Rottenburg · Regionalität

Schlachthof: Scheinbar zwingende Argumente

Auch der Landesnaturschutzverband setzt sich für die Erhaltung des Rottenburger Schlachthofs ein.

06.06.2020

Von ST

Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) verfolge mit Sorge die Debatte über die weiteren Planungen zum Schlachthof in Rottenburg, schrieb Michael Koltzenburg vom LNV-Arbeitskreis Tübingen Vorsitzende in einem Brief unter anderem an Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher und Landrat Joachim Walter. Der Eindruck verstärke sich, „dass die Hausspitzen der Stadt Rottenburg und des Landratsamts trotz Widerstands aus breiten Teilen der Bevölkerung des Landkreises Tübingen den Rottenburger Schlachthof schließen wollen“.

Für diese Schließung würden „scheinbar zwingende Argumentationsketten“ aufgebaut, so Koltzenburg. Um diese zu untermauern, würden Gutachten des auf die großmaßstäbliche Schlacht- und Fleischindustrie ausgerichteten Planungsbüros Falkenstein herangezogen. Eine Sanierungsbedürftigkeit des Schlachthof-Gebäudes möge teilweise bestehen, aber als eigentliches Ziel der Stadt erscheine es, dass mit Unterstützung des Landrats der zwischen Neckar, Sproll- und Tübinger Straße eingeklemmte Zwickel „als wichtiger Teil eines Sanierungsgebiets hochstilisiert wird“. Dabei liege die Anlage abseits sensibler Stadtgebiete.

Der Arten- und Biotopschutz sei besonders im Kreis Tübingen unmittelbar auf dezentrale Strukturen angewiesen, heißt es in dem Schreiben. Kurze Wege, die Feinzerlegung der Tiere und Direktvermarktung seien für die kleinen tierhaltenden Betriebe und Metzgereien im Landkreis Tübingen essentiell. „Genau diese Betriebe sind wesentliche Akteure bei der Erhaltung der artenreichen Kulturlandschaft.“

Biotoppflege sei in der Fläche nicht nur manuell/motormanuell zu leisten, so Koltzenburg, „wir brauchen dafür unbedingt auch Weidetiere“. Die Beweidung sei gegenüber allen Mahd-Verfahren eine deutlich insektenfreundlichere und damit faunafreundlichere Form der Bewirtschaftung. Das werden in Zeiten des Artensterbens immer wichtiger.

Koltzenburg verweist auf Plenum, das „Projekt des Landes zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt“, ein Förderprogramm für naturschutz-orientierte Regionalentwicklung. Wenn der immer wieder betonte Begriff „regionale Wertschöpfungskette“ nicht ad Absurdum geführt werden solle, müsse der Rottenburger Schlachthof erhalten bleiben und sogar gefördert werden.

Zum Dossier: Schlachthof Rottenburg

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Erstellt:
6. Juni 2020, 06:30 Uhr
Aktualisiert:
6. Juni 2020, 06:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Juni 2020, 06:30 Uhr

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