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Ringe schmieden bei den Tübinger Tolkien-Tagen
Sophie Utz (Mitte) graviert unter den Augen ihrer Freundin Dela Schmid ihren Ring. Frank Lienhard steht mit Rat und Tat zu Seite. Bild: Kammerer
Mit einer elbischen Gravur

Ringe schmieden bei den Tübinger Tolkien-Tagen

Bei den Tübinger Tolkien-Tagen schmieden Fantasy-Fans ihre eigenen Ringe und ritzen Sprichwörter aus der Zauberwelt ein.

06.09.2017
  • Kathrin Kammerer

Hoch konzentriert führt Sophie Utz den großen Stift über die Linien des verschlungenen Schriftzugs. „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“, steht dort. Auf Elbisch natürlich, es sind schließlich die Tolkien-Tage. Utz graviert einen schmalen Silberring, den sie davor selbst geschmiedet hat, mit dem bekannten Spruch aus „Herr der Ringe“. Dabei ist viel Feingefühl gefragt.

Die Freunde Myra

Mit einem Ringe-Workshop begannen am Montag die sechsten Fantasy-Tage des deutschlandweiten Vereins der Freunde Myra. Auch am Dienstag stellten wieder zehn Fantasy-Fans unter der Leitung von Frank und Astrid Lienhard ihren eigenen Schmuck her. Der ehemalige Bebenhausener Ortsvorsteher Wolfgang Wettach ist der Vorsitzende des Myra-Vereins und somit auch der Hauptorganisator der einwöchigen Veranstaltung. Dutzende Lesungen, Vorträge, Spiele und Workshops stehen ganz im Zeichen bekannter Fantasy-Werke.

John R. R. Tolkien, der Namensgeber der Veranstaltung, hätte in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag gefeiert. Das bekannteste Werk des britischen Schriftstellers ist die „Herr-der-Ringe“-Trilogie. In den 1950er-Jahren publiziert, wurden die Bücher schnell zu einem internationalen Erfolg. Die drei Blockbuster-Verfilmungen von Peter Jackson steigerten die Berühmtheit der Bücher 2001 nochmal.

Lieber Harry Potter als Hobbit

Sophie Utz und ihre Freundin Dela Schmid sind aber – wie viele Jugendliche ihrer Generation – besonders große Fans des Zauberschülers Harry Potter. Die 15-jährigen Freundinnen haben alle sieben Bücher gelesen und Filme geschaut. Auch „Herr der Ringe“ mögen sie. „Die Bücher hab ich aber nicht gelesen“, sagt Schmid. „Den Hobbit hab’ ich zwar gelesen, den fand ich aber schwer“, sagt sie.

Die beiden haben sich beim Workshop für zwei schlichtere Silberringe entschieden. Das Rohmaterial ist ein dicker Draht aus echtem Silber. Nach dem Ausmessen der Ringgröße wurden die Enden verlötet. Geduld war bei der Bearbeitung des Ringes mit einem Kunststoffhammer gefragt: „Insgesamt haben wir gut eineinhalb Stunden geschmiedet“, erzählt Utz. Danach schliffen sie die Kanten an einer Schleifmaschine glatt und polierten den Ring nochmal auf. Zum Abschluss wird nun endlich graviert. Die beiden Mädchen hören den Anleitungen wissbegierig zu.

Jede Bewegung muss konzentriert sein

Was Utz mit dem großen Stift der Maschine auf der Vorlage nachfährt, ritzt parallel dazu ein kleiner Industriediamant in den oben eingespannten Ring. „Jede Bewegung, die man mit dem großen Stift macht, muss kontrolliert sein“, erklärt Frank Lienhard den beiden Mädchen. Die verschlungenen und fremden Buchstaben der von ihm erfundenen elbischen Sprache sind schwer nachzuzeichnen. Wer abrutscht, ritzt das unwiderruflich auch in den Ring ein.

„Das ist eine super Idee, ich hab noch nie geschmiedet oder graviert“, findet Lisa Gerle, 23. Ihr Ring ist schlicht und hat „Expecto Patronum“ – den Schutzzauber von Harry Potter – als gravierte Inschrift. Gerle ist gemeinsam mit ihrem Freund Stefan Fritz, 21, beim Workshop. Dieser hat aus einer alten marokkanischen Münze aus den 1950er-Jahren einen Ring gefertigt. „Zuerst stanzt man die Münze praktisch aus“, erklärt er.

Der übrig gebliebene Münzen-Kranz wird um einen sogenannten Ringriegel gelegt und kann dort in Form geklopft werden. „Man kann selbst aussuchen, welche Seite der Münzprägung man außen haben will“, sagt Fritz und zeigt den fertigen Ring mit der verschnörkelten Oberfläche. Aus dem ausgestanzten Inneren der Münze will er nun einen Kettenanhänger machen.

Geschmiedete Ringe stabiler

„Geschmiedete Ringe sind stabiler als gegossene“, erklärt Astrid Lienhard. „Beim Gießen kann man dagegen einfacher Muster und Formen herstellen.“ Wer auch einen Ring schmieden will, kann das bis Sonntag noch tun, jeweils von 9 bis 14 Uhr im Alten Schulhaus in Bebenhausen. Utz hat das Prinzip der Graviermaschine jedenfalls schnell verstanden und zieht mit ruhiger Hand ihre Linien. Sie hat schon Übung, verrät sie: „Mein Opa war Feinmechaniker, da durfte ich auch schon mal gravieren.“

Das weitere Programm der Tolkien-Tage

Da der Myra-Verein deutschlandweit Mitglieder hat, rechnet Vorsitzender Wolfgang Wettach besonders zum Wochenende mit vielen Gästen aus dem ganzen Land. Ein Tagesticket unter der Woche kostet 10 Euro, am Wochenende dann 15 Euro. Karten für die einzelnen Veranstaltungen können auch vor Ort gekauft werden. Inhaber der Tübinger Kindercard, der Kreisbonuscard oder Schwerbehinderte erhalten kostenlosen Eintritt. Die Fantasygala am Samstagabend ist ausverkauft, für den Rest sind noch Plätze frei. Es gibt unter anderem Spiele, Bogenschießen, Schwertkampf und einen Schreibworkshop. Außerdem Lesungen von Autoren, die teilweise wie Isabella Benz aus Berlin angereist sind, teilweise aber auch wie die Dusslingerin Veronika Serwotka, die heute im „Steinlach-Bote“ vorgestellt wird, von hier kommen. Das Programm und einen Link zu den Tickets gibt’s unter tuebinger-tolkien-tage.de

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06.09.2017, 01:00 Uhr
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