Kreis Tübingen · Verkehr

Radschnellweg als Gefahr für die Natur

Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg warnt Minister Winfried Hermann vor der „Hirschauer Variante“.

19.08.2020

Von sg

Ein Radschnellweg durchs Neckartal in der „Hirschauer Variante“ könnte unter anderem Kiebitzen und Rebhühnern schaden, warnen Naturschützer. Archivbild: Ulrich Metz

Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg, vertreten durch den Arbeitskreis Tübingen, fordert in einem Brief an Landesverkehrsminister Winfried Hermann, bei der ursprünglich geplanten Trasse für den Radschnellweg Rottenburg – Tübingen zu bleiben. Die Förderung des Radverkehrs sei richtig und wichtig. „Problematisch ist aber leider auch bei Radschnellwegen eine erhebliche Inanspruchnahme von Flächen, die zudem spezifische Begleitelemente benötigen.“ Bei der nach einer Machbarkeitsstudie festgelegten Vorzugstrasse entlang des Neubaus der Bundesstraße der B28 sei der Verbrauch am niedrigsten.

Leider habe sich der Gemeinderat Rottenburg für die „Hirschauer Variante“ entschieden, ohne die laufenden Planungen zu den Umweltauswirkungen abzuwarten. Auch die CDU-Stadtverbände Tübingen und Rottenburg und der CDU-Ortsverband Hirschau sprachen sich gegen einen Schnell-Radweg entlang der neuen B28 aus und fordern eine neue Trasse auf der nördlichen Neckarseite. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hingegen favorisiert Varianten südlich des Neckars.

Die Naturschützer warnen: Bei der „Hirschauer Variante“ muss mit „gravierenden naturschutzfachlichen und artenschutzrechtlichen Konflikten“ gerechnet werden. Das betroffene Planungsgebiet zwischen Rottenburg, Wurmlingen und Hirschau sei aufgrund seiner großen zusammenhängenden, vergleichsweise extensiv genutzten und nur durch relativ wenige befestigte Wege zerschnittene Acker- und Grünlandflächen „traditioneller Verbreitungsschwerpunkt hochgradig gefährdeter Feld- und Zugvogelarten, der im gesamten Verlauf des Neckars einzigartig ist“. Seit 2008 sei das Gebiet Gegenstand mehrerer lokaler und landesweiter Projekte für in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohte Feldvogelarten und habe inzwischen wieder landes- bis bundesweite Bedeutung für den Artenschutz. Vorrangig gehe es um die Arten Kiebitz, Grauammer und Rebhuhn. Vier Schutzprogramme des Kreises und des Landes befassen sich zurzeit mit dem Erhalt und der Wiederausdehnung dieser Arten.

Der Ausbau des bestehenden Feldweges nach den üblichen Kriterien zum Radschnellweg – Mindestbreite 5 Meter plus getrennter Fußweg, nächtliche Beleuchtung und Winterdienst mit Streusalza – würde zu „nicht bewältigbaren artenschutzrechtlichen Konflikten“ führen, heißt es im Brief. Schon der derzeitige Verkehr der Fußgänger, Inliner, Radfahrer und Landwirte sei eine hohe Belastung. Zudem würde Streusalz die Magerwiesen gefährden.

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Erstellt:
19. August 2020, 19:20 Uhr
Aktualisiert:
19. August 2020, 19:20 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. August 2020, 19:20 Uhr

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