Haus der Geschichte

QR-Code trifft Napoleon

Quiz, Kommentare, 3D-Modelle: Die neue App „Inge“ macht den Besuch der Dauerausstellung des Stuttgarter Museums zu einem interaktiven Erlebnis.

28.06.2021

Von MIRIAM PLAPPERT

Die neue „Inge“-App führt durch die Dauerausstellung im Haus der Geschichte in Stuttgart. Foto: i_d buero

Stuttgart. Auf dem Boden ist eine riesige Baden-Württemberg-Karte ausgebreitet: Stellt man sich auf eine Stadt, werden die Namen der Adelshäuser, die hier einmal regierten, an die Wand projiziert. Der Eingangsbereich der Dauerausstellung im Haus der Geschichte ist originell – und interaktiv. Die neue Idee der Stuttgarter Museumsmacher soll den Besuch noch multimedialer machen: Die Web-App „Inge“ (Interaktive Plattform für eure Geschichte) bietet zu fast allen Objekten ergänzende Informationen.

Der Zugang zur Web-App ist einfach: Smartphone rausholen, ins hauseigene Wlan einloggen, „mit-inge.de“ eintippen – fertig. Herunterladen muss man nichts. Dann die überall im Raum angebrachten QR-Codes abscannen. Wer kein Smartphone hat (oder seines nicht benutzen will), bekommt ein Tablet als Leihgerät. Für Besucherinnen und Besucher, die sich mit der Technik nicht auskennen, steht besonders in den ersten Wochen Personal erklärend bereit, sagt Digitalmanager Stefan Reichert.

Scannt der oder die Interessierte nun so einen QR-Code, bekommt er auf dem kleinen Handybildschirm erstmal das zu sehen, wovor er oder sie sowieso schon steht: etwa die Baden-Württemberg-Karte. Dann heißt es runterscrollen, um zusätzliche Informationen zu erhalten: manchmal als Quiz, manchmal als Video oder Abstimmung. Immer kann man als User Kommentare hinterlassen und mit Emojis seiner Stimmung Ausdruck verleihen. Ungefiltert kommen die allerdings nicht online. Das Museumsteam checkt alles vor der Veröffentlichung.

Jedenfalls haben sich die Macher bei der App einige Spielereien einfallen lassen: Manche Objekte, die in Glasvitrinen eingeschlossen sind, kann der Besucher auf dem Handy-Display als 3D-Modell drehen, wenden und heranzommen, wie er will – etwa ein Modellflugzeug des Stuttgarter Flugvisionärs Hanns Klemm. Damit werde der Impuls vieler Museumsgänger, etwas aus der Nähe zu betrachten, befriedigt, meint Digitalmanager Reichert.

Selfies in idyllischer Kulisse

Im Schwarzwald-Bereich, in dem echte Tannen stehen, lädt eine Sitzbank die Besucher zu einem Selfie in idyllischer Szenerie ein. Das Foto können sie gleich über „Inge“ mit anderen teilen, und auch bei der Verortung der geschichtlichen Ereignisse hilft die Web-App weiter: Scannt man den QR-Code an einem RAF-Fahndungsplakat, erscheint eine Karte. Auf ihr kann man sich anzeigen lassen, wo die Terrotisten Anschläge verübten.

Gerade bei der Zeitgeschichte, etwa zur RAF, können Besucherinnen und Besucher möglicherweise von eigenen Erlebnissen und Erinnerungen berichten, sagt Reichert. Das sei ausdrücklich erwünscht und ebenfalls über „Inge“ – entweder im Museum oder auch von zu Hause aus – möglich.

„Wir wollen Interaktion mit unseren Besucherinnen und Besuchern“, sagt Reichert: Fragen, Kommentare, Verbesserungsvorschläge, eigene Erinnerungen, Fotos. Außerdem können sich die Besucher interessante Objekte als Favoriten markieren und später Informationen per E-Mail zusenden lassen. Der eine oder andere tote Link ist noch dabei, aber im Prinzip kann der Museumsbesuch so zu Hause nachbereitet werden.

Die Befürchtung mancher Museumsmitarbeiter, die App lenke zu sehr von der eigentlichen Ausstellung ab, teilt Reichert nicht: „Wir sind der Meinung, dass Museum im 21. Jahrhundert so funktioniert.“ Klar sei aber auch, dass die App nicht das Haupterlebnis ist: „Ohne Ausstellung ist ein Guide verloren. Die Besucher sollen nicht nur auf den Bildschirm gucken.“

290 000 Euro habe die Entwicklung der Web-App gekostet, sagt Pressesprecher Joachim Rüeck. 200 000 Euro kommen dabei über das Förderprogramm „Digitale Wege ins Museum II“ vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK). Die Entwicklung läuft seit 2018. Die Inhalte haben die Museumsmitarbeiter erarbeitet, die technische Realisiserung übernahm die Wiener Agentur Nous Wissensmanagement.

Wenn die App gut läuft, soll sie auch auf die Sonderausstellungen erweitert werden. Jetzt will das Haus der Geschichte erst einmal sehen, wie die Idee bei den Besucherinnen und Besuchern ankommt.

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Erstellt:
28. Juni 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
28. Juni 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2021, 06:00 Uhr

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