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Jürgen R. Schmid ist der Gründer und Inhaber des weltweit wohl einzigen Design-Unternehmens, das sich auf das Design im Bereich Maschinenbau konzentriert. Bereits 1983 in Ulm gegründet, zog das Unternehmen Design Tech 1990 nach Ammerbuch-Entringen. Seitdem wurde das Unternehmen mit sage und schreibe mehr als 160 Design-Awards ausgezeichnet.

15.12.2017
  • TEXT: Werner Bauknecht | FOTOs: Unternehmen

Ganz in Weiß bis zu den Schuhen kommt Jürgen Schmid ins Besprechungszimmer seines Unternehmens in der Entringer Zeppelinstraße. Man kennt das von anderen Gelegenheiten und von vielen Fotos – weiß ist Schmids Farbe. Dabei ist der Top-Designer ein Mensch, der in seinen Erzählungen, mit seinen Erfahrungen und mit seinem Werdegang eher bunt daherkommt. Denn eines vorweg: Ein Gespräch mit dem gebürtigen Ulmer ist das reinste Vergnügen. Selbst eher komplexe Themen, die mit seinem Arbeitsfeld zusammenhängen, kommen bei ihm locker und leger herüber. Unkompliziert.

Das Interesse am Design begann früh bei ihm. Bereits mit elf Jahren nahm er an einer Ausschreibung von Opel teil. Das war in den Sechziger Jahren. Und er fand sich kurze Zeit später als einer der Gewinner in der Opel-Firmenzentrale. „Da war es für mich klar“, so Jürgen Schmid lachend, „dass ich Designer werde. Mit dem Berufswunsch gab es bei mir niemals Probleme.“

Designstudium in Schwäbisch Gmünd ab 1977, die erste Festanstellung direkt nach dem Abschluss, Selbständigkeit mit 27 Jahren. Das klingt nach klarem Ziel. „Am 1. Oktober 1983 meldete ich mein Geschäft an, am 2. Oktober hatte ich den ersten Auftrag, am 3. Oktober schon den zweiten.“ Dass er ein eigenes Unternehmen gründen würde, sei ihm schon immer klar gewesen. „Meine Motivation, mein Antrieb dafür war die Selbstbestimmung.“

Und warum der Umzug ausgerechnet nach Ammerbuch? Er sei ohnehin schon drei Mal die Woche nach Stuttgart gefahren, denn: „Dort sitzen die Industrieunternehmen und damit meine Kunden.“ Also suchte er nach einem Standort in Nähe zur Landeshauptstadt. Etliche Gemeinden schrieb er wegen eines Bauplatzes an, darunter auch Entringen. Dort gab es eine Zusage „Als ich die Gegend sah, habe ich mich sofort wohl gefühlt und beschlossen: Das ist es.“

Unter dem Begriff „Maschinen-Design“, als Komponente des Industrie-Designs, stellt man sich vor, dass Maschinen, Anlagen, Motoren oder ganz einfach Investitionsgüter halt irgendwie aussehen müssen. Da lacht Schmid. Denn über dieses Aussehen ist sein Unternehmen weit hinaus. Das ist für ihn Standard. Und Standard produziert er nicht. Da stellt er sich und seinem Team eher die Frage nach menschenfreundlichen Abläufen einer Maschine, nach hoher Effizienz, nach Ergonomie und nicht zuletzt nach Arbeitssicherheit. Und das alles in einem höchst attraktiven Design.

Der hervorragende Ruf von Design Tech ist international. „Heute kommen die Kunden zu uns, fragen uns um Rat und wir entwickeln das individuelle Design für das entsprechende Unternehmen.“ Der Input der Kunden ist gefragt. „Nur wenn die Kunden das Gefühl haben, am Endprodukt mitgewirkt zu haben, gibt es vollkommene Akzeptanz – auch nach außen.“ Design Tech arbeitet zum Beispiel mit Videoaufnahmen vor Ort. Produkt – und Mitarbeiterbeobachtung, sozusagen. Schmid berichtet von einer Maschine, bei der die Mitarbeiter des Unternehmens ständig um das Gerät herumliefen. Manchmal auch darüberkletterten, wie die Aufnahmen zeigten. „Das war natürlich brandgefährlich.“ Also verpasste Jürgen Schmids Unternehmen der Maschine ein neues Design. „Es musste hocheffizient sein, ökonomisch, die Arbeitssicherheit musste gewährleistet sein, die Wege verkürzt werden.“ Das Design änderte schließlich nicht nur die Maschinentechnik, sondern auch die Arbeitsabläufe.

