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Wildbewegtes Firmament und Geisterkirche

Neue Ausstellung in der Kurklinik Bad Sebastiansweiler eröffnet

Von der Naturaufnahme bis zum Porträt. Silhouetten von Städten, Innenansichten aus Kirchen, Gegenstände aus dem Alltagsleben. Vielfalt und Können zeichnen die Werke aus. Im Foyer der Kurklinik Bad Sebastiansweiler stellen die Fotofreunde Ofterdingen/Steinlachtal aus.

07.03.2016
  • Jürgen Jonas

Bad Sebastiansweiler.„Der Amateur sorgt sich um die Ausrüstung, der Profi ums Geld, der Meister hingegen ums Licht.“ Mit diesem Aphorismus begrüßte Geschäftsführer Volker Gurski die Gäste im Foyer der Kurklinik, als er am Freitag die Ausstellung der Fotofreunde eröffnete. Meisterliche Werke, was Licht und Bewegung angeht, sieht er nun an den Wänden des Gebäudes wirksam werden. Insgesamt zwanzig Fotografen haben jeweils zwei ihrer Lieblingsmotive ausgewählt und präsentieren sie dem Publikum.

Vereinsvorsitzende Marion Müller stellte den zahlreichen Gästen die Fotofreunde vor, bei denen „unser schönes Hobby“ im Mittelpunkt steht, erzählte aus dem abwechslungsreichen Vereinsleben. Weder kommen Technik und Fortbildung zu kurz, noch die Geselligkeit mit gemeinsamen Reisen samt Fotoapparaten selbstverständlich. Entsprechend ist die Ausstellung gestaltet. Die bekannten kopulierenden Eisvögel und einen Gartenrotschwanz stellt Rudolf Schneider aus, zwei bemerkenswerte Blüten, aus nächster Nähe aufgenommen, zeigt die 15-jährige Maren Müller. Ihre Mutter Marion gibt einem ollen, rostigen Ding die Ehre, „Der Haken“, der wohl einmal an einem Kran Dienst tat, bis er als Hebewerkzeug ausrangiert wurde.

Ein geheimnisvolles Fenster hat Martin Lung entdeckt, ebenso wie eine merkwürdige Versammlung von Stühlen, die im Verbund auf Gäste warten. Reiner Kimmich hat, neben einer Ritterspielszene, die Konzentration eines Spielers auf den Tischtennisball wahrgenommen. Ob es eine Momentaufnahme oder ein gestelltes Foto ist?

Jürgen Katz bildete „Hongkong bei Nacht“ ab, eine nimmer zur Ruhe kommende Hochhausgewimmelkulisse, im Kontrast steht ein Einblick ins Basler Münster, das die Stille in der geistlichen Anlage augenfällig macht. Von Jürgen Braun ist das beeindruckende Porträt einer weißhaarigen Frau zu sehen, die „Alte Dame.“ Neben zwei antiken bleichen Büsten, die eine lebendige geschminkte Person einrahmen. Martin Graß gibt die Farbigkeit eines Wasserfalls mit Herbstlaub und Moos wider, bildet auch Wiese und Wald wie ein Gemälde ab.

„Calla“ nennt Joachim Wolfer seine Schwarzweiß-Abbildung der Orchidee, deren Blütenblätter engelhaft fortzuschweben scheinen, während der Staubgefäß-Stempel neugierig herauslugt, um zu erfahren, wohin die Reise geht. Daneben eine ehrwürdige Persönlichkeit, ein gewaltiger „Alter Baum“ mit verschlungenem Wurzelwerk.

Hartmut Reiber offenbarten sichin Hamburg, von unten fotografiert, zwei eng beieinander stehende Hochhäuser als schräge „Tanzende Türme“, während er auf der Insel Amrum Riffelungen im Sandstrand während der Ebbe festhielt.

Einen starken Eindruck machen die Bilder von Claudia Klee, ein zart verhüllter Akt mit dem Titel „Durchblick“ und „Beziehung“, in dem sich eine Stoffpuppe und ein Holzgliederwesen begegnen. Eine herrliche Kreuzspinne am Fenster hat Eckart Krüger festgebannt.

„Night Fever“ nennt Werner Leuprecht eine pulsierende Stadtkulisse, sein „Sonnenfang“ zeigt das Zentralgestirn, eingefangen in der Öffnung eines kleinen Turms. Einen Trompeter hat Werner Kreuscher erwischt, mitten in der angestrengten Versenkung in die Tonproduktion, seinen Atem einsetzend. Dazu das Antlitz einer Tänzerin, die während eines Standardtanzes mitten in der Bewegung in den Armen ihres Partners ruht. Seltsames weht aus Jochen Gamerdingers Aufnahmen aus dem verfallenden „Pensionat catholique“ und der „Church of Ghosts“, auf der gespenstische Figuren in einer ausrangierten Kirche auf den Bänken sitzen. Die Naturbilder von Renate Grund lassen sehen, wie schön bereifte Halme und eine winterliche Steppenlandschaft sein können.

Alfred Graß hat, neben leuchtendgrün bemoosten Steinen, einen Stein mit Einschluss aufgeschnappt, einem weißen Band, dass sich überraschend außerhalb auf dem Untergrund fortsetzt.

„Ein neuer Tag erwacht“ nennt Friedrich Schmollinger eine Art Leuchtturm vor dem Meer, auf einem Abgrund stehend, in der Morgendämmerung. Ein starker Baum scheint unter einem wildbewegten Firmament „Dem Himmel entgegen“ zu streben. Wie eine Farbe sich darzustellen vermag, kann der Betrachter in Klara Dittrich-Rommels „Spiegelung in Grün“ erfahren. Daneben ist ein feinsinniger „Malachit-Falter“ zu sehen. Reinhard Becker führt einen sympathischen Kormoran vor Augen, der in einem Baumwipfel Ausschau hält und zeigt das Innere einer riesigen Bibliothek, die man gern als Wohnzimmer nutzen möchte.

Die Ausstellung wurde musikalisch eingerahmt, Jürgen Schmid, 18, und Jakob Ortleb, 13, von der Jugendmusikschule setzten sich ans Klavier. Schmid spielte Frederic Chopins „Fantaisie Impromptu“, Ortleb spielte die Exposition von Joseph Haydns „Grand Sonata.“ Und ganz am Ende eine schöne Eigenkomposition.

Bis wann die Ausstellung zu sehen ist

Die Fotofreunde wurden 1983 in Ofterdingen von Karlheinz Lindner gegründet, heute gehören der Gruppe 38 Mitglieder an, die aus verschiedenen Orten des Steinlachtals kommen. Sie treffen sich alle 14 Tage montags ab 19.30 Uhr im Vereinszimmer der Ofterdinger Burghofhalle, in den Ferien im Pflegewohnhaus in der Nehrener Bubengasse. Neue Mitglieder sind willkommen, „die Tür ist offen“, sagt Marion Müller. Die aktuelle Ausstellung ist bis zum 30. Juni zu sehen, danach wird gewechselt. Der zweite Teil, der bis zum 30. September zu sehen ist, zeigt andere Werke derselben Fotografen.

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07.03.2016, 01:00 Uhr
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