Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Kamino kommt an

Nach den ersten vier Monaten sind die Programmkinomacher zufrieden

Vor vier Monaten ging das Programmkino Kamino an den Start. Obwohl es in der einen oder anderen Sparte noch Luft nach oben gibt, fällt die Zwischenbilanz rundum positiv aus.

19.01.2016

Von Uschi Kurz

Reutlingen. Seit Mitte September flimmern auf dem Wendler-Areal im Kamino täglich kulturell hochwertige Filme über die Leinwand. 18 Vorstellungen gibt es in der Woche, der Betrieb wird ausschließlich von Ehrenamtlichen gemanagt. Das Programm abseits vom Mainstream kommt bei den Gästen an.

„Im Moment läuft es besser als erwartet“, sagt denn auch Klaus Kupke vom Kamino-Vorstand. Etwa 15 000 Besucher/innen braucht das Programmkino jährlich, um finanziell über die Runden zu kommen. Das sind pro Vorstellung im Schnitt zwischen 30 und 40 verkaufte Karten. Rechnet man die bisherigen Zuschauerzahlen aufs Jahr hoch, käme man auf 25 000. Doch Kupke dämpft die Erwartungen. Im Grund genommen müsse man ein ganzes Kinojahr drüber gehen lassen, um einen aussagekräftigen Überblick zu bekommen.

Kritisch könnte es im Sommer werden, wenn ohnehin weniger Menschen ins Kino gehen. Hinzu kommt, dass vom 10. Juni bis zum 10. Juli in Frankreich die Fußball-Europameisterschaft läuft, die dem Kino zusätzliche Gäste abspenstig machen könnte. Deshalb, so Kupke, gebe es bereits Überlegungen, in der „Fuge“, dem Eingangsbereich des Kamino, ein Public Viewing zu veranstalten. Während dann draußen ein überwiegend männliches Publikum die Spiele schaut, könnten im Kinosaal für die weniger Fußball begeisterten anspruchsvolle Filme laufen.

Übrigens ist Kupke überzeugt, dass das Programmkino ohne Frauen nicht so gut laufen würde: „Die Frauen machen das Kulturprogramm.“ Sie würden die Filme auswählen und ihre Männer dann mitnehmen. Ein richtiger Publikumsrenner war das Drama von Paolo Sorrentino „Ewige Jugend“, das heute zum letzten Mal um 18 Uhr zu sehen ist. Da war fast jede Vorstellung ausverkauft. Auch der japanische Streifen „Unsere kleine Schwester“ von Hirokazu Koreeda lief hervorragend. Wenn beide Abendvorstellungen gut besucht sind, stößt das Kamino rein platzmäßig an seine Grenzen. Um einen Stau im Foyer zu vermeiden, wird dann schon auch mal der Notausgang zum Auslass der Zuschauer verwendet.

Hingegen könnte das Kinder- und Jugendprogramm noch etwas mehr Zuschauer vertragen. „Wir sind kein Kinderkino mit Popcorn“, sagt Kupke. Das müsse sich erst noch rumsprechen bei der Elternschaft, dass man im Kamino gute Kinder- und Jugendfilme schauen kann. Auch die Schulvorstellungen hätten noch Luft nach oben – das gilt auch für die Mittwochs-Reihe, in der besondere cineastische Leckerbissen, oft mit Untertitel, gezeigt werden. Dass die Mehrzahl der Kinobesucher/innen Ü-50 ist, verbindet das Kamino mit anderen Programmkinos.

Äußerst zufrieden zeigt sich Kupke mit dem Engagement der über 100 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, von denen jeweils drei pro Vorstellung Dienst schieben. Er lobt auch die elfköpfige Programmgruppe, die sich um die Auswahl der Filme kümmert, was naturgemäß nicht ohne Diskussionen abgehe: „Die ist ein richtiger Glücksfall.“

Über 800 Genossen und ein hochwertiges Programm

296 Mitglieder zählte das Reutlinger Programmkino Kamino bei seiner Gründung am 18. Dezember 2013. Mittlerweile hat die gemeinnützige Genossenschaft bereits 805 Mitglieder, die zusammen fast über 960 Anteile à 200 Euro gekauft haben. Seit September 2015 werden täglich im Kamino kulturell hochwertige Filme gezeigt. Der Mittwochabend ist jeweils besonderen cineastischen Leckerbissen vorbehalten: Morgen um 18 Uhr und noch einmal am 3. Februar um 20 Uhr läuft in der Mittwochs-Reihe der Streifen „Finding Vivian Meier (Original mit Untertitel). Ein anrührender Dokumentarfilm über das Leben und Werk des Kindermädchens Vivian Meier, das zeitlebens fotografiert, aber seine Bilder nie veröffentlicht hat. Meier, die völlig verarmt und einsam starb, hinterließ ein faszinierendes fotografisches Werk.

Zum Artikel

Erstellt:
19. Januar 2016, 11:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Januar 2016, 11:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2016, 11:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+