Das Portfolio der Produkte, die Design Tech bereits entwickelte, ist beachtlich. Es reicht vom 3D-Drucker für Arburg über eine Maschine für das Palettenhandling für HandlingTech bis zum Cockpit eines Wasserflugzeugs für Dornier Seawings. Außerdem Fräsmaschinen, Werkzeuge, Antriebe, Schleifmaschinen, selbst eine Elektrotankstelle in Schuhkartongröße.

Die Entwicklung eines Designs kann ein bis drei Jahre dauern. Danach gehören die Nutzungsrechte den Kundenfirmen. Am Ende steht aber meist nicht nur ein effizientes, ergonomisch ausgefeiltes, leicht bedienbares und ökonomisch werthaltiges Produkt. Denn Design Tech legt Wert darauf, eine Marke zu entwickeln. Das Produkt und den Hersteller soll man am Design erkennen, es soll eine Art Corpoate Identity nach außen tragen. Der Kern eines Unternehmens und seiner Produkte spiegelt sich im Design. „Wir machen Markenwerte sichtbar, das ist unsere strategische Ausrichtung“, heißt das bei Jürgen Schmid. Und nicht zu vergessen: „Ein attraktives Design ist ein Hingucker, und somit ein echter Umsatzbringer.“

„Ich habe den Mini-Akkubohrer erfunden“, verrät Jürgen Schmid. Ursprünglich war es ein Produkt für Metabo, mittlerweile habe Bosch um die 20 Millionen davon verkauft. Am liebsten, das gibt der Designer unumwunden zu, arbeitet er mit familiengeführten Firmen zusammen. Mit manchen davon, wie zum Beispiel Liebherr, schon seit Jahrzehnten. „Da gibt es dann auch lang gewachsene Freundschaften.“ Bei großen Konzernen, ergänzt er, seien auch die Entscheidungswege zu lang, zu komplex und unüberschaubar. Er weiß natürlich auch, dass seine Ideen und die seiner 12 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, manche Firmen an den Rand ihrer Belastbarkeit bringen. Aber was dann dabei herauskäme, sei in der Regel großartig. Viele Firmen designten einfach nach dem Zeitgeist. „Aber ein Design sollte sein wie das Unternehmen, für das man arbeitet. Die Fahne nach dem Wind richten ist nicht unser Anspruch.“

Die Begeisterung für seine Arbeit hat bei Jürgen Schmid nie nachgelassen. Im Gegenteil. Er sprüht geradezu vor Visionen. Er hat beispielsweise eine Gruppe mit Chefdesignern gegründet, in denen sich Spezialisten von Firmen wie MAN, Festo oder Heidelberger Druckmaschinen regelmäßig zum Austausch treffen. Und es gibt den Design Talk, ebenfalls eine Initiative Schmids. Bereits 14 Mal trafen sich geladene Gäste in den Ammerbucher Firmenräumen zum von SWR-Fernsehjournalist Markus Brock moderierten Gespräch. Im letzten Jahr war Tina Müller der Gaststar, damals Opel-Marketing-Chefin. Vor allem aber gibt es das Projekt „Werkzeug der Zukunft.“ Demnach werden in der Zukunft keine Menschen mehr für die Produktion zuständig sein. Schmids Vision: Drohnen fliegen durch den Produktionsraum, suchen sich ihre Werkstücke, die auf Shuttles durch den Raum bewegt werden. Die Arbeitsmaterialien sind in den Shuttles verstaut. Hat eine Drohne ihren Arbeitsschritt beendet, kommt die nächste, um ihr Modul abzuarbeiten. „In den Zeiten der Digitalisierung alles kein Problem“, so der Designer, „und für den Grundlohn der Menschen werden die Maschinen arbeiten.“ Schöne neue Welt. Jürgen Schmid kann sehr überzeugend sein.

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15.12.2017, 07:06 Uhr
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