Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Pures Glück und Sonnenblumen beim Open-air

Rottenburg stand am Wochenende im Zeichen von Hartmut Englers Pur und Dieter Thomas Kuhn

5000 Zuschauer am Freitag bei Pur, 4500 tags darauf bei Dieter Thomas Kuhn: Rottenburg stand am Wochenende im Zeichen des Sommer Open Airs auf dem Eugen-Bolz-Platz.

04.09.2016
  • Fred Keicher / Ifigenia Stogios

„Was für ein geiler Abend!“ rief Hartmut Engler, der Pur-Frontmann, als am Freitag um 22.20 Uhr das Konzert nach zwei Stunden und zwei Zugaberunden vorbei war. Dabei war es ein friedliches und geduldiges Publikum, das hochzufrieden war, die bekannten Stücke live zu erleben. Die Band konnte einfach aufhören zu spielen und der ganze Eugen-Bolz-Platz sang das Lied zu Ende.

Dass er ein braves Publikum vor sich hatte, fasste der Sänger Dennis Deschner von 18 Strings, der ersten Vorausband, in die komplizierten Dankesworte: „Wenn Applaus das Brot des Künstlers ist, dann danke ich für die Brötchen.“ Die Stuttgarter Band beeindruckte mit durch und durch weichgespültem Rock, der die Möglichkeiten der ungewöhnlichen Besetzung (dabei ist eine Geige und ein Cello) nicht nutzte. Auch die zweite Vorgruppe Klima der beiden Schwestern Vera und Sarah Klima machte einen handwerklich sehr ordentlichen Rock, aber, ach, hier reimt sich Schmerz, nein, nicht auf Herz, sondern auf Schwesterherz.

Nach diesem gefühligen, aber Bass-lastigen Vorspiel musste eine Eskalation möglich sein. Kaum hatte der Ansager mit einer kehligen Kadenz „Puuur“ angekündigt, rollten die ersten Basswellen über den Platz. Die Kultband aus Bietigheim-Bissingen begann mit zwei neuen Stücken. Eines davon, „Achtung und Respekt“, fordert genau das ein. Hartmut Engler hüpft zwar wie ein Mick Jagger mit ADHS auf der Bühne herum. Die Band ist aber so abgemischt, dass seine Texte verständlich sind. Miteinander, Verständnis, Brückenbauen, das liegt ihm am Herzen. „Wir sind alle Flüchtlingskinder“, erinnerte Engler an die noch gar nicht so lange zurückliegende Nachkriegszeit. Nicht nur bei „Lena“ mit den dunkelblauen Augen schauten viele Paare sich tief in die Augen, und Pur lieferte ihnen ihre Sprache der Liebe.

35 Jahre gehört Pur zur deutschen Musikgeschichte. Vieles hat sich in der Zeit geändert. Die Wunderkerzen sind durchs Handy-Licht abgelöst worden. Und die hochgereckten Hände halten inzwischen Smartphones mit eingeschalteter Videofunktion. Von „Komm mit ins Abenteuerland“ sind am Freitag wohl ein paar Tausend Aufnahmen entstanden. Irrlichternd tanzte das Licht der Monitore über den Zuschauern. Pures Glück.

Unübersehbar, aber zurückhaltend waren die vielen Polizeibeamten. Acht von ihnen standen ganz hinten. Zu ihrem Einsatzzweck durften sie nichts sagen. Aber an ihrer Ausrüstung war zu erkennen, dass sie keine Probleme mit den Fans erwarteten. Ob sie gerne hier seien und gar selber Pur-Fans? „Nein“, sagte einer, „aber einige Kollegen haben sich um diesen Einsatz gerissen.“

Mit 5000 Besuchern war das Konzert ausverkauft. Wer ganz hinten stand, beim Eingang an der Weggentalstraße, konnte den Eindruck haben, dass es noch mehr auf den Platz gepasst hätten. Aber dafür war vorne an der Bühne drangvolle Enge, und das schon bald nach dem Einlass um 18 Uhr. „Wir sind mit unserem Publikum alt geworden“, sagte einmal resigniert der Liedermacher Christof Stählin. Bei Pur scheint das nicht der Fall zu sein. Sehr viele junge Leute waren gekommen, die beim Start der Karriere der Band noch gar nicht geboren waren.

