Reutlingen

Stadthallen-Chefin Roser: Am liebsten mittendrin

Unter 27 Bewerbern machte sie 2012 das Rennen um den Posten der Geschäftsführung der damals neu erbauten Reutlinger Stadthalle. Knapp zehn Jahre später ist einmal mehr klar, dass Petra Roser ein Glücksfall für Reutlingen ist.

28.10.2021

Von Simone Maier

Stadthallen-Geschäftsführerin Petra Roser. Bild: Stadthalle Reutlingen

„Im Vergleich zu früher bin ich schon viel ruhiger geworden“, lacht die sympathische Geschäftsführerin der Stadthalle Reutlingen auf die Frage, wie viele Themen sie jeden Abend mit auf den Nachhauseweg nach Waiblingen nehme.

Immer noch verpasse sie manchmal die Ausfahrt, auch wenn das schon viel besser geworden sei. Aber die eine oder andere Veranstaltung in der Stadthalle Reutlingen hat dann doch Dimensionen, die einen nach Hause begleiten. Zum Beispiel eine internationale Konferenz für virtuelle Realität 2018, die erst in Chicago war, dann in Reutlingen und danach in Osaka. Vier Tage lang wuselten 800 Teilnehmer aus über 30 Nationen in Reutlingen herum. Tagsüber versunken in ihrer Programmiersprache wollten die Computer-Freaks in ihrer Freizeit unbedingt Fachwerkhäuser anschauen, mit ihren Selfie-Sticks in der engsten Gasse der Welt – Reutlingens Spreuerhofstraße – Bilder machen, Schloss Lichtenstein besichtigen und auf dem Neckar Stocherkahn fahren. Auch um das Programm außerhalb der Stadthalle kümmern sich Roser und ihr Team.

Geboren ist die 60-jährige im Remstal, heute lebt sie mit ihrem Mann in Waiblingen. Mittlerweile ist die gemeinsame Tochter erwachsen und hat sie vor kurzem zur Omi gemacht. Ihre werbefachliche Ausbildung machte sie in Stuttgart. „Yoga und vor allem Kochen waren immer meine großen Leidenschaften“, sagt sie. Und fügt lachend hinzu „Und ich koche ziemlich gut.“ Das ist auch ein wichtiger Ausgleich zum täglichen Job. „Wenn ich abends gestresst bin, dann koche und schnipple ich gemeinsam mit meinem Mann. Er ist mein Beikoch. Und ein Glas Rotwein darf nicht fehlen“, schmunzelt der Genussmensch Petra Roser.

Mehr Achtsamkeit durch Corona

Auch in der Stadthalle Reutlingen lief es die letzten eineinhalb Jahre anders als sonst. „Diese Zeit hat sehr an mir und am ganzen Team gezehrt“, sagt sie nachdenklich. „Man lernte sich nochmal ganz anders kennen. Fast schon intim. Plötzlich waren alle emotional betroffen, es gab so viel Privates vermischt mit Geschäftlichem, das gestemmt werden musste, sei es Home Schooling oder Home Office“, so Roser. Die Achtsamkeit füreinander wurde im 15-köpfigen Team um Roser großgeschrieben, Rosers Stellvertreter Sandro Zimmermann fügt hinzu: „Ja, das Gesundheitslevel wurde wieder bewusster betrachtet.“

Prioritäten setzen

Keine leichten Zeiten waren es 2012, als Roser ihre neue Stelle antrat. Die Stadthalle Reutlingen war ein großer monetärer „Batzen“ für die Stadt, es musste von Anfang an gut gewirtschaftet werden. „Aber darauf konnte ich mich ja einstellen“, so Roser. Außerdem war sie versiert, was Veranstaltungshäuser betrifft: Zuvor zeichnete sie in Ludwigsburg für die gesamten Veranstaltungshäuser inklusive des Forums am Schlosspark verantwortlich. Schon damals war sie in gelegentlichem Austausch mit Barbara Bosch. An einem Herbstabend traf sie sich mit der damaligen Oberbürgermeisterin – wenn das mal keine wahre Weiber-Wirtschaft ist – und freute sich auf die angebotene Herausforderung. Wenig später wurde sie vom Aufsichtsrat der Stadthalle gewählt. Erst danach führte sie die Gehaltsverhandlungen. Herzblut ist das, was sie antreibt.

Stadthallen-Chefin Roser: Am liebsten mittendrin

Die Reutlinger Stadthalle mit Weihnachtsbeleuchtung. Bild: Stadthalle Reutlingen

Herzensangelegenheit ist eines ihrer Lieblingswörter. Und man nimmt es ihr ab. Von Anfang an hat sie das Potenzial der Stadthalle Reutlingen gesehen. Zum einen ist ihr Leitsatz, dass Service das Wichtigste ist, zum anderen aber ist es ihr gelungen, aus der Stadthalle Reutlingen Deutschlands erste Stadthalle mit komplett CO2-neutralen Veranstaltungen zu machen. Im letzten Jahr erfüllte das Unternehmen bereits zum dritten Mal zu 100 Prozent die Kriterien des Green-Globe-Siegels. Nachhaltige Veranstaltungsplanung – das war von Anbeginn an auf der Agenda von Petra Roser. „Wir sind inzwischen Experten im Entdecken von Optimierungspotenzialen: sei es die Umstellung von Batterien auf Akkus in den Mikrofonen, seien es digitale Flipcharts für Veranstaltungen oder der Einsatz von biologisch abbaubaren Klebebändern bis hin zum regional-saisonalen Catering, um nur einige Maßnahmen zu nennen“, zählt sie auf. Besonders stolz ist sie einfach darauf, dass es ihnen immer noch gelingt, sich weiter zu verbessern. Und dies gemeinsam mit allen Geschäftspartnern.

Von DTK bis Villazón

Als „Halle für Alle“ wurde die Stadthalle Reutlingen gebaut. „Wir haben einen Gemeinwohl-Auftrag und sind ganz klar ein Zuschussbetrieb“, so Roser. Aber die Bandbreite in der nachts so schön in allen Farben strahlenden Stadthalle sucht ihresgleichen: 250 Veranstaltungen pro Jahr in jedem Genre von A wie Abi-Ball bis Z wie Zeitungsverleger-Kongress. Von kleinen, standesamtlichen Trauungen bis hin zu Stars wie Rolando Villazón, der im September dieses Jahres da war. „Wir haben immer noch unsere Kunden der 1. Stunde“, so Roser. Wie zum Beispiel den Tübinger Marc Oßwald, Geschäftsführer von Vaddi Concerts, mit dem sie mittlerweile freundschaftlich verbunden ist. „Er war vom ersten Jahr an mit dabei, wenngleich noch zähneknirschend, weil nicht alles rund lief, aber heute sind wir tolle Partner“, freut sich Roser.

Ein weiterer Tübinger, Dieter Thomas Kuhn und Band, bescherte ihr einen der schönsten Momente. „Bei einem ‚meet & greet‘ mit Müttern und deren Töchter nach einem DTK-Konzert konnte man sich gar nicht entscheiden, wer mehr gestrahlt hat. Die Mütter oder die Töchter“, erinnert sie sich. Und sie war mittendrin – und strahlte wahrscheinlich am allermeisten.

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Erstellt:
28. Oktober 2021, 15:47 Uhr
Aktualisiert:
28. Oktober 2021, 15:47 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2021, 15:47 Uhr

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