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Forschung

Ohne Chemie Pflanzen schützen

Die Universität Hohenheim will die Agrarwirtschaft revolutionieren und testet Mineraldünger.

21.06.2019

Von Tilman Baur

Stuttgart. Agrarwissenschaftler stehen vor riesigen Herausforderungen. Die Weltbevölkerung wächst schnell und damit ihr Bedarf an Nahrung. So gilt es, auf immer kleineren Flächen einen steigenden Bedarf zu decken. Doch die konventionelle Landwirtschaft hinterlässt chemische Rückstände im Boden, etwa durch Pflanzenschutzmittel, und wirkt sich negativ auf die Biodiversität aus. Der Ökolandbau ist keine realistische Alternative, weil er nicht genug Ertrag bringt. Auf einen Befreiungsschlag aus diesem Dilemma hoffen die Universität Hohenheim und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

„Agrarsysteme der Zukunft“ nennt sich das Förderprogramm, in das der Bund in den nächsten viereinhalb Jahren 5,3 Millionen Euro investiert. Die Uni koordiniert dabei ein Verbundprojekt, dessen Ziel es ist, einen Mittelweg zwischen konventioneller Landwirtschaft und ökologischem Landbau zu finden. Chemisch-synthetischer Pflanzenschutz soll demnach ausgedient haben, dafür soll Mineraldünger zum Einsatz kommen. Der sperrige Titel „NOcsPS“ (Landwirtschaft 4.0 ohne chemisch-synthetischen Pflanzenschutz) wird dem Verbund keinen Marketingpreis einbringen, vielleicht aber entscheidend zur Zukunft der Landwirtschaft beitragen.

Gemüse muss perfekt aussehen

„Die Suche nach einem alternativen Ansatz treibt uns um“, sagte Enno Bahrs, Sprecher des Projekts an der Uni Hohenheim. Auch das baden-württembergische Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz beschäftigt sich mit der Frage. Dessen Vertreterin Helga Pfleiderer betonte, dass es ohne Pflanzenschutz nicht gehe. Beschädigtes Gemüse lehne der Verbraucher nämlich weitgehend ab, das zeige die Erfahrung. Die Frage sei, ob man auf die Chemie verzichten könne.

Das Forschungsprojekt setzt auf den neuesten Stand der digitalen Technik, wie Ralf Vögele, Dekan der Fakultät für Agrarwissenschaften, ausführte. So kämen etwa automatisierte Dünger zum Einsatz. „Das NOcsPS-System könnte das Agrarsystem der Zukunft sein und nachhaltiges Wachstum sichern“, so Vögele. In Hohenheim testen die Forscher das neue „NOcsPS“-Anbausystem zunächst auf dem eigenen Versuchsbetrieb.

Parallel kommen konventionelle und Ökolandbau-Systeme zum Vergleich zum Einsatz. Ziel der Versuche sei es herauszufinden, wie Pflanzen ohne Chemie, aber mit Mineraldünger wachsen. Zudem untersuche man die Wirkung auf Schaderreger, Unkraut, bestäubende Insekten und den Boden.

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Erstellt:
21. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2019, 06:00 Uhr

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