst.“ In manchen Yoga-Kursen heißt es: „Atmen Sie einfach wie Darth Vader.“

Wer hätte sich all das 1977 vorstellen können? Nicht einmal George Lucas: Der dachte nach enervierenden Dreharbeiten, sein „Kinderfilm“, wie er etikettiert wurde, würde floppen. Stattdessen pulverisierte er alle Kassenrekorde, das eskapistische Abenteuer war nach Vietnam-Trauma und Nixon-Ära Balsam für die amerikanische Seele. „Star Wars“ revolutionierte Hollywood, gewann sieben Oscars, prägte eine Generation von Filmemachern und fand eine quasireligiöse Fangemeinde.

Warum aber euphorisiert „Star Wars“ in allen Kulturen Massen? Soziologen, Philosophen, Ökonomen und Cineasten haben herausgefunden: Dieses Universum funktioniert tatsächlich universell. Zwar mag das im Kern eine simple Gut-gegen-Böse-Story sein: hier die freiheitsliebenden Rebellen, dort das finstere Imperium, und mittendrin ein Familiendrama. Doch spiegelt sie Mythen und Märchen aus aller Welt wider, von der Artus-Saga bis zum Samurai-Kult, von der Bibel bis Buddha.

George Lucas Genieleistung bestand darin, in „Star Wars“ zahllose Ur-Geschichten erzählerisch und inhaltlich zu bündeln. Und sie dann - dank kreativer Mitstreiter - in einer anziehend fremdartigen, zugleich vertraut wirkenden Welt zu verorten. Denn „Star Wars“ ist beides: aufregend modern und beruhigend altmodisch.

Archetypische Figuren bieten Identifikation, die Roboter C-3PO und R2-D2 machen Spaß. Dazu kann man die Bedeutung von Ausstattung, Masken und Kostümen kann gar nicht hoch genug einschätzen: Sie wurden rasch ikonografisch, von Darth Vaders Helm bis zur weißen Sturmtruppen-Uniform, vom Sternenzerstörer bis zumLichtschwert. Und natürlich tönt und tost da die Musik: John Williams schuf für die Weltraum-Oper „Star Wars“ - von den Rebellen-Fanfaren bis zum Thema der Macht - den Soundtrack einer, ja mehrerer Generationen. Keiner weiß, wie viele Mannschaften zum „Imperial March“ in die Sportarenen dieser Welt einmarschieren.

Es gibt also kein Entkommen. Chris Taylor konnte folglich sein Glück kaum fassen, als er den Navajo George James senior kennenlernte. Weshalb der nie von „Star Wars“ gehört hatte? Der 88-Jährige lebte im felsigen Nirgendwo, kein Kino weit und breit, alles Moderne interessierte ihn sowieso nicht. Als er nun den Filmtitel hörte, sagte er nur: „Die Sterne führen Krieg?“ und zuckte mit den Achseln. Skywalker, Han Solo, Wookies? Nie gehört! Der Typ mit der Raucheratmung? Keine Ahnung! Chris Taylor war aus dem Häuschen: Er hatte seine Star-Wars-Jungfrau gefunden.

Doch als das Logo der 20th-Century-Fox auf der Leinwand erschien, geschah etwas mit George James senior. Er hatte mal bei jemanden einen Clip über einen Weltraumfilm gesehen, fiel ihm ein: „Ich sah wilde Vögel“, meinte er. Wilde Vögel im Weltall? Die X-Wing-Jäger. Nein! Doch! Auch der uralte Navajo war „Star Wars“ nicht entgangen.

Das berühmte Intro erschien: „Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie. . .“ Natürlich in der Navajo-Sprache: „Aik idaa yadahodiiz aadaa, Ya ahonikaandi. . .“

Und George James senior? Nach zehn Minuten hatte er genug gesehen und machte sich auf den Heimweg. Er wundert sich womöglich noch immer, dass wilde Vögel und die Sterne Krieg gegeneinander führen. Aber auch er weiß nun, dass das „Star Wars“ ist.

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09.12.2015, 08:30 Uhr
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