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Oft ist Familienforschung eine Puzzlearbeit
Auf der Suche nach den Vorfahren: Hermann Griebel (hinten) hilft Karl-Eugen Speidel bei der Familienforschung.Bild: Rippmann
Bodelshausen

Oft ist Familienforschung eine Puzzlearbeit

Ortsgeschichte Die Heimatgeschichtliche Sammlung in Bodelshausen ist seit Sonntag wieder regelmäßig geöffnet.

09.04.2018
  • st

Für diejenigen, die sich mit alten deutschen Schriften nicht auskennen, ist das, was da schwarz auf weiß steht, schwer lesbar. Hermann Griebel entziffert es mühelos. Er ist Förderkreismitglied der Heimatgeschichtlichen Sammlung, Verfasser des Bodelshäuser Ortsfamilienbuchs und hat jede Menge Übung darin, schwer Leserliches in moderne Schrift zu übertragen.

Am Sonntag hatte die Sammlung in der Bahnhofstraße zum ersten Mal in dieser Saison wieder offen. Und Besucher konnten ihre Fragen zu Familienforschung und alten Handschriften direkt an den Experten Griebel richten. Ein Herr aus Ofterdingen etwa wollte seine Vorfahren-Liste als Stammbaum zurückverfolgen. Harry Walcker aus Bodelshausen hatte Verkaufsurkunden aus dem 14. Jahrhundert im Gepäck. Griebel, Agraringenieur im Ruhestand, übersetzte, was er davon lesen konnte. Am Ende war klar: Es geht um zwei Grundstücke, die vor vielen Hundert Jahren den Besitzer wechselten. Schon schwieriger wurde es anschließend bei einem Text, der auf Latein verfasst ist.

Feldpostkarten an die Verlobte

Harry Walcker gehört dem Walcker-Bund an – einem Verein, der die Pflege des Familiensinnes und die Ahnenforschung des schwäbischen Geschlechts Walcker / Walker als eine seiner Aufgaben ansieht.

Was das Erstellen des Ortsfamilienbuchs für eine Puzzle-Arbeit war, das demonstrierte Griebel anhand von Eintragungen im Bodelshäuser Ehebuch von 1654 bis 1811. Alle vorhandenen Familienbücher sind mittlerweile transkribiert. „Das ist unwahrscheinlich viel wert“, freut sich Kurt Lacher, Vorsitzender des Förderkreises Heimatgeschichte. Jedes Jahr bietet die Sammlung an einem festen Termin Hilfe bei der Familienforschung. „Das Interesse ist nicht mehr so groß, seit es das Ortsfamilienbuch gibt“, berichtete Lacher. Dieses kam 2013 heraus. Aber immer mal wieder kommen doch Männer und Frauen vorbei, die zu Hause Schriften gefunden haben, die sie nicht alleine übersetzen können.

Karl Heise besitzt noch rund 30 Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg. Geschrieben hat sie Heises Schwiegervater im Zeitraum von 1914 bis 1918 – und zwar an seine Verlobte Mina Ebner aus Nehren. „Sehr spannend!“, kommentierte Lacher. Am 6. Mai öffnet in der Heimatgeschichtlichen Sammlung die neue Ausstellung „Abgekriegt – Der Erste Weltkrieg und Bodelshausen“. Auch die Feldpostkarten werden in der Schau, die in Kooperation mit dem Kreisarchiv Tübingen zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren organisiert wird, vorkommen. Zu sehen sein wird die Ausstellung dann bis zum 11. November. Abbildungen und Objekte aus dem Ort sollen die Leiden im Stellungskrieg und die Auswirkungen auf Bodelshausen darstellen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Frauen im Krieg.

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09.04.2018, 01:00 Uhr
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