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Tübingen/Reutlingen

Spitze schneiden: Landespreise abgeräumt

Roberto Laraia, Obermeister der Friseur-Innung, vertritt eigene, aber erfolgreiche Ansichten: Seine Angestellten räumten Landespreise ab.

14.03.2019

Von Moritz Hagemann

Es herrscht gute Laune in der Belthlestraße: Roberto Laraia (links) unterstützt seine Auszubildende Melisa Arslan (Mitte). In diesem Fall dient Celine Friedrichs als Modell. Bild: Anne Faden

Wer Roberto Laraia eine Weile zuhört, erkennt schnell seine Sicht der Dinge: Der 54-Jährige sieht sich als Förderer und Forderer, als Talentschmied, der selbst fünffacher Weltmeister der Friseure ist und sich selbstbewusst gibt. „Wir sind in der Branche eine Marke“, sagt er über sich und seine Frau Katja, die die Tübinger Filiale leitet. „Wenn man gut ausbildet“, beginnt Roberto Laraia zu erläutern, „dann macht man aus Personen Persönlichkeiten.“

Im Hinterzimmer des Salons in der Tübinger Belthlestraße sitzt Roberto Laraia an diesem Tag mit seiner Auszubildenden Melisa Arslan, auf dem Regal dahinter stehen Urkunden und Pokale. Sie hat jüngst bei den Landesmeisterschaften in Esslingen den „Langhaar Award“ und das „Creative Styling“ gewonnen – im ersten Lehrjahr. Laraia räumte insgesamt ab (siehe Infobox). „Wir haben schon öfter mal gewonnen, aber in dieser Masse wie in diesem Jahr, das gab’s noch nie“, sagt Roberto Laraia.

Die 20-jährige Arslan ist so etwas wie ein Prototyp des Programms. Sie kommt aus Kirchheim an der Teck, fährt jeden Tag nach Tübingen oder in die andere Filiale nach Reutlingen, die größer ist und von Roberto Laraia geleitet wird. Auch Arslans Vater ist Friseur. „Ich wollte ihm eigentlich nicht nacheifern“, sagt sie. Arslan machte ihr Abitur, dann packte es sie doch. „Mein Vater hat mir Mut zugesprochen, meine Mama war dagegen.“ Der Vater setzte sich durch, über seinen Chef im Kirchheimer „Belle Etage“, den in der Branche bekannten Heinz Rabel, entstand der Kontakt zu Laraia.

Der Fachkräftemangel? Ging an Roberto Laraia vorbei. Selbst aus Hannover zog er Nachwuchskräfte an. „Ich hab’ keine Probleme, Azubis zu finden.“ Er lacht viel, wenn er solche Sätze sagt, die Atmosphäre ist entspannt. Schon Laraias Vater war Friseur, das Geschäft gibt es seit 54 Jahren. Nur die Zeiten haben sich geändert: Dass Praktikanten oder Auszubildende viel Kaffee kochen und den Salon putzen – heute undenkbar. „Die hauen dann sofort ab, das ist eine andere Generation“, sagt Laraia, der für seine Azubis in der Freizeit als Ansprechpartner bereit steht.

Er empfiehlt allen, die eine Ausbildung beginnen wollen, zuerst für mindestens eine Woche ein Praktikum zu absolvieren – bei ihm ist das sogar Pflicht. 30 bis 40 Bewerbungen für Ausbildungsplätze gingen jährlich bei ihm ein. „Wir sehen eine gute Ausbildung wie ein Studium“, sagt Roberto Laraia. Er beschäftigt insgesamt 18 Angestellte, darunter sechs Friseurmeisterinnen und -meister sowie acht Auszubildende.

Dass der Beruf durch günstige Mitbewerber keinen einfachen Stand hat, beobachtet Laraia mit Sorge: „Wir müssen aus der Ecke raus, sonst stirbt der Beruf.“ Faire Löhne seien wichtig, er bezahle 20 bis 25 Prozent über dem Tarif. Auch eine gewisse staatliche Kontrolle brauche es. Die wirtschaftliche Basis sei in manchen Preisberechnungen nicht zu erkennen. „Ich will niemand etwas Böses, aber es sollte fair sein“, sagt Laraia.

Der Besuch beim Friseur muss in seinen Augen ein Erlebnis sein: „Man muss die Kunden verwöhnen, sie raus aus dem Alltag holen“, sagt er. „Der Service ist extrem wichtig.“ Dazu zählt auch Pünktlichkeit, was wiederum mit den Landesmeisterschaften einhergeht. Da lernen die Azubis unter Druck auf Zeit zu arbeiten. „Eine sehr gute Schule“, nennt Melisa Arslan das. Schließlich warte niemand gerne, weil der vorherige Kunde zum abgemachten Termin noch nicht fertig ist. „Für einen freundlichen Menschen, der ein Lächeln übrig hat, lässt der Kunde immer ein gutes Trinkgeld da“, sagt Laraia. Bei vielen herrsche „das Klischee“, dass man als Friseur kein Geld verdienen könne. „Entscheidend ist, was man leistet und wie man mit den Kunden umgeht.“

Der 54-Jährige hält auch nichts davon, dass nach der Ausbildung inzwischen sofort die Meisterprüfung abgelegt werden kann. „Diese Leute stelle ich gar nicht ein“, sagt Laraia. „Weil sie keine fertigen Friseure sind.“ Eine gute Lehre umfasst bei ihm Wettbewerbe, die Prüfungssituationen simulieren und immer wieder für Erfolge, gute Laune und Motivation sorgen. Melisa Arslan etwa besuchte dafür gar Sonderkurse in Stuttgart, will später selbst den Meisterbrief haben. „Üben, zuschauen, probieren, das ist der beste Weg“, sagt sie und blickt zu ihrem Chef hinüber. „Wenn er etwas erklärt, dann saugt man das auf wie ein Schwamm. Da vertraut man darauf.“

Sieben Podestplätze

Neben Melisa Arslan waren auch andere Laraia-Angestellte bei den Landesmeisterschaften der Friseure erfolgreich. Die Auszubildende Lara Tengler (1. Lehrjahr) wurde Dritte im „Herren Fachstyling“. Jan Herter (3. Lehrjahr) gewann das „Creative Styling“ sowie den dritten Preis „Visagismus Kosmetik“. Außerdem wurde Ozan Tuerk Vizemeister im „International Barbiers Award“ und Melanie Blume holte Platz drei beim „International Fashion Ladys Foto Award“.

Zur Person

Der Reutlinger Roberto Laraia wird gerne als Starfriseur bezeichnet. Er war Artdirector des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks und ist Artdirector Baden-Württemberg sowie Obermeister der Innung Reutlingen-Tübingen. Der 54-Jährige wurde bereits mit 19 erstmals Weltmeister der Friseure. Regelmäßig ist er heute als Juror bei der Weltmeisterschaft dabei. Immer mittwochs arbeitet Laraia noch im Tübinger Salon, „um meine Stammkunden zu betreuen“.

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Erstellt:
14. März 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
14. März 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 01:00 Uhr

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