Banken: Robust im Stresstest

Überprüfung von mehr als 100 Geldinstituten

Europäische Aufseher überprüfen mehr als 100 Geldinstitute. Die Deutsche Bank bildet unter den deutschen Vertretern das Schlusslicht, die aber allesamt die Mindestanforderungen erfüllen.

31.07.2021

Von Rolf Obertreis

Ein Blick auf die Skyline der Bankenmetropole Frankfurt am Main. Ein Jahr später als ursprünglich geplant haben Europas Aufseher die Banken auf dem Kontinent wieder einem großen Gesundheitscheck unterzogen. Foto: Boris Roessler

Frankfurt/Main.. Europas Banken können eine schwere Krise gut aushalten, auch die deutschen Großbanken und Landesbanken. Dies zeigen die Ergebnisse des am Freitagabend vorgelegten Stresstests der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA und der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Bundesbank lobt die deutschen Institute als robust und krisenfest. Am schlechtesten schneidet die Deutsche Bank ab, sie bleibt aber deutlich über den Mindestanforderungen für das harte Kernkapital, mit dem Risiken und Kreditausfälle kompensiert werden sollen.

Eigentlich sollten Europas Banken schon vor einem Jahr „gestresst“ werden. Doch EBA und EZB haben den alle zwei Jahre organisierten Banken-Stresstest für mögliche Krisen wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben, mit allerdings verschärften Vorgaben wie etwa der Annahme eines starken Konjunktureinbruchs. Insgesamt überprüften sie 101 Instituten aus der EU und der Eurozone. Danach würden die Banken im Falle einer schweren Krise laut EBA ein Drittel ihrer Kapitalpuffer einbüßen, könnten den Stress aber trotzdem noch aushalten. Das gelte auch für die sieben geprüften deutschen Geldhäuser.

Insgesamt würde die wichtige harte Kernkapitalquote gemessen an den riskanten Vermögenswerten und Krediten in den Büchern der Banken im angenommenen schlimmsten Szenario von 15 Prozent Ende 2020 auf 10,2 Prozent Ende 2023 abrutschen. Die Aufseher fordern mindestens 5,9 Prozent. Die EBA schätzt die Verluste für die von ihr untersuchten 50 Institute im Kreditgeschäft in den drei Jahren auf 308 Milliarden Euro, die Einbußen aus Marktrisiken auf 74 Milliarden und aus weiteren Risiken auf 49 Milliarden Euro.

Gestresst wurden von deutscher Seite durch die EBA die Bayerische Landesbank, die Commerzbank, die Deutsche Bank, die DZ Bank, die Landesbank Baden-Württemberg, die Landesbank Hessen-Thüringen und die Volkswagen Bank. Für letztere sind die Daten am besten. Ihre harte Kernkapitalquote schrumpft von 18,10 auf 15,48 Prozent. Die DZ Bank muss den Daten der EBA zufolge einen Rückgang von 15,26 auf 10,21 Prozent hinnehmen, die Bayrische Landesbank einen von 15,85 auf 9,96 Prozent. Die – teilverstaatlichte – Commerzbank würde im Fall einer extremen Krise von 13,22 auf 8,20 Prozent abrutschen, die Landesbank Hessen-Thüringen von 14,67 auf 8,56 Prozent. Bei der Landesbank Baden-Württemberg stände Ende 2023 eine harte Kernkapitalquote von 8,38 Prozent nach 14,81 Prozent Ende vergangenen Jahres. Am Schluss der deutschen Institute rangiert die Deutsche Bank mit einer Quote Ende 2023 von 7,43 Prozent nach 13,63 Prozent Ende vergangenen Jahres. Die Commerzbank sprach am Freitagabend von einem „gesunden“ Risikoprofil. Deutsche Bank-Finanzchef James von Moltke sah ein ermutigendes Ergebnis. Man liege immer noch deutlich über der Mindestanforderung.

Nach Ansicht der Bundesbank haben alle deutschen Geldhäuser gut abgeschnitten und seien widerstandsfähig. „Die deutschen Institute haben sich auch unter großem Stress als robust erwiesen. Sie würden die hohen Kapitalanforderungen auch in einer schweren Wirtschaftskrise erfüllen“, sagte das für Bankenaufsicht zuständige Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling.

Seit der Finanzkrise 2008/2009 werden die Banken regelmäßig geprüft. Angenommen hatten die Bankenaufseher diesmal im schlechtesten Szenario, dass sich die Corona-Pandemie wieder verstärkt und die Wirtschaft in der EU in den kommenden drei Jahren um insgesamt 3,6 Prozent einbricht, dass gleichzeitig die Arbeitslosenquote um 4,7 Prozentpunkte steigt und die Preise für Wohnungen und Häuser um 1,6 Prozent sinken, bei Gewerbeimmobilien sogar um fast ein Drittel. Gleichzeitig würden die Zinsen am Kapitalmarkt fallen.

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Erstellt:
31. Juli 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
31. Juli 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2021, 06:00 Uhr

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