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Literarische Verbrechensbekämpfung

Poetikdozentur mit Ani, Dahl, Nesser und Schorlau

Die Kriminalliteratur als neues Genre für Autoren-Gastvorlesungen. Nächste Woche haben Friedrich Ani, Arne Dahl, Håkan Nesser und Wolfgang Schorlau das Wort.

17.11.2017
  • Peter Ertle

Das gab es noch nie bei der Poetikdozentur: Krimiautoren. Überraschend insofern, als dieses Genre traditionell doch eher der leichten Unterhaltung zugerechnet wird, was vielleicht schon am Diminutiv hörbar ist: Käme irgendjemand auf die Idee, Literatur als Liti abzukürzen?

Ohne Krimi geht die Mimi bekanntlich nicht ins Bett oder an den Strand. Manchmal wird der Krimi sprichwörtlich mit einer anderen Sorte verpackt: Sex&Crime. Ganz ernst scheint man ihn also nicht zu nehmen. Andererseits gibt es längst auch unter den Krimiautoren literarische Meister. Und eine ganze Reihe von Romanen, die nicht unter diesem Label laufen, sind doch auch: Krimis. „Der Name der Rose“ zum Beispiel. Eine Poetik der Kriminalgeschichte, so Poetikdozentur-Organisatorin Dorothee Kimmich, könne bis in die griechischen und biblischen Mythen hinein verfolgt werden. Dabei gehe es um Psychologie und Soziologie des Verbrechens, eine Philosophie von Strafe und Sühne, um gesellschaftliche und ökonomische Konstellationen, pathologische Dispositionen, aber immer auch um die kluge Verwendung von Methoden und Theorien und eine überzeugende Interpretation von Zeichen und Indizien, es gehe zudem um Phantasie, Intuition, Einfühlung und schließlich auch: um das Scheitern aller Versuche, das Verbrechen für immer aus der Welt zu schaffen.

Wohlauf, zu Gast bei der am Dienstag beginnenden Dozentur sind diesmal:

Friedrich Ani, 1959 in Kochel am See geboren, lebt heute als Schriftsteller und Drehbuchautor in München. Neben Kriminalromanen schreibt er Lyrik, Erzählungen und Jugendromane. Nach dem Zivildienst in einem Heim für schwer erziehbare Jungen war Ani erst Polizeireporter, danach Kulturjournalist und Drehbuchautor. Er erhielt sieben Mal den Deutschen Krimipreis sowie den Grimme-Preis und den Bayerischen Fernsehpreis. Sein Roman „Der namenlose Tag“ (2015) wurde unter die zehn besten internationalen Kriminal-Romane des Jahres gewählt und von Volker Schlöndorff verfilmt. 2016 folgten die Romane „Der einsame Engel“ und „Nackter Mann, der brennt“. Zuletzt erschienen der Gedichtband „Im Zimmer meines Vaters“ und „Ermordung des Glücks“ (September 2017).

Arne Dahl – so das Pseudonym des schwedischen Schriftstellers Jan Lennart Arnald –, geboren 1963, lebt in Stockholm und Berlin, ist Literaturwissenschaftler und arbeitet für die Schwedische Nobelpreis-Akademie. Er ist Herausgeber der Zeitschriften Artes und Aiolos und zudem Kritiker bei der schwedischen Tageszeitung Göteborgs-Posten. Für seine Werke erhielt er mehrere internationale Preise, darunter auch den Deutschen Krimipreis in der Kategorie International für „Falsche Opfer“ und „Tiefer Schmerz“. Mehrere seiner Romane wurden für das Fernsehen verfilmt. Sein Roman „Sieben minus eins“ (2016) führte das neue Ermittlerduo Molly Blom und Sam Berger ein, das sich auch in seinem neuesten Roman „Sechs mal zwei“ (2017) mit lange gelöst geglaubten Verbrechen beschäftigt.

Håkan Nesser, geboren 1950, arbeitete nach einem Lehramtsstudium in den Fächern Schwedisch und Englisch als Gymnasiallehrer, ist freier Autor, lebt in London und auf Gotland. Seine Romane um Kommissar Van Veeteren und Inspektor Barbarotti wurden zu globalen Bestsellern. Die Verfilmungen der Van-Veeteren-Serie oder der Fälle Barbarottis, die insbesondere in der ARD ausgestrahlt wurden, machten ihn in Deutschland bekannt. Er wurde unter anderen mit dem Schwedischen Krimipreis, dem Ripper Award und dem Palle-Rosenkrantz-Preis ausgezeichnet sowie einer Ehrendoktorwürde der Universität Örebro. Sein 2015 erschienener neuer „Stadt“-Roman „Elf Tage in Berlin“ erzählt von einem Menschen, der seine verstorben geglaubte Mutter sucht.

Wolfgang Schorlau, geboren 1951, absolvierte eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann, war Teil der Lehrlingsbewegung und Manager eines Softwareunternehmens, bevor er mit 50 Jahren Schriftsteller wurde. Seitdem wurden mehrere seiner Romane zu Bestsellern. Heute lebt Schorlau, wie sein Protagonist Dengler, als politischer Krimiautor in Stuttgart. Insbesondere sein neuestes Werk „Die schützende Hand“ (2015), das den achten Teil seiner DenglerReihe darstellt und im Umfeld der neonazistischen Terrorgruppe NSU spielt, wurde viel und kontrovers besprochen. In seinen Werken, deren Handlung in realen Kontexten situiert ist, verschwimmen zum Teil die Grenzen von Faktizität und Fiktionalität. Seine Texte zeichnen sich unter anderem durch eine aufwendige Recherche aus, die sich zuweilen auch in für das Genre sehr ungewöhnlichen Fußnoten niederschlägt.

Die Termine im Überblick:

Vorlesung Friedrich Ani (deutsch): Dienstag, 21. November 20 Uhr, Hörsaal 25 Kupferbau.

Vorlesungen Arne Dahl: Mittwoch, 22. November, 20 Uhr, Hörsaal 25 Kupferbau. Donnerstag, 23. November, 20 Uhr, Hörsaal 25.

Vorlesung Wolfgang Schorlau (deutsch): Freitag, 24. November, 20 Uhr, Hörsaal 25 Kupferbau,

Vorlesung Håkan Nesser: 26. November, 16 Uhr, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall. 27. November, 20 Uhr, Audimax, Neue Aula, (Geschwister-Scholl-Platz). 28. November, 20 Uhr, Audimax, Neue Aula.

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17.11.2017, 01:00 Uhr
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