Altersversorgung

Rentnern winken zwei schöne Jahre

Gute Aussichten für Senioren: Steigende Löhne und zunehmende Beschäftigung bringen 2022 und 2023 voraussichtlich ein Plus von jeweils etwa fünf Prozent.

04.11.2021

Von Dieter Keller

Die Rentner dürfen sich auf einen Zuschlag freuen. Foto: Marijan Murat/dpa

Berlin. Nicht nur 2022, sondern auch 2023 können die Senioren auf eine kräftige Rentenerhöhung von etwa fünf Prozent hoffen. Einschnitte durch eine Rentenreform sind dagegen in der Legislaturperiode bis 2025 voraussichtlich nicht nötig, um die Ziele beim Rentenniveau und dem Beitragssatz einzuhalten, erwartet Anja Piel, Vorstandsmitglied der Deutschen Rentenversicherung Bund. Das Rentensystem habe sich in der Corona-Pandemie als „sehr stabiles Gefüge“ erwiesen.

 

Warum steigen die Renten so kräftig? Sie folgen der Entwicklung der Löhne im Jahr zuvor. Zudem wird berücksichtigt, wie sich die Zahl der Arbeitnehmer und der Rentner entwickelt. Am 1. Juli 2021 gab es im Westen gar keine Rentenerhöhung, weil die Löhne im vergangenen Jahr gesunken sind. Nur im Osten gab es einen Zuschlag von 0,72 Prozent, da der Rentenwert bis 2024 schrittweise auf das West-Niveau steigt. In diesem Jahr winken den Arbeitnehmern wieder deutliche Lohnsteigerungen. Zudem wirkt sich die zunehmende Beschäftigung positiv aus. Daher rechnet die Bundesregierung mit einer Rentenerhöhung am 1. Juli 2022 um 5,2 Prozent im Westen und 5,9 Prozent im Osten. Allerdings ist das noch nicht sicher: Sie könnte auch um einen Prozentpunkt niedriger oder höher ausfallen, warnte der Vorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel. Die genaue Erhöhung wird erst im März 2022 festgelegt.

 

Wie geht es mittelfristig weiter? Mitte 2023 winkt im Westen ein Plus von 4,9 Prozent und im Osten von 5,7 Prozent. Im Jahr darauf könnten Korrekturen der Statistik dazu führen, dass die Erhöhung im Westen ausfällt. 2025 ist die Ost-West-Angleichung abgeschlossen. Dann gibt es erstmals eine einheitliche Erhöhung für ganz Deutschland, nach der aktuellen Schätzung 1,3 Prozent.

 

Wieso sind die Rentner gut dran? In der Corona-Krise sind 2020 die durchschnittlichen Stundenlöhne deutlich gesunken. Daher hätten die Renten am 1. Juli 2021 eigentlich gekürzt werden müssen. Das aber ist gesetzlich ausgeschlossen. Zudem hat die Große Koalition die Regelung ausgesetzt, dass die ausgefallene Kürzung nachgeholt werden muss. Sie hätte eine Halbierung der Rentenerhöhung 2022 bedeutet.

 

Rentnern winken zwei schöne Jahre

Wie entwickelt sich der Beitragssatz? Die 18,6 Prozent reichen bis 2023. Dann sind die Reserven von 37 Milliarden Euro weitgehend aufgebraucht, weil jetzt die Babyboomer in Rente gehen. 2024 muss der Beitrag auf 19,5 Prozent steigen, im Jahr darauf auf 19,7 Prozent. Damit wäre das Ziel von maximal 20 Prozent ohne Eingriffe einzuhalten. Das Rentenniveau, das bei etwa 49 Prozent liegt, könnte 2023 etwa 50,4 Prozent erreichen und danach wieder sinken – es bleibt aber deutlich über den 48 Prozent, die die GroKo als Mindestwert garantiert hatte.

Wie viel muss der Bund zuschießen? Insgesamt überweist der Bund in diesem Jahr über 100 Milliarden Euro an die Rentenversicherung. Rund ein Viertel ist zweckgebunden wie der Zuschuss zu den Renten der Bergleute und die Beiträge für die Babyjahre. Nur der Rest ist der Bundeszuschuss für versicherungsfremde Leistungen. Er macht 23,1 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung von 342 Milliarden Euro aus.

 

Welche Folgen hat die Kurzarbeit für die Versicherung? Von April 2020 bis September 2022 hatte sie Beitragsausfälle von 2,1 Milliarden Euro. Das waren 0,7 Prozent der Einnahmen – eher bescheiden und kein Grund für Krisenszenarien, so Piel. Für die Kurzarbeit mussten die Arbeitgeber Beiträge zahlen, die ihnen von den Arbeitsagenturen erstattet wurden, und zwar auf Basis von 80 Prozent des ausgefallenen Arbeitsentgelts. Im Alter fallen dadurch die Renten etwas niedriger aus.

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Erstellt:
4. November 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
4. November 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. November 2021, 06:00 Uhr

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