An ein Feld mit Sonnenblumen erinnerte der Eugen-Bolz Platz am Samstagabend. 4500 Fans besuchten in Hippieblümchenlook das Konzert von Dieter Thomas Kuhn (DTK). Fast jeder trug mindestens eine Sonnenblume auf Stulpen, Leggins, Haaren, Brille oder Hut.

„Guten Abend, Rottenburg! Es tut so gut, nach zwei Tagen im Ruhrpott wieder in die Heimat zu kommen“, begrüßte Kuhn in weißem Glitzerkostüm das Publikum. Zuvor war der Künstler mit dem Spitznamen „Singende Föhnwelle“ in Gießen und Bochum unterwegs.

Eine Frau aus dem Publikum kam gleich zur Sache. Sie überreichte dem Sänger mehrere zusammengebundene BHs. „Da ist für die ganze Kapelle was dabei“, freute sich Kuhn, der mit seiner Band „Im Auftrag der Liebe“ unterwegs ist. „Macht was Ihr wollt mit Euren Handys, bloß sucht keine Pokemons, die geilsten Pokemons sind nämlich auf der Bühne“, rief Kuhn. Mit seiner Band hatte er das Publikum schon nach wenigen Minuten in Partylaune. Kaum jemand blieb von der Melodie des „Griechischen Weins“ unberührt. Große Teile der Menschenmasse fingen an zu tanzen. Bei „Es war Sommer“ von Peter Maffay wurde es romantisch, viele Paare nutzten die Gelegenheit sich zu küssen. Ziemlich vorne stand Thomas Miende. Der 1,90 Meter große Mann aus Baden trug zehn Zentimmeter hohe Absätze. „Ich finde die Stimmung super“, sagte er. Weiter hinten stand Yvonne Burke aus Nagold. „Es ist ein Traum, ich fühl mich wie im Himmel“, sagte sie begeistert. Der 43-jährige Achim Schneck aus Weilheim trug einen goldenen Blazer. Er sei mit 13 Freunden gekommen, berichtete er. „Diese Musik hält jung.

Fußballer Sebastian Knoll von der TSG Tübingen, die bei dem Konzert bewirtete, trug ein Trikot mit Kuhn-Aufdruck. Die Mannschaft hatte mit ihrem Sponsor Kuhn ein Musikvideo gedreht („Gute Freunde kann niemand trennen“). Knoll lernte DTKs Musik über seine ältere Schwester kennen. „Man kann gut mitsingen“, fand er. „Die Band ist vom Ländle und locker drauf“, sagte Sandra Higi aus Seebronn, die seit 15 Jahre die Musik von Dieter Thomas Kuhn hört.

Eigentlich sollte das Konzert um 22 Uhr zu Ende gehen. Das Publikum ließ seinen Liebling nicht gehen und erklatschte sich mehrere Zugaben. „Könnt Ihr noch?“, fragte der Sänger die Zuhörer, als er wieder auf die Bühne stürmte. Die Antwort war ein lautes „Ja!“.

Lauter hübsche Fauen kamen auf die Bühne, als Dieter Thomas Kuhn „Ti amo“ sang, und tanzten eng umschlungen mit ihm. Die beste Performance hob der Sänger für den Schluss auf. Kuhn, inzwischen in einem Mantel aus weißen Federn, stellte sich auf den Flügel. In diesem Moment startete ein Bühnenfeuerwerk. „Für immer und dich“, sang DTK, und das Publikum jubelte. Mit dem Versprechen, nächstes Jahr wieder in Rottenburg zu spielen, trat der Künstler von der Bühne ab.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

04.09.2016, 17:06 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular