Pop

Songs, Geschäfte, Milliarden

Bob Dylan, Neil Young oder Shakira treten Investmentfonds und Konzernen die Rechte an ihren Liedern ab.

18.01.2021

Von Werner Herpell

London. Immer mehr Musiker trennen sich von ihren Songrechten – weil Tonträgerverkäufe und in Corona-Zeiten nun auch Konzerteinnahmen wegbrechen, während Erlöse aus dem Audiostreaming- und TV-Serien-Boom für die Branche umso wertvoller werden. „Viele Musiker haben wohl gar keine Ahnung, wie reich sie eigentlich sind“, sagt Hartwig Masuch vom Major-Label BMG laut „Financial Times“. Gleichwohl: Längst streichen selbst gut betuchte Pop- und Rockhelden das leicht verdiente Geld ein – trotz möglicher Gier- und Verratsvorwürfe idealistischer Fans.

Beim US-Songpoeten Bob Dylan (79) etwa war im Dezember von rund 300 Millionen Dollar die Rede, die er vom Label Universal für sein Gesamtwerk mit 600 Aufnahmen erhalte (darunter „Blowin‘ In The Wind“ und „Knockin‘ On Heaven‘s Door“). Auch Rock-Veteranen wollen offenbar den eigenen Nachlass gut geordnet wissen – und ihre Musik für künftige Hörergenerationen an den Start bringen.

So verkaufte Mick Fleetwood (73) seine Anteile am Katalog der 70er-Jahre-Megaband gerade an BMG – und zwar nur „drei Monate nachdem der Fleetwood-Mac-Klassiker Dreams“ TikTok und damit Millionen neuer Fans weltweit eroberte“, wie das Unternehmen zu dem Deal stolz schrieb. Eine Kaufsumme wurde auch hier nicht genannt. Der Kanadier Neil Young (75) veräußerte 50 Prozent der Rechte für 1180 Songs an die britische Firma Hipgnosis Songs Fund. „Es wird nie einen „Burger Of Gold“ geben“ – mit diesen Worten via Twitter versprach Hipgnosis-Boss Merck Mercuriadis einen sensiblen Umgang mit seinem Eigentum – in Anspielung auf Youngs Welthit „Heart Of Gold“.

Pop-Fanatiker Mercuriadis

Mercuriadis besitzt das Image eines Pop-Fanatikers. Er arbeitet seit 40 Jahren in der Branche, war unter anderem Manager von Beyoncé, Elton John und den Pet Shop Boys. Auch seinen jüngsten Coup zelebrierte der 57-Jährige mit einem Twitter-Gruß: „Willkommen in der Hipgnosis-Familie, Shakira.“

Über 57.000 Songs soll Hipgnosis inzwischen im Portfolio haben, der Fonds habe nach seiner rasanten Einkaufstour 2020 einen Milliardenwert erreicht, schrieb im Dezember die Webseite „Music Business Worldwide“. Die Investitionen dürften sich lohnen: Zeitlose Pop-Hits sind in der Spotify/Apple/Deezer-Ära mit massiv wachsendem Audiostreaming so etwas wie ein Stabilitätsanker. Hinzu kommen Werbung sowie TV- und Streamingserien, die auf authentische Musikuntermalung setzen – und deren Macher Geld für Songrechte hinblättern.

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Erstellt:
18. Januar 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Januar 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2021, 06:00 Uhr